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PT-Magazin 1-2 2021

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Ermutigung.

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16 Oskar-Patzelt-Stiftung Der „Große Preis des Mittelstandes“ und das Netzwerk der Besten Was ist der entscheidende wirtschaftliche Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich, Griechenland, Italien und auch den USA? Es ist der unternehmerische Mittelstand, der German Mittelstand. Es ist die Kraft der 100.000 unterschiedlichen miteinander im Wettbewerb stehenden Masterpläne der 100.000 besten klein und mittelständischen Unternehmen. Das bringt dieses Land immer wieder voran. Das ist eine deutsche unternehmerische Tradition, ein kulturelles Erbe. Ein Gemeingut. In den Familienunternehmen wird dieses kulturelle Erbe von Generation zu Generation weiter gegeben. So überstand Deutschland in den letzten 120 Jahren zwei katastrophale Weltkriege, Staatszusammenbrüche, Regierungswechsel, den Wechsel von Demokratie zur Diktatur und zurück, Weltwirtschafts- und Finanzkrisen. Stets hochinnovativ, flexibel, risikobewusst, international ausgerichtet, in der Heimat verwurzelt. Die Erneuerungsfähigkeit wirtschaftlicher Strukturen hängt in viel höherem Maße von einem sich immer wieder erneuernden unternehmerischen Mittelstand ab. Nicht die Großunternehmen, nicht die Ministerien und Großbanken, sondern der unternehmerische Mittelstand trägt in Wahrheit dieses Land und erhält dessen Fähigkeit zur Wohlfahrtsgesellschaft. Hunderttausend Mittelständler Die Flamme unternehmerischen Geistes Zum Mittelstand gehören Unternehmen, die in ein oder zwei Generationen Hunderte oder sogar Tausende von Arbeitsplätzen aufgebaut haben. Dazu gehören altehrwürdige kleinere Firmen, die die Flamme unternehmerischen Geistes nie ausgehen ließen. Die älteste jemals ausgezeichnete Firma in diesem Wettbewerb ist die Gräflich Eltzsche Kastellanei Burg Eltz, nachweisbar seit 1157 als Familienunternehmen tätig. Dazu gehören genossenschaftliche Rechtsformen. Dazu gehören Hightech-Schmieden mit enormem Kapitalbedarf. Aus diesem kulturellen Erbe entstand vor 27 Jahren die Idee, einen „Großen Preis des Mittelstandes“ zu erfinden und zu etablieren. Es ging darum, auf den einfachen Zusammenhang „Gesunder Mittelstand – starke Wirtschaft – mehr Arbeitsplätze“ aufmerksam zu machen. Es ging darum, das Bild des Unternehmens und des Unternehmers in Medien und Öffentlichkeit zu stärken. 200 Persönlichkeiten arbeiten dafür ehrenamtlich in der Oskar- Patzelt-Stiftung am „Großen Preis des Mittelstandes“ mit. Dieser Wirtschaftspreis wurde zur Bühne für Anerkennung der gewaltigen unternehmerischen und sozialen Leistungen mittelständischer Unternehmen. Tausende Diskussionen in hunderten Kommunen und Betrieben finden jährlich in der Nominierungsphase statt. Denn die nominierten Unternehmen werden nicht nur nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien bewertet, sondern in ihrer Gesamtheit und in ihrer Rolle in der Gesellschaft. Dafür werden fünf Wettbewerbskriterien detailliert erfasst und bewertet: 1. Gesamtentwicklung des Unternehmens 2. Schaffung/Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen 3. Modernisierung und Innovation 4. Engagement in der Region 5. Service und Kundennähe, Marketing. Als private Initiative hat sich der Wettbewerb schrittweise – völlig ohne staatliche Finanzierung – zu einem der wichtigsten deutschen Wirtschaftspreise entwickelt. Seit 1994 wurden mehr als 18.000 Unternehmen mit rund 3,5 Millionen Beschäftigten nominiert. Diese Unternehmen bilden das Netzwerk der Besten. Aus Sicht der Oskar-Patzelt-Stiftung sind klein und mittelständische Unternehmen der Jungbrunnen jeder Volkswirtschaft. Wer den Mut hat, auf eigenes Risiko Arbeit für sich selbst und andere zu organisieren, gehört zu den Zugpferden jeder Gesellschaft. Das sollte mehr als bisher öffentlich gewürdigt werden. Deshalb schreibt die Oskar-Patzelt-Stiftung jährlich den Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ aus. Verantwortungsvoll und nachhaltig Was man heute CSR nennt - corporate social responsibility – mit Lehrstühlen an Universitäten und einer „CSR-Richtlinie“ des Europäischen Parlaments, ist im Mittelstand schon seit Jahrhunderten selbstverständlich: Nachweislich seit dem 12. Jahrhundert wurde in Europa das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns in Kaufmanns- PT-MAGAZIN 1-2 2021

