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PT-Magazin 05 2019

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

Industrie 4.0 Nicht den

Industrie 4.0 Nicht den Ingenieuren und Informatikern allein überlassen! PT-MAGAZIN 5/2019 Gesellschaft 12 Industrie 4.0 ist ein in Deutschland geprägter Begriff, der die sich gerade abzeichnende vierte industrielle Entwicklungsstufe bezeichnet (auch vierte industrielle „Revolution“). Entsprechend des großen weltweiten Interesses erscheint Industrie 4.0 bei den wichtigen Technologie-Konferenzen (wie dem Nationalen Digital-Gipfel) und auch den politischen Programmen zur Standortsicherung (wie beim aktuellen Eckpunktepapier der Bundesregierung „KI Made in Germany“ und auch der Berufung des Digitalrats zu sehen) derzeit zumeist ganz oben auf den Tagesordnungen. Disruptive Innovation mit umfassenden Wirkungsfeldern Dabei geht Industrie 4.0 bei diesen Realisierungen weit über die zunächst hervorstechende Idee des Kostensenkens allein im Produktionsprozess hinaus. Denn tatsächlich eröffnen sich wesentlich größere Potenziale hinsichtlich der Weiterentwicklung der Wertschöpfung und auch der Kundenzentrierung des Angebots. Diese Weiterentwicklung der Wertschöpfung und auch der Kundenzentrierung des Angebots geschieht vor allem über die sechs Felder: hohe Flexibilität, kurze Vorlaufzeiten, kleine Losgrößen, größerer Dienstleistungsanteil bei Produkten sowie attraktive Arbeitsbedingungen. So sind die neuen Geschäftsprozesse dadurch hoch-flexibel, dass alle Elemente des Herstellungsprozesses (also von den Maschinen bis zu den Einzelteilen) dann selbstorganisiert flexibel auf kurzfristige Änderungen der Nachfrage oder Ausfälle innerhalb der Wertschöpfungskette reagieren. Daneben verkürzen sich die Vorlaufzeiten dadurch wesentlich, dass alle relevanten Teile und Daten medienbruchfrei, fehlerfrei und in Echtzeit an dem Ort vorliegen, wo sie gerade gebraucht werden. Die Idee des Just-In-Time der 1990er Jahre wird durch Industrie 4.0 also vervollkommