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PT-Magazin - Ausgabe 1•2 2022

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PT-Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft Die Top-Themen: • Nachdenken über die innere Stimme - Hanspeter Georgi warnt vor Fehlentscheidungen • Gelebte Wertschätzung - Josef Kainz über die Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns • Unternehmen von Fesseln befreien - Hans-Jürgen Friedrich über Leistung und Verantwortung • Konflikte und externe Unterstützung - Bernhard Kuntz: Manchmal geht es ohne Anwalt nicht

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54 Wirtschaft 55 Zuweilen sind Situationen bzw. Konflikte mit anderen Personen oder Organisationen so verfahren, dass man sie ohne externe Unterstützung – zum Beispiel durch einen Anwalt oder Mediator – nicht lösen kann. Manchmal geht es ohne Anwalt oder Mediator ich führe die Verhandlung stellvertretend für Sie.“ Und: • „Bringen Sie, sofern möglich, einen Architekten zum Übergabetermin mit, der den Zustand der Räume dokumentiert und fotografiert, für den Fall, dass die Verhandlung scheitert.“ Für einen echten Anwalt gibt es keine Bagatellsachen Zum Übergabetermin erschien ich dann auch in Begleitung meiner Rechtsanwältin und eines befreundeten Architekten, was meinen Vermieter offensichtlich überraschte. Noch überraschter reagierte er, als er nach der Begrüßung auf der Visitenkarte meiner Rechtsanwältin las: „Barbara Riegel – Rechtsanwältin; Fachanwältin für Versicherungsrecht & Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht“. Dabei zeigte es sich für mich deutlich: Frau Riegel ist es gewohnt, nicht nur über deutlich komplexere Sachverhalte zu verhandeln, sondern auch mit routinierteren Verhandlern als dies mein Vermieter, ein erfahrener Unternehmensberater, ist. So zum Beispiel, wenn sie zum Wohl ihrer Mandanten mit den Rechtsabteilungen oder Rechtsanwälten von Banken, Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften eine gerichtliche oder außergerichtliche Einigung herbeiführen möchte. Das Herz rutschte mir zuweilen in die Hosentasche Dabei rutschte mir, ob ihrer Verhandlungsführung – das gestehe ich – ein, zwei Mal das Herz in die Hosentasche. So zum Beispiel als meine Anwältin, als der Vermieter kein Entgegenkommen zeigte, erklärte: „Dann betrachte ich den Übergabetermin als gescheitert. Deshalb fordere ich Sie auf, unmittelbar die Heizkörper, die Sie bereits widerrechtlich in den noch vermieteten Büroräumen gelagert haben, zu entfernen, so dass …“. Als ich dies hörte, dachte ich „Das darf nicht wahr sein", denn dass der Übergabetermin platzt, das wollte ich keinesfalls. Vielmehr wollte ich „die Kuh ja vom Eis kriegen“, damit ich mich 2022 nicht noch weiter mit dem Problem herumschlagen muss. Nach dieser Aussage von Frau Riegel erbat sich mein Noch-Vermieter einige Minuten Bedenkzeit und zog sich ins benachbarte Wohnhaus zurück – vermutlich um sich dort nun seinerseits telefonisch mit seinem Anwalt zu beraten. Nach 10, 15 Minuten kehrte er jedoch zurück und erklärte sich nun bereit, das u © PIQSELS.COM | ZBYJO – leider – einfach nicht So erging es mir, als Inhaber einer GmbH, in den zurückliegenden zwei Monaten nach unserem Umzug in der Auseinandersetzung mit dem Vermieter unseres alten Büros. Unsere Auffassungen darüber, welche Renovierungsarbeiten wir bis zum Auslaufen des Mietvertrags zum 31. Dezember 2021 der Büroräume, die wir 16 Jahre zuvor völlig unrenoviert übernommen hatten, noch zu erledigen hätten, gingen so weit auseinander, dass mir klar war: Wir werden bei einem Übergabetermin keine Einigung erzielen. Vielmehr wird die Situation bei einem persönlichen Aufeinandertreffen eskalieren, da unsere schriftliche und telefonische Kommunikation immer mehr emotionale Seitenhiebe gegen den jeweils anderen enthielt. Erkenntnis: „Ich brauche eine Unterstützung“ Deshalb wuchs in mir die Überzeugung: „Alleine schaffe ich es nicht! Ich brauche eine professionelle Unterstützung, um diese „Baustelle“ – wie gewünscht – bis zum Jahresende zu schließen; sonst schlage ich mich auch 2022 noch mit endlosen (juristischen) Streitereien mit meinem Ex-Vermieter herum. Also engagierte ich auf Empfehlung einer Bekannten die Darmstädter Rechtsanwältin Barbara Riegel als Unterstützerin und erteilte ihr den Auftrag, bei dem Übergabetermin die Verhandlung mit dem Vermieter stellvertretend für mich zu führen, mit dem Ziel eine Einigung in meinem Sinne herbeizuführen. Denn mir war klar (gerade, weil ich bereits viele Artikel zum Thema Verhandlungsführung für Kunden meiner PR-Agentur redigierte und in Zeitschriften platzierte): Ich werde dazu nicht in der Lage sein – unter anderem weil mir, wenn der Vermieter im Gespräch zu viele emotionale Angriffe startet, irgendwann der Kragen platzt. Verhandlungsziele und -strategie formuliert Zur Vorbereitung des Übergabetermins bzw. der dort stattfindenden Verhandlung traf ich mich mit Frau Riegel zu einem Vorgespräch. In ihm definierte sie im Dialog mit mir u.a. die Verhandlungsziele und welche Zugeständnisse ich eventuell bereit wäre, dem Vermieter zu machen, um diese zu erreichen. Zudem gab sie mir Verhaltenstipps bzw. -anweisungen für den Übergabetermin; so zum Beispiel: • „Mischen Sie sich nicht in die Verhandlung ein – halten Sie am Besten einige Meter Abstand, damit Sie zwar hören, was wir besprechen, aber Herrn … nicht unmittelbar gegenüber stehen. Denn PT-MAGAZIN 1 • 2 2022 PT-MAGAZIN 1 • 2 2022 Dies veranlasste ihn zum sarkastischen Kommentar: „Dann befassen Sie sich normalerweise vermutlich nicht mit solchen Bagatellsachen". Daraufhin erwiderte meine Anwältin trocken: „Für mich gibt es als Anwältin keine Bagatellsachen, sondern stets nur Anliegen meiner Mandanten.“ Danach begann die Verhandlung zwischen meiner Anwältin und meinem Vermieter, der ich aus einer gewissen Distanz lauschte. Dabei war es für mich interessant live mitzuerleben, was es heißt, hart oder genauer gesagt gezielt zu handeln. Es war spannend, eine „harte“ Verhandlung live zu erleben So beeindruckte mich zum Beispiel, wie Frau Riegel das Gespräch immer wieder in ruhige Bahnen lenkte – zum Beispiel, indem sie zum Vermieter sagte: „Das ist Ihre Sicht der Dinge. Doch lassen Sie uns mal in Paragraph … des Mietvertrags schauen. Dort steht ….“ Außerdem wie sie das Gespräch führte, indem sie mal einen etwas schärferen Ton wählte, um ihrem Gegenüber zu signalisieren „Stopp, nun gehen Sie zu weit“ und mal – aus meiner Warte – bewusst ein Lachen in die Konversation einflocht, um die Gesprächssituation wieder zu entspannen. © RAWPIXEL .COM

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