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PT-Magazin 05 2019

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

SMiLE und EDAN

SMiLE und EDAN Robotische Assistenzsysteme als Unterstützung in der Pflege PT-MAGAZIN 5/2019 Wirtschaft Unsere Gesellschaft wird kontinuierlich älter, und die daraus entstehende Versorgungslücke gehört wohl zu den gravierendsten Problemen, mit denen sich Deutschland in den kommenden Jahrzehnten auseinandersetzen muss. Bereits jetzt ist der Pflegebedarf nicht ausreichend gedeckt, und durch den demographischen Wandel wird sich dies noch weiter verschärfen. Knapp drei Millionen Menschen sind auf ambulante oder stationäre Pflege angewiesen - und die Zahl könnte bis 2030 auf etwa 3,6 Mil- für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert. „Die Vision von SMiLE ist es, Menschen trotz alters- oder krankheitsbedingter Bewegungseinschränkungen zu einem erfüllteren und selbständigeren Leben zu verhelfen“, sagt Institutsleiter Prof. Alin Albu-Schäffer. „Bei den SMiLE- Robotern kommen digitale Spitzentechnologien zum Einsatz, die seit Jahren in der Weltraumforschung entwickelt und mit Astronauten erprobt wurden. Jetzt kommen sie der Altenpflege zu Gute.“ © DLR 54 © DLR lionen steigen. Während die Anzahl der zu Pflegenden also stetig zunimmt, werden die Menschen zugleich älter als noch vor ein paar Jahrzehnten, und eine Ausbildung im Bereich der Pflege ist für viele momentan kein attraktiver Berufsweg. Ein DLR-Projekt erforscht robotische Lösungsansätze Ein Lösungsansatz wird derzeit am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im bayerischen Oberpfaffenhofen entwickelt. Im Projekt SMiLE (Servicerobotik für Menschen in Lebenssituationen mit Einschränkungen) erforschen Wissenschaftler gemeinsam mit Pflegern und zu Pflegenden, wie robotische Assistenzsysteme in diesem Bereich und als Unterstützung für Menschen mit Behinderungen eingesetzt werden könnten. Das Forschungsvorhaben wird durch das bayerische Staatsministerium Doch welche Tätigkeiten können – und vor allem sollen – Roboter in Zukunft überhaupt übernehmen? Wie kann man gewährleisten, dass der Mensch und seine Bedürfnisse stets im Mittelpunkt der technologischen Entwicklung stehen? Und welche ethischen Fragestellungen werden bei diesem hochsensiblen Thema aufgeworfen? Selbständig leben trotz wachsender Engpässe in der Pflegeversorgung Um diese Fragen auch aus pflegerischer und alltagspraktischer Sicht zu beantworten, arbeiten die Wissenschaftler gemeinsam mit der Caritas in Garmisch- Partenkirchen an möglichen Szenarien für die robotische Assistenz der Zukunft. Prof. Albu-Schäffer erklärt: „Am allerwichtigsten ist uns dabei, die Erwartungen der Patienten und des Pflegepersonals tiefgreifend zu verstehen, um ihre tatsächlichen Bedürfnisse zu adressieren.“ Oft überlegten Menschen nachts lange, den Pfleger zu holen, nur um die Bettdecke auf- oder zuzudecken, so Albu-Schäffer. „Das sind Dinge, an die man als nicht beinträchtiger Mensch gar nicht denkt - und bei denen so ein System die Unabhängigkeit der betroffenen Menschen erhöhen kann.“ Georg Falterbaum, Vorstandschef des Caritasverbands für München und Oberbayern erklärt: „Wir machen gerne die Türen auf für neue Technologien, wenn sie unsere Pflegekräfte entlasten, den Menschen helfen und ethisch vertretbar sind. Assistenzsysteme, die unser Fachpersonal unterstützen, sind nur ein Beispiel, wie Digitalisierung den Alltag in der sozialen Arbeit verändert. Selbstverständlich wird die Pflege immer analog bleiben. Aber technische Neuerungen, die unser Fachpersonal in seiner Arbeit unterstützen, tragen auch zur hohen Qualität in der Pflege bei.“ Allen Beteiligten ist klar: Robotische Pfleger können und dürfen menschliche Zuwendung und bestehende Pflegeleistungen nicht ersetzen, sondern sollen vor allem für eine Entlastung des Pflegepersonals bei hoher Pflegequalität sorgen. So können sie einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Menschen und zur komfortablen Kommunikation mit Angehörigen und Helfern leisten. „Eine große Zielgruppe des Projektes ist die zunehmende Zahl alter, alleinstehender Menschen, die länger ein selbständiges Leben in ihrer eigenen Wohnung führen möchten. Viele von ihnen möchten keine ständige Hilfs-

oder Pflegekraft beschäftigen oder können sich diese finanziell gar nicht erst leisten“, erklärt Professor Albu-Schäffer. Das SMiLE Roboter-Team: Heimassistent Justin und Rollstuhlassistent EDAN Im Rahmen des Projekts SMiLE kommen verschiedene robotische Pflegeassistenten zum Einsatz: Der zweiarmige, mobile Heimassistenzroboter Rollin‘ Justin beispielsweise wird als Unterstützung für Pflegende, Angehörige und ältere Personen mit moderaten Mobilitätseinschränkungen dienen. Als sogenannter humanoider Roboter sieht Justin sehr menschlich aus. Mit seinen helfenden Händen könnte er so ein selbstbestimmteres Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Der Rollstuhlassistent EDAN umfasst einen robotischen Arm samt Roboterhand, montiert an einem elektrischen Rollstuhl, den Menschen mit starken motorischen Einschränkungen über Muskelimpulse steuern können. Er kann wesentliche tägliche Aufgaben durch elektromyographische Steuerung (Messung der verbliebenen Muskelaktivität) teilautonom durchführen und es so auch nahezu gelähmten Menschen ermöglichen, selbständig Türen zu öffnen, hindurchzufahren und Aufzugknöpfe zu drücken oder Getränke zu reichen. In beiden Fällen können die Benutzer auf die Unterstützung seitens der Angehörigen zurückgreifen, die die Roboter über übliche Kommunikationsgeräte wie Smartphones und Tablets zu steuern vermögen. Zusätzlich können sie professionelle Hilfe via Teleoperation (Fernsteuerung) aus einem Pflege-Kontrollzentrum, angeschlossen über wirkungsvolle Kraftrückkopplungsgeräte, in Anspruch nehmen – so die Vision. Die verwendeten Methoden sind bereits in der Raumfahrt ausführlich getestet worden. So setzten europäische, amerikanische und russische Astronauten diese in Deutschland entwickelte Technologie ein, von der Internationalen Raumstation aus einen Roboter in Oberpfaffenhofen im Rahmen unterschiedlichster Experimente zu steuern. So könnten robotische Systeme als unterstützende Technologie in Zukunft einen wertvollen Beitrag leisten, die gesellschaftlichen Herausforderungen in den kommenden Jahrzehnten abzufedern. Langfristig könnte diese Technik auch größere gesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringen, und sich beispielsweise auf Ausbildung und Berufsbild von Pflegern auswirken. „Wir haben ein erstes Verständnis dafür entwickelt, um jetzt die Erprobung durchzuführen“, sagt Albu-Schäffer. „Es wird noch einige Jahre dauern, bis man die Berufsbilder Pflegetechniker oder Telepflegeassistent vollständig ausgearbeitet hat.“ Aus diesem Grund ist es aus Sicht des DLR-Teams besonders wichtig, alle Beteiligten wie Pflegende, Angehörige, Pflegekräfte, Träger von Pflegeeinrichtungen, Pflegeausbilder, oder Experten aus dem Bereich der Ethik bereits im Entwicklungsprozess intensiv einzubinden. ó Über die Autorin Lioba Suchenwirth ist Journalistin und Politikwissenschaftlerin. Am DLR-Institut für Robotik und Mechatronik arbeitet sie als Institutsbeauftragte für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Über den Autor Dr.-Ing. Alexander Dietrich ist Forschungsgruppenleiter am Institut für Robotik und Mechatronik des DLR und Co-Projektleiter des SMiLE-Projekts. 55 PT-MAGAZIN 5/2019 Wirtschaft Wir machen Ihre Maschinen intelligenter. Treffen Sie Ihren Softwarespezialisten der Landtechnik zur AGRITECHNICA 2019 vom 10. bis 16. November in Hannover. Vereinbaren Sie einfach Ihren persönlichen Termin unter 0162 2734711 oder sh@lacos.de. Precision Farming Automatisches Lenken, SectionControl und VariableRate Automatische Dokumentation Telemetrieboxen und Telemetrieportal Individuelle Softwareentwicklung App, Web und Maschinen Terminals www.lacos.de

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