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PT-Magazin 5 / 2021

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PT-Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft Die Top-Themen: • Haiti - Ein interessanter Partner für deutsche Unternehmen? • Retro-Marketing - Eine Aufwertung der Erinnerung • Ashgabat, Turkmenistan ist die teuerste Stadt weltweit. Hongkong folgt • Controlling in der versus für die industrielle Forschung - ein Vergleich

10 Gesellschaft Alle

10 Gesellschaft Alle Bilder: Frantz Battaille Der Botschafter von Haiti Frantz Bataille mit Herrn Tarek Almbrok, Senior Foreign Policy Advisor BVMD - zuständig für Kontakte zum Mittelstand in Mittel- und Südamerika, im Mittleren Osten und in Nordafrika (MENA) Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing im März 2021 den neuen Botschafter von Haiti S.E. Frantz Bataille Haiti ein interessanter Partner für deutsche Unternehmen? Der Botschafter von Haiti Franz Bataille im Gespräch mit seinem Landsmann Georges-Henry Benoit aus Leipzig Zur Geschichte der Karibikinsel: Die heutige Republik Haiti umfasst die Westhälfte der Karibikinsel (unweit von Kuba), wo Christoph Columbus 1492 die erste Kolonie in Amerika, die sog. „Hispaniola“, (Klein-Spanien), gründete. Haiti hat zur Zeit ca. 11 Mio Einwohner vorwiegend afrikanischer Abstammung, fast 3 Mio Haitianer leben im Ausland. Die offiziellen Amtssprachen sind Französisch und Haitianisch, was eine auf dem Französischen basierende Kreolsprache ist. Sie ist entstanden, damit sich die aus verschiedenen Gegenden Afrikas stammenden Sklaven untereinander besser verständigen konnten. Die indianische Urbevölkerung wurde durch eingeschleppte Seuchen und Zwangsarbeit auf den neu angelegten Kaffee- und Zuckerrohrplantagen ausgerottet. Daraufhin wurden Sklaven aus Afrika auf die Insel geholt. 1697 lösten Franzosen die Spanier als Kolonialherren im Westen der Insel ab. Das Gebiet entwickelte sich als Saint Domingue zur reichsten Kolonie Frankreichs. Etwa 40% des Zuckers und 60% des Kaffes, der im 18. Jh. in Europa konsumiert wurde, kam aus Haiti. Aus einem Sklavenaufstand unter Jean-Jacques Dessalines entwickelte sich 1791 eine Revolution, die 1804 zur Gespräch mit dem Botschafter der Republik Haiti in Berlin, S.E. Herrn Frantz Bataille Unabhängigkeit des Staates Haiti (bergiges Land) führte. Aus dem einzigen erfolgreichen Sklavenaufstand der Weltgeschichte ging damit die erste selbständige Nation Lateinamerikas hervor. Frankreich erkannte schließlich 1825 die Republik Haiti an, allerdings gegen eine Entschädigung von 60 Mio Franc an die Plantagenbesitzer. Bis 1947 lähmte die Schuldenlast die haitianische Wirtschaft und legte so den Grundstein für Armut und Korruption. 1844 erkämpfte sich der Ostteil der Karibikinsel als Dominikanische Republik seine Unabhängigkeit. Die neueste Geschichte der Republik Haiti ist immer noch durch blutige Kämpfe, Aufstände und Naturkatastrophen, wie die jüngsten Erdbeben im Januar 2010 und im August 2021, gekennzeichnet. Der heimtückische Mord am Präsidenten Jovenel Moise am 7. Juli diesen Jahres stürzte Haiti erneut in eine tiefe politische Krise. Das Land hofft auf Stabilisierung der politischen Lage und eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung, was u.a. auch mit den am 26. September 2021 stattfindenden Präsidentenwahlen zusammenhängt. Exzellenz, in Ihrer Vita ist zu lesen, dass Sie Medizin sowie Journalistik und Wirtschaftswissenschaften studiert haben. Haben Sie auf diesen Fachgebieten gearbeitet bevor Sie in den diplomatischen Dienst berufen wurden? Ich hatte tatsächlich die Möglichkeit, als Arzt, Journalist und Volkswirt beruflich tätig zu sein. Medizin hat mich jedoch am meisten fasziniert. Als junger Arzt war ich fast im ganzen Land unterwegs. Es war schon ganz schön abenteuerlich, wie ich als Landarzt zu meinen Patienten unterwegs war, mal auf einem klapprigen Gaul, mal mit dem Motorrad und wenn es gar nicht anders ging, zu Fuß. Es machte mir nichts aus, ich war ja jung und liebte den Beruf. 1986 habe ich mich als Arzt in der Gemeinde Fonds des Nègres im Süden von Haiti niedergelassen. Mein Ziel war es, die vielen Einwohner auf dem Lande, die keinen Zugang zu einem Arzt hatten, PT-MAGAZIN 5 2021

