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PT-Magazin 06-2017

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

© Kloppe, Ryborsch

© Kloppe, Ryborsch Nichts zu hoch, zu schwer oder zu lang PT-MAGAZIN 6/2017 KAFRIL managt Deutschlands größten Brückenabbruch Wirtschaft 50 Seit Ende März 2017 ist die Firma KAFRIL Großzschepa gemeinsam mit der Firma Moß aus Lingen/ Emsland dabei, die 989 Meter lange Lennetalbrücke in Westfalen abzubrechen. Kein leichtes Unternehmen, denn die Brücke wurde 1967 als monolithische Rahmenkonstruktion über 22 Felder mit der Gesamtlänge von fast einem Kilometer über den Fluss Lenne, dazu über eine Bahnstrecke, Werksgleise und Lagerflächen, sowie je eine Landes- und Kreisstraße in einer Höhe von 20 bis 30 Metern gebaut. Aber leichte Dinge sind keine Herausforderung und so haben die Bauleiter David Kloppe von KAFRIL und Stefan Feldmann von Moß ganz neue Abbruchtechnologien angewendet, um das Vorhaben zu stemmen. Der Abbruch erfolgt im Rahmen des sechsstreifigen Ausbaus der A45 „Siegerlandlinie“. Dafür werden 36 Großbrücken zwischen Dortmund und Haiger/ Burbach erneuert. Die Bauarbeiten an dieser erneuerten Autobahnlinie dauern voraussichtlich bis 2033 und sind mit ca. zwei Milliarden Euro veranschlagt. Und die erste zu erneuende Großbrücke ist die Lennetalbrücke bei Hagen. Ein teilweiser Ersatzneubau erfolgte bereits vor dem Beginn des Abbruches der alten Bücke. Dazu wurde eine zweispurige neue Autobahn mit fester Rettungsgasse auf provisorischen Pfeilern in einem Abstand von nur einem Meter neben der alten Brücke gebaut. Diese neue Autobahn, eine massive Fahrbahnplatte aus Stahlbeton, wird nach dem Abbruch der alten und dem Bau der neuen Stützpfeiler auf diese Pfeiler „verschoben“. Eine Frage der Logistik Der Abbruch bei insgesamt sehr komplexen, besser gesagt äußerst schwierigen, statischen Verhältnissen, begann mit den nördlichen Widerlagern. Nach dem Abfräsen der alten Autobahnoberfläche wurden die Hauptträger mit den 30 Meter Abbruchbaggern Hitachi ZX870XXL der Firmen KAFRIL und Moß durchtrennt und kontrolliert zum Absturz gebracht. Der Einsatz von 7 t-Betonscheren und 5 t-Abbruchhämmern an diesen zwei Baggern ist deutschlandweit einmalig! In die Stützen mit den Hammerköpfen haben die Bagger große sogenannte Fall-Keile geschlagen, damit diese dann in die Feldmitte fallen und zerteilt werden können. Zwei weitere 70 t-Bagger mit 7 t-Abbruchhämmern und fünf 40 t-Bagger zerkleinern die kontrolliert zum Absturz gebrachten, jeweils bis zu 1.300 Tonnen schweren Betonteile. Nicht weit steht der mobile Brecher von der Firma Moß. 35.000 Kubikmeter Stahlbeton werden insgesamt aufzubereiten sein, ein gewaltiger Berg. Der anfallende Schrott wird in die Stahlwerke verkauft und die recycelten Betonmassen in der Korngröße 0/45 gehen direkt auf Baustellen in Nordrhein-Westfalen. Die Logistiker in den Firmenzentralen haben damit alle Hände voll zu tun. Abbruch nach Maß Der Abschnitt über den Fluss Lenne stellte eine besondere Herausforderung dar. Begonnen wurde mit dem Leich-

Wirtschaft PT-MAGAZIN 6/2017 51 tern der Brücke, das heißt dem Abbruch des Fahrbahnüberbaus und der gesamten Fahrbahnplatte. Dann mussten die Trägerelemente mit je einem Gewicht von rund 100 Tonnen in drei Teile zersägt und mit gewaltigen Autokränen abgelegt werden. Ergänzend sind mit dem 30 Meter Abbruchbagger und einer produktspezifischen Mulde sämtliche Abbruchmaterialen aufgefangen worden, damit diese nicht den Fluss Lenne verunreinigen. Ähnlich erfolgt der Abbruch über den Bahngleisen. Auch hier ist das Sägen und die Krandemontage mit einem 500 t- und einem 750 t-Autokran angesagt. Die rund 100 Tonnen schweren Längsträger werden mit diamantbesetzten Sägen zerteilt und am Ufer abgelegt. Diese Autokräne haben auch die Abbruchbagger, welche von oben her die Fahrbahn abgebrochen haben, bedarfsweise auf die Autobahn gehoben und wieder heruntergeholt. Gewaltige „Schneekanonen“ besprühen die Baustellen permanent mit Wasser, um den Staub zu binden. Nur einmal kam bisher ein Sprengmeister zum Einsatz, die beiden Pfeiler am unmittelbaren Lenneufer wurden Mitte Juli gesprengt. In jeden Pfeiler, fast 30 Meter hoch und mit Hammerkopf rund 1.300 Tonnen schwer, hatten die Bagger schon Fallkeile geschlagen. So konnten die in sich zusammengesackten Pfeiler nach wenigen Minuten Sperrung der Autobahn am Ufer den Betonscheren und Abbruchhämmern übergeben werden. Internationales Aufsehen lässt hoffen Das spektakuläre Abbruchvorhaben hat in Nordrhein-Westfalen breite Aufmerksamkeit erregt. Auf YouTube sind Bilder von den Kamera-Drohnen zu sehen, die örtlichen Zeitungen berichten fast täglich von dieser gewaltigen Baustelle. Natürlich werden KAFRIL und Moß den Auftrag in gewohnter Qualität erfüllen. Und vielleicht sind sie mit diesen Referenzen weiter dabei, wenn Mitte 2018 die Abbrüche der Talbrücken Kattenohl und Brunsbecke beginnen. Bereits bei der 23. Fachtagung Abbruch Anfang März in Berlin informierte Stefan Feldmann von Moß vor über 900 Kongressteilnehmern aus Deutschland und 15 weiteren Ländern über das Vorhaben Lennetalbrücke. Und KAFRIL war auch ein zweites Mal im Gespräch, als über das Abbruchvorhaben des Opelwerkes Bochum im Rahmen einer ARGE mit sechs mitwirkenden Firmen gesprochen wurde. ó Dr. Jürgen Schmidt Lossatal

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