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PT-Magazin 06 2019

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

DIH-HERO Ein Turbo für

DIH-HERO Ein Turbo für Innovationen in der Gesundheitsrobotik © DLR PT-MAGAZIN 6/2019 Wirtschaft 46 © DLR / Alexandra Beier Digitalisierung oder Gesundheit 4.0 – was in den 80er Jahren noch als Vision galt, nennt sich heute Innovation: Roboter überall im Gesundheitswesen. Roboter, die Tabletten an Patienten verteilen, Chirurgieroboter, die Ärzte in der minimalinvasiven Chirurgie unterstützen, oder ein Roboterarm, der Getränke reicht, wir werden auf sie nicht mehr verzichten können. Um den Anforderungen des globalen Marktes gerecht zu werden, unterstützt seit Januar 2019 das von der EU geförderte Digital Innovation Hub Healthcare Robotics, kurz DIH- HERO, europäische Unternehmen in der Medizin- und Pflegerobotik. Roboter im Gesundheitswesen sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Wussten Sie, dass schon heute 80% aller radikalen Prostataoperationen in den USA mit einem Robotersystem ausgeführt werden? Und die Nachfrage dürfte weiter steigen, da Ärzte mit den Systemen vertrauter werden und weitere Innovati- © University of Twente Robotik in Healthcare: gute Aussichten, aber große Herausforderungen Der gesamte Gesundheitsbereich, insbesondere Europa als zweitgrößter Markt nach den USA in der Medizintechnik, bietet heute ein Potenzial für die Entwicklung von robotischen Technologien, wie es nie zuvor der Fall war. Der Grund dafür liegt zum einen in den zahlreichen Wirtschaftsstandorten, die die Europäische Gemeinschaft anzubieten hat, und dem Potenzial der dort ansässigen Technologieunternehmen, zum anderen aber auch im medizinischen Fortschritt sowie in den Bedürfnissen alternder und wohlhabender Gesellschaften. Der Markt für medizinische Robotik hat sich seit 2012 versiebenfacht, und man rechnet inzwischen mit einem jährlichen Wachstum von mehr als 20 Prozent. Die wichtigsten Hemmnisse für eine noch schnellere Entwicklung robotischer Lösungen sind derzeit noch hohe Entwicklungs- und Herstellungskosten und © Professor Zbigniew Religa Foundation of Cardiac Surgery Development onen die Roboter kontinuierlich verbessern. Bereits seit den 90er Jahren verabschieden sich Kliniken, erst langsam, dann zunehmend schneller, von der klassischen Laparoskopie (Bauchspiegelung) und wenden sich robotischer Chirurgie zu. Denn Chirurgieroboter filtern mögliches Zittern in den Bewegungen der Chirurgen heraus, durch Skalieren der Bewegungen wird die chirurgische Präzision verbessert, und durch die hohe Bildauflösung können Mediziner Krankheitsbilder besser erkennen. Auch in der Pflege drängen sich robotische Lösungen geradezu auf, vor allem wegen fehlender Alternativen. Der Mangel an Pflegekräften hat sich schon heute zu einem gesellschaftlichen Problem entwickelt, und in 15 Jahren werden in Deutschland 30% der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Wie gehen wir damit um? sehr diverse bis diffuse staatliche Regulierungen. In einem mittelstandsgeprägten ökonomischen System haben wir ein dezentrales Netz an Unternehmen, von denen viele herausragende Einzelkomponenten entwickeln und anbieten. Jedoch fehlt oft noch ein weiterer passender Bausatz, um schnelle und komplette Lösungen auf den Markt zu bringen. Alleine die mangelnde Kompatibilität der medizinischen Systeme kostet jährlich weltweit über 30 Milliarden US-Dollar, während der Markt drängt und schubst mit seinen sich immer mehr verschärfenden Rufen nach Lösungen. Wir befinden uns in einer digitalen Revolution, und diese birgt Chancen und Möglichkeiten für große, mittlere und kleine Unternehmen, die ihrerseits aber häufig Schwierigkeiten haben zu entscheiden, in welche Technologien es sich zu investieren lohnt. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) tun sich damit noch schwer. So ist bisher nur eines von fünf dieser Unternehmen heute hochdigitalisiert – und das bei einem Marktanteil der KMUs von 90%. Diese Entwicklung haben die europäische Forschung, Wirtschaft und Politik gleichermaßen mit Sorge und Spannung beobachtet und etliche Anstrengungen unternommen, um Europa fit für die Zukunft zu machen. Vernetzt in den Markt – gemeinsam starten Das Horizon 2020 Projekt Digital Innovation Hubs Healthcare Robotics, kurz DIH- HERO, ist ein Netzwerk – gefördert und initiiert durch die EU – , das Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich hilft, die Chancen der Digitalisierung zu nut-

Über die Autorin zen, Austausch und Know-how zu stärken und überregionale Kooperationen ins Leben zu rufen. 17 federführende Einrichtungen aus Forschung und Politik bilden ein paneuropäisches Konsortium, das seit Januar 2019 am gemeinsamen Projekt DIH-HERO zur Förderung der Gesundheitsrobotik in Europa arbeitet. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit seinem MIRO Innovation Lab ist Partner und Teil des Konsortiums. Koordinator ist © DLR Antje Hottejan ist Politikwissenschaftlerin. Am DLR-Institut für Robotik und Mechatronik ist sie für das Projekt DIH-HERO tätig. Ein Hub im Hub: das MIRO Innovation Lab Fast alle Konsortiumspartner unterhalten ihrerseits wieder ein eigenes Digital Innovation Hub, ein Netzwerk im Netzwerk, was die Serviceleistungen von DIH- HERO stetig erweitert. So auch das Institut für Robotik und Mechatronik des DLR: Mit seinem MIRO Innovation Lab bietet das Hub zahlreiche Partner und Services für das DIH-HERO Netzwerk. Bereits mit dem weltweit bekannten MiroSurge, ein Telechirurgiesystem für minimalinvasive Eingriffe, hat das DLR seine Kompetenz in der Chirurgierobotik bewiesen. Seit 2017 bietet es mit dem MIRO Innovation Lab Beratung, Technologieanalyse und -entwicklung sowie Weiterbildung auf höchstem Niveau an. 47 © Professor Zbigniew Religa Foundation of Cardiac Surgery Development PT-MAGAZIN 6/2019 Wirtschaft © DLR / Alexandra Beier © DLR / Alexandra Beier die niederländische Universität Twente. Der Auftrag ist klar: KMUs sollen gefördert und europaweite Kooperationen unterstützt werden. Dies geschieht nicht nur mit Rat und Tat, sondern auch mit viel Geld. DIH-HERO wird für einen Zeitraum von vier Jahren seit dem 1. Januar 2019 mit insgesamt 16 Mio. Euro von der EU finanziert. Insgesamt 8 Mio. Euro davon werden in 5 Ausschreibungen an europäische Klein- und Mittelständler verteilt. Im Juli 2019 startete die erste Ausschreibung, im Zuge derer sich kleine und mittelständische Unternehmen auf Reisegutscheine bewerben können, um an Events und Kongressen des DIH-HERO- Netzwerks teilzunehmen oder aber mögliche Kooperationspartner zu besuchen. Die beiden folgenden Ausschreibungen beziehen sich dann schon konkret auf innovative Technologien. Seit Anfang Oktober ist der Call Technology Demonstrator eröffnet, bei dem sich Unternehmen von weniger als 500 Mitarbeitern um Fördergelder bis zu 100.000 Euro bewerben können. Eine Schippe drauf legt noch der Technology Transfer Experiment Call, bei dem es Förderungen bis zu 200.000 Euro pro Projekt zu verteilen gibt. Aber DIH-HERO bietet weit mehr als Fördergelder. Derzeit wird ein ganzer Servicekatalog erstellt, mit dem Partner aus dem Bereich Healthcare Robotics sowohl unterstützen als auch unterstützt werden können. Partner ist, wer Partner sein will, sofern er im weiten Feld der Gesundheitsrobotik agiert. Ganz nach dem Motto gemeinsam sind wir stark vernetzen die DIH-HERO-Partner ihre Kompetenzen und bieten einander einen offenen Wissenstransfer, Kooperationen und natürlich Beratung an. Bis zum 31.12.2022 verfügt DIH-HERO über die EU-Fördergelder, dann soll aus dem jetzigen EU-Projekt ein eigenständig arbeitendes Geschäftsmodell werden. Was mit einer Idee anfing, nimmt mittlerweile Formen an. Es gibt Informationstage bei den Partnern und große Netzwerkevents. Die erste Wissenskonferenz ist für 21. und 22. Januar 2021 in München geplant. Innovationen schneller auf den Markt bringen, KMUs bei der Digitalisierung unterstützen, Wissen und beste Verfahren und Herangehensweisen verbreiten und bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern unterstützen sind die Ziele des Netzwerks, das sich ganz dem Thema Innovation-Robotik-Gesundheit verschrieben hat. Unter www.dihhero.eu können sich Interessierte jederzeit informieren und registrieren. ó

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