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PT-Magazin - Ausgabe 1•2 2022

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PT-Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft Die Top-Themen: • Nachdenken über die innere Stimme - Hanspeter Georgi warnt vor Fehlentscheidungen • Gelebte Wertschätzung - Josef Kainz über die Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns • Unternehmen von Fesseln befreien - Hans-Jürgen Friedrich über Leistung und Verantwortung • Konflikte und externe Unterstützung - Bernhard Kuntz: Manchmal geht es ohne Anwalt nicht

42 Wirtschaft 43 Wie

42 Wirtschaft 43 Wie können Unternehmen dauerhaft im Wettbewerb bestehen? Über den Autor © VALERY KLOUBERT Prof. Hendrik Wilhelm von der Universität Witten/Herdecke Studie der Uni Witten/Herdecke zeigt, wie Unternehmen dynamische Fähigkeiten einsetzen sollten Autos, Spülmaschinen, Fahrräder – viele Hersteller können derzeit nicht liefern, weil wichtige Teile fehlen. Wie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Beschaffungsprozesse unter solchen Wettbewerbsbedingungen leistungsfähig bleiben? Eine Antwort darauf kommt von Prof. Hendrik Wilhelm von der Universität Witten/Herdecke (UW/H): „Dynamische Fähigkeiten helfen, Betriebsabläufe – wie bspw. Beschaffungsprozesse – wettbewerbsfähig zu halten. Wir haben vier Idealtypen solcher Fähigkeiten identifiziert, die jeweils nur unter ganz bestimmten Bedingungen funktionieren“, fasst Wilhelm, der am Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung die Professur für Strategische © RAWPIXEL | ROYALTY FREE PHOTO PT-MAGAZIN 1 • 2 2022 PT-MAGAZIN 1 • 2 2022 Organisation innehat, die Ergebnisse einer Studie zusammen, die er gemeinsam mit Prof. Indre Maurer (Georg-August- Universität Göttingen) und Prof. Mark Ebers (Universität zu Köln) verfasst hat. Sie ist jetzt unter dem Titel „(When) are dynamic capabilities routine? A mixedmethods configurational analysis“ in der international führenden Fachzeitschrift Journal of Management Studies erschienen, abrufbar unter https://doi. org/10.1111/joms.12789. Die Studie beruht auf einer vergleichenden Analyse von 103 Unternehmen aus drei Industrien in Deutschland; in einem zweiten Schritt wurden 16 dieser Firmen genauer untersucht. Unternehmen verfügen über dynamische Fähigkeiten, wenn sie regelmäßig Aktivitäten ausführen, um wichtige Veränderungen im Umfeld zu erkennen, die Auswirkung auf das eigene Unternehmen analysieren und dann gegebenenfalls zielgerichtete Veränderungen der bestehenden Betriebsabläufe auslösen. Nicht alle Unternehmen verfügen über solche Fähigkeiten, zudem gibt es erhebliche Unterschiede, wie Unternehmen die zugrundeliegenden Aktivitäten organisieren. „Manche Unternehmen führen diese Aktivitäten wie ein Programm aus, mit hoher Frequenz – beinahe wöchentlich –und strengen Verfahrensvorgaben, andere Unternehmen machen das sehr viel seltener und haben kaum Vorgaben. Alle diese Ansätze können funktionieren. Die Frage ist aber, unter welchen Umständen?“, so Wilhelm. Drei Faktoren sind entscheidend dafür, wie die Prozesse organisiert werden sollten: 1. Ist die Konkurrenz im Markt dynamisch oder ruhig? 2. Ist die Firmenkultur eher abwartendreaktiv oder proaktiv-handlungsorientiert? 3. Wie viele Ressourcen (Geld und Arbeitskraft) stehen zur Verfügung? „Die Verantwortlichen in den Unternehmen können oft gut einschätzen, wie ihr Unternehmen bei diesen drei Fragen positioniert ist. Unsere Studie gibt Entscheidern damit eine Grundlage, um den zu ihrem Unternehmen passenden Typ dynamischer Fähigkeiten zu finden“, beschreibt Wilhelm den Mehrwert der Studie für die Unternehmenspraxis. Denn wer sich richtig einschätzt, kann den relativ einfachen Regeln aus der Studie folgen: © RAWPIXEL | ROYALTY FREE PHOTO Entscheidern, deren Unternehmen in dynamischen Märkten arbeiten, sollten prüfen, welche Firmenkultur und wie viele Ressourcen vorliegen. Eine unternehmerische Kultur und viele Ressourcen sprechen für den programmierten Typ: „Da gibt es meist ausgefeilte Regelbücher, welche Messen man besucht, welche Wettbewerber und welche Social Media-Kanäle beobachtet werden müssen. Auch hier finden wir eine durchgetaktete Umsetzung der Veränderungen“, erzählt Wilhelm. Fehlt es an Ressourcen, ist ein experimenteller Typ besser geeignet: „In solchen Betrieben wird viel ausprobiert, Veränderungen erfolgen ‚auf Zuruf‘ und es werden wenige schriftliche Vorgaben gemacht. Diese Unternehmen testen, welche Veränderungen notwendig sind, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten“, verdeutlicht er diesen Typus. Prägt nicht eine unternehmerische Kultur das Unternehmen, sondern eine eher problemgetriebene, sollten Entscheider den adaptiven Typ wählen: Die Wettbewerbsposition wird seltener überprüft, notwendige Änderungen dafür aber umso strukturierter umgesetzt. Sollten Unternehmen schließlich in einem ruhigen Marktumfeld operieren, kann man sich Zeit lassen und etwa einmal im Jahr in einen Reflektionsprozess eintreten. Allerdings muss das Unternehmen auch über gute finanzielle Ressourcen verfügen, um die dann fehlende Routine bei der Ausführung der Prozesse auffangen zu können. „Unsere Studie zeigt, dass es nicht den einen Typ dynamischer Fähigkeiten gibt, der für alle Unternehmen passt. Vielmehr ist es Aufgabe und Qualifikation der Manager, den jeweils zur Unternehmenskultur, Ressourcenausstattung und Wettbewerbsdynamik passenden Typ zu wählen“, zieht Wilhelm den Schlussstrich unter die Studie. •

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