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PT-Magazin 4 2021

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Wer wagt, gewinnt! Verfassung und Nation: Warum sich eine Beschäftigung mit der Reichsgründung heute lohnt. Napoleons Hosen: Ein Pathologe zum 200. Todestag Napoleons. Ab ins Rampenlicht: 667 Unternehmen erreichten die Jurystufe 2021. Bullshit Rules brechen: Julien Backhaus hinterfragt Leit- und Lehrsätze.

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38 Wirtschaft © xpHere.com „Hybrid Work ist schon heute die Zukunft“ Eins-zu-eins: Imke Schuller. Die Nachhaltigkeits- und Markenkulturexpertin von Landor & Fitch über die „neue Arbeitskultur“ zwischen Homeoffice und Büro vor Ort – und warum Führungskräfte jetzt besonders gefordert sind. Frau Schuller, in Zeiten wie diesen haben Homeoffice und Video Calls in vielen Branchen einen hohen Anteil – was bedeutet das für die Kultur eines Unternehmens? Es ist einschneidend. Denn in vielen Betrieben ist dadurch natürlich die persönliche Interaktion verloren gegangen, die man durch unmittelbaren Austausch im Büro oder spontane Chats zuvor gewohnt war. Stattdessen befinden wir uns jetzt in einem nicht enden wollenden Strudel von Zoom- oder Teams-Anrufen. Aber auch daran haben wir uns schnell gewöhnt. PT-MAGAZIN 4 2021

39 © xpHere.com Was raten Sie Führungskräften insbesondere? internen Markenbotschafters übernimmt, menschlich und glaubwürdig in seiner Führungsposition bleibt, gewinnt und behält das Vertrauen der Belegschaft, wenn er zu Veränderungen inspiriert. Stimmt es, dass nach der Pandemie die Mehrheit der Mitarbeiter in Deutschland nicht mehr zur vorher praktizierten 100-Prozent-Präsenzarbeit zurückkehren möchte? Der Trend ist eindeutig. Eine repräsentative Umfrage, die wir im Mai durchgeführt haben, bestätigt, dass 88 Prozent der Befragten nicht wieder in die klassische Fünf-Tage-Bürowoche zurückkehren möchten und ein hybrides Arbeitsmodell wünschen, mit mindestens einem Tag Homeoffice. Knapp ein Viertel spricht sich sogar dafür aus, ausschließlich im Homeoffice arbeiten zu wollen. Nur etwa jeder Achte kann sich vorstellen, in das alte Modell, also jeden Tag Büro vor Ort, zurückzukehren. Wir gehen davon aus, dass viele der neuen Eigenschaften und Verhaltensweisen auf Dauer bestehen bleiben, mit einer Mischung aus Präsenz und Homeoffice-Arbeit. Hybrid Work ist schon heute die Zukunft. Das Modell dieser neuen Arbeitsstrukturen wird die Kultur eines Unternehmens auf die Probe stellen wie nie zuvor – aber genau das bietet auch Chancen. Gefragt ist ein hybrides Modell, das mehr Flexibilität bietet und Freiräume lässt. Für die Firmen bedeutet das, dass sie den Zusammenhalt untereinander sowie die Verbindung jedes Einzelnen zum Unternehmen neu definieren sollten. Sie sind mehr gefordert denn je. Es führt kein Weg daran vorbei: Die Führungsebene muss für das hybride Arbeitsmodell zwingend planen, um tatsächlich wie Weichen auf Unternehmenswachstum zu stellen. Und zwar möglichst zeitnah. Zaudern ist ein schlechter Berater. Eine gemeinsame Vision ist umso wichtiger, wenn teils im Büro und teils im Homeoffice gearbeitet wird. Wofür steht das Unternehmen, wo will es hin – das hilft, sich neu zu orientieren und gemeinsame Werte zu schaffen und auch zu leben. Dieses Gefühl des Zusammenhalts ist der Klebstoff zwischen Mitarbeitern und Führung. Wie wichtig sind Rituale im Unternehmen? Ohne sie geht es nicht. Da der Kontakt im Büro vor Ort wegfällt, helfen die digitalen Strukturen, um das Team-Feeling zu fördern. Gemeinsame Fitness-Tutorials schweißen zusammen, virtuelle Ausflüge stärken den Zusammenhalt. Ein gelebtes Beispiel aus der Praxis: Beim unternehmensinternen „Speed Dating“ bei Covestro können sich Mitarbeiter nach dem Zufallsprinzip online mit anderen aus dem Netzwerk auf ein Gespräch treffen. Diese digitale Kontaktpflege kommt intern richtig gut an. Übernimmt die interne Kommunikation in Krisenzeiten eine noch größere Rolle? Große Unternehmen haben viele Standorte – wie gelingt da der konstruktive persönliche Austausch? Wir sind im digitalen Zeitalter angekommen – und sollten die technischen Möglichkeiten entsprechend nutzen, sei es für Schulungen oder Wissensaustausch. Räumlich voneinander getrennte Teams arbeiten problemlos über organisatorische Grenzen und sogar über geografische Zeitzonen hinweg zusammen. Führungskräfte sollten neue, inspirierende Arbeitsweisen initiieren, indem sie für große Projekte beispielsweise Mitarbeiter aus verschiedenen Kontinenten einbinden, und so unter engen Zeitvorgaben Kreativität und Effizienz fordern und fördern. Bei Landor & Fitch haben wir beispielsweise die „25. Stunde“ initiiert. Da startet ein Projekt-Briefing etwa in Sydney und wird dann, der Sonne folgend, an verschiedene Standorte weitergereicht, bis es final in Los Angeles oder San Francisco landet. Ein globaler Ansatz, der die Vielfalt an Talenten, Ideen und Impulsen nutzt und zudem schnellere Resultate liefert. ó Imke Schuller Die Nachhaltigkeits- und Markenkulturexpertin von Landor & Fitch Interviewpartnerin PT-MAGAZIN 4 2021 Corona hat sicherlich viele Unternehmenskulturen auf den Prüfstand gestellt. Das stimmt. Schließlich haben die Mitarbeiter erleben und auch beurteilen können, wie die Chef-Etage auf Veränderungen reagiert, und ob sich die Werte, für die ein Unternehmen steht, auch tatsächlich in seinen Handlungen widerspiegeln. Leben und arbeiten mit der Pandemie – jetzt ist die große Chance gegeben, um zu reflektieren und in das jeweilige Unternehmen mehr denn je „hineinzuhorchen“. Das kann ich nur bestätigen. Führungskräfte sollten im regelmäßigen Turnus kommunizieren, und idealerweise ehrlich und authentisch. Dazu gehört auch die Beantwortung kritischer Fragen, wenn es etwa um die Zukunft des Unternehmens und den eigenen Arbeitsplatz geht. Ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Kolleginnen und Kollegen zu haben, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Genau wie Empathie und Mitgefühl, um Mitarbeiter besser zu unterstützen und einzubinden. Wer die Rolle des einflussreichen Das ist Landor & Fitch Globale Agentur für Markentransformation. In 19 Ländern mehr als 1.200 Beschäftigte. Deutschland-Sitz ist Hamburg. Zuvor als eigenständige Beratungsgesellschaften tätig, fusionierten Landor und Fitch im Januar 2019, um ihre Marken- und Designkompetenz zu bündeln. Die Agentur hat für ihre strategischen und kreativen Leistungen zahlreiche renommierte Preise und Auszeichnungen erhalten. Landor & Fitch gehört zu WPP, dem globalen Netzwerk für kreative Transformation. www.landorandfitch.com

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