17 handbüchern gelehrt und zum Beispiel im norddeutschen Städtebund der Hanse aktiv gelebt. Als der Hildesheimer Bischof Johann I. von Brakel vor 758 Jahren, am 28. Dezember 1260, die Rechtmäßigkeit der Bergmannsvereinigung „Sankt Johannis Bruderschaft am Rammelsberg bei Goslar“ bestätigte, regelt er damit die älteste bekannte Sozialversicherung der Welt, nämlich eine gegenseitige finanzielle Unterstützung im Falle von Erwerbsunfähigkeit. Die Sozialdemokratie als politische Bewegung für soziale Sicherung entstand erst 600 Jahre später. Auch der Begriff „Mittelstand“ entstand nicht erst mit Ludwig Erhard oder der Gründung von CDU, CSU und FDP nach dem 2. Weltkrieg. Vom Mittelstand wurde bereits vor über 320 Jahren in Schlesien gesprochen, in einer Klageschrift der Königlichen Erbfürstentümer und Städte in Bezug auf die Steuerbelastungen aus dem Jahr 1695. Und auch das forcierte breite gesellschaftliche Nachdenken über Nachhaltigkeit wurde nicht erst von der Umweltpartei „Die Grünen“ erfunden. Den Begriff Nachhaltigkeit verwendete der sächsische Oberberghauptmann des Erzgebirges Hans Carl von Carlowitz schon vor über 300 Jahren im 1713 erschienenen Werk Silvicultura oeconomica zur Bezeichnung eines langfristig angelegten verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen. Segensreiches Wirken Es gibt nur Weniges, was über die Jahrhunderte national und international so segensreich gewirkt hat wie der unternehmerische Mittelstand. Der Begriff (German) Mittelstand findet sich heute in einer ganzen Reihe internationaler Wikipedia-Enzyklopädien, unter anderem in der arabischen, französischen, chinesischen, indonesischen, englischen, italienischen, japanischen, russischen, polnischen, spanischen, portugiesischen und türkischen Wikipedia. Das alles schwingt mit, wenn es um Nominierungen zum „Großen Preis des Mittelstandes“ geht oder – jährlich im Herbst – um die Auszeichnung der Finalisten und Preisträger. Entsprechend groß ist die Spannung. Wer wird dieses Jahr den großen Sprung auf die Bühne geschafft haben? Jeder kennt die tröstenden Worte: „Dabei sein ist alles“. Doch im Zusammenhang mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ haben diese Worte gar nichts Floskelhaftes. Denn wer hier nominiert wurde, hat allein durch diese Auswahl bereits eine Auszeichnung erster Güte erfahren. Schon die Nominierung weist das Unternehmen in seiner Gesamtheit und in seiner Rolle innerhalb der Gesellschaft als herausragend aus. Sie alle haben bewiesen, dass Sie der großen betrieblichen und gesellschaftlichen Verantwortung in besonderer Weise gerecht werden. Und deshalb ist der „Große Preis des Mittelstandes“ auch schon Requisite im ARD-Tatort gewesen, wurde zu Schulbuch-Stoff, inspirierte Künstler und wird in mehr als 40 Büchern verschiedenster Verlage und Dutzenden Wikipedia-Artikeln erwähnt. Das können pfiffige Mittelständler aktiv im Marketing nutzen. Und pfiffig sind die klein und mittelständischen Unternehmen, die Wettbewerbsteilnehmer aus Nord- und Süddeutschland, aus West- und Ostdeutschland allemal. Eben typische Mitglieder des Netzwerks der Besten. ó PT-MAGAZIN 1-2 2021

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