11 medizinisch zu betreuen. Dies war bitter nötig. Ich habe es mit großer Leidenschaft getan. Seit März 2021 sind Sie Botschafter in Berlin, was hat Sie dazu bewogen, nach Deutschland zu gehen, kannten Sie dieses Land bereits von früher ? Ich habe viel über Deutschland und über die deutsche Gemeinde in Haiti gelesen. Viel Interessantes darüber habe ich beim haitianischen Schriftsteller Fernand Hibbert gefunden. 1986 habe ich Deutschland als Stipendiat der deutschen Bundesregierung besucht. Ich konnte sehen, wie sich Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Die Mauer war damals noch ein Zeugnis der deutschen Teilung. Ich habe den nahenden Untergang des herrschenden Systems auf der anderen Seite der Mauer erlebt . In Erinnerung blieb mir ein junger russischer Soldat, der sich vor meinem Fotoapparat hinter der Mauer versteckte. An der Mauer lagen Blumenkränze im Gedenken an die Fluchtopfer. So habe ich bereits vor meiner Akkreditierung als Botschafter Einiges von Berlin gekannt. Ich habe schon damals diese Stadt mit ihren schönen Straßen, breiten Bürgersteigen und wunderschönen Parkanlagen gemocht . Exzellenz, woher kommt Ihr großes Interesse an Wirtschaftsthemen und an der Entwicklung des Mittelstandes? Was mein Interesse an den Wirtschaftsund Sozialwissenschaften anbelangt, so hat mich bereits meine Mutter ganz unbewußt darauf neugierig gemacht. Als Kind hörte ich oft ihre Worte:“ Haiti hat Schuld gegenüber Frankreich und Frankreich hat Schuld gegenüber Haiti“. Diese Worte haben mein Interesse geweckt und mich wissbegierig gemacht. Ich wollte den historischen Zusammenhang besser verstehen, insbesondere die Frage der von 1825 bis Mitte des 20. Jahrhunderts von Haiti an Frankreich geleisteten Entschädigung. Das Studium der Wirtschaftswissenschaften half mir, die Auswirkung dieser Last auf die Geschichte und die Entwicklung der Wirtschaft Haitis zu verstehen. Um auf meinen Werdegang zurückzukommen, möchte ich hinzufügen, dass mein Interesse sowohl der Literatur als auch den Zahlen gilt. In meinem Inneren bleibe ich jedoch Landarzt! Welche Geschäftsfelder sind Ihrer Ansicht nach die chancenreichsten für die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen in der Republik Haiti? Mit dem verstorbenen Präsidenten be gann in Haiti die Zuwendung zu erneuerbaren Energien. Dies in einer Zeit, wo die Bundesrepublik Deutschland sich die erneuerbaren Energien, wie z.B. die Wind- und die Solarenergie auf die Fahnen geschrieben hat. In der Vergangenheit hat die Bundesrepublik Deutschland mit dem Bau von Stromversorgungsanlagen in Haiti geholfen. Ich hoffe, mit Vertretern des deutschen Mittelstandes/BVMW kooperieren zu können, um weitere Wege einer möglichen Zusammenarbeit zu erkunden. Über die derzeit schwierige Lage in meinem Land hinaus hoffe ich, dass unsere Zusammenarbeit, sei es im Bereich der erneubaren Energien, der Industrie (elektronische Bauteile) oder der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, erfolgreich sein wird. Somit wird der bestehende Handelsaustausch noch mehr gestärkt. Sowohl als Arzt als auch als Diplomat liegt mir sehr am Herzen, dass sich der Lebensstandard der Menschen in meiner Heimat und somit deren Gesundheitszustand verbessert und dass sich die freundschaftliche Zusammenarbeit zum Wohle unserer beiden Völker vertieft. ó Für das Gespräch danken: Dr. Maria Peter und Georges-Henry Benoit Energizing Productivity Aktive Energiemanagement-Geräte und sichere Bremswiderstände für die elektrische Antriebstechnik Mehr Produktivität, Sicherheit und Effizienz Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme! Michael Koch GmbH, Zum Grenzgraben 28, 76698 Ubstadt-Weiher Tel. +49 7251 9626-200, www.bremsenergie.de, mail@bremsenergie.de

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