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PT-Magazin 06 2019

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

ABC des Menschenanstands

ABC des Menschenanstands PT-MAGAZIN 6/2019 Die „goldene Regel“ gesellschaftlichen Miteinanders von neuem entdecken Gesellschaft 10 © Gerd Altmann auf Pixabay 1. Menschenrechte wie wir sie aus der Allgemeinen Erklärung von 1948 kennen, sind Bestandteil von Kultur und Zivilisation. Im Rückgriff auf sie haben die Menschenrechte ihren Niederschlag gefunden in Verfassungen wie zum Beispiel unserem Grundgesetz. Aber wie sieht es aus mit Menschenpflichten? 2. Dieser Frage geht Aleida Assmann in ihrem Buch „Menschenrechte und Menschenpflichten- Schlüsselbegriffe für eine humane Gesellschaft“ nach. Darin stellt sie mit Erstaunen fest, dass das, was sie erforschen und empfehlen will, bereits ausführlich behandelt worden ist. In „Die Zeit“ vom 2.10.1997 wurde die „Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten“ veröffentlicht. Autoren waren u.a. Staatsmänner und -frauen wie Helmut Schmidt, Franz Vranitzki, Shimon Peres. Die im InterAction Council versammelten Staatsmänner und -frauen haben diese Menschenpflichten i.S. von Verantwortlichkeiten (responsibilities) neu aufgelegt und im Jahre 2012 in vierzig Sprachen veröffentlicht. Die „Allgemeine Erklärung“ war und ist gerichtet an die Weltgemeinschaft und wurde den Vereinten Nationen vorgelegt. Hilfreich beim Entwurf war Hans Küng mit seinem Weltethos- Institut. 3. Parallel hierzu haben Kommunitarier wie Amitai Etzioni in ihren Werken darauf verwiesen, dass für den Zusammenhalt von Gesellschaften eine Art Gleichgewicht von Rechten und Pflichten erforderlich ist. Rechte verstanden als Ansprüche des Einzelnen an die Gesellschaft, Pflichten im Sinne von Ansprüchen der Gesellschaft an den Einzelnen. Zu Individualrechten gehören Sozialpflichten, auf

diese Kurzform bringt es Etzioni in seinem Buch „Die Verantwortungsgesellschaft - Individualismus und Moral in der heutigen Demokratie“, veröffentlicht 1997 in deutscher Sprache. Seine Vision: „Wenn eine Gesellschaft zusätzlich zu stabilen Familien und sozial engagierten Schulen, die für die Charakterbildung zuständig sind, auch über Gemeinschaften verfügt, deren soziales Netz intakt ist und deren moralische Stimme sich klar artikulieren kann, wird sie einen großen Schritt hin zu einer sozialen Ordnung machen, deren Zusammenhalt weitgehend moralischen Verpflichtungen entspringt“. 4. Wichtig hierbei zu erkennen ist, dass der Zusammenhalt von Gesellschaften nicht allein von staatlichen Gesetzen abhängig ist, sondern vielmehr von den Regeln des fairen und sozialen Miteinanders in der Gesellschaft. Thomas Mann nannte es das „ABC des Menschenanstands“. 5. Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum in der westlichen liberalen Welt Ungleichgewichte von Rechten und Pflichten bzw. von Menschenrechten und Menschenpflichten beklagt werden. Überdies stellt sich die Frage: wie sind sie entstanden? Ist es die Politik, die die Bürger zu wenig an ihre „responsibilities“ erinnert, indem sie das Monopol für Sozialpolitik im weitesten Sinne an sich gerissen hat? Hat der Sozialstaat etwa die guten Sitten verdrängt bzw. die Regeln des gerechten Verhaltens ersetzt, weil er seine Sozialpolitik auf der Maxime ausbaute: Du einzelner brauchst dich nicht anzustrengen, die Gesellschaft wird dir schon helfen? John F. Kennedys Aufruf „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst“ wird -auch heute noch- oft zitiert, aber nicht beherzigt. Gibt es also eine Art Korrelation zwischen der Zunahme des Sozialstaats und der Abnahme der „responsibilities“ wie Anstand, Höflichkeit, Respekt und Anerkennung? Wir sollten diesen Fragen mehr Raum in der politischen Meinungsbildung geben. 6. Auf den Punkt gebracht, kommt man immer wieder, ob aus der Perspektive des InterAction Council, also aus der Perspektive von Staatsmännern undfrauen, ob aus der Sicht der Kommunitarier oder auch aus der Ordnungsvorstellung des Liberalismus auf die universell geltende „Goldene Regel“ zurück: was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu! Da die Beachtung dieser Regel der Mitmenschlichkeit sich nicht von allein einstellt, muss sie immer wieder neu erlernt und von Generation zu Generation weitergegeben werden, so Aleida Assmann. Adressaten sind Politik und Staat, Familien und Schulen, Gemeinschaften und Nachbarschaften, Vereine und Vereinigungen- also wir alle in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Das muss uns doch in unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung gelingen, indem wir Putins Behauptung widerlegen, wonach der Liberalismus am Ende sei. 7. Drei Beispiele mögen zum Schluss den dargestellten Zusammenhang verdeutlichen. Erstens die Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen würde die Schere zwischen Rechten und Pflichten weiter öffnen. Zweitens war es für den Zusammenhalt der Gesellschaft ein Fehler, die Wehrpflicht mit der Option des Zivildienstes aufzuheben. Die Ausweitung unter Einbeziehung beider Geschlechter zu einem sozialen Jahr wäre gemeinschaftsfördernder gewesen. Schulen müssen – drittens - selbständiger werden, ihre staatliche Verfasstheit passt nicht mehr in unsere Zeit. Sie leisten nicht das, was für den Zusammenhalt der Gesellschaft erforderlich ist. Die Kultus- und Bildungsminister verteidigen mit den Bildungsbürokratien ihr Bildungsmonopol anstatt den Schulen mehr Freiraum zu gewähren, um im öffentlichen Wettbewerb auf die Suche nach der besten Schule gehen zu dürfen. ó Über den Autor Dr. Hanspeter Georgi ist Politiker und Diplom-Volkswirt. Zuletzt war er saarländischer Minister für Wirtschaft und Arbeit. Er ist Mitglied des Präsidiums der Oskar- Patzelt-Stiftung. Ihr Spezialist für die Automatisierungstechnik Softwarekomponenten Fernwartungslösungen Kommunikationsadapter Petra Hönle Rainer Hönle Thomas Hönle CFO CEO CMO JAHRE DELTA LOGIC www.deltalogic.de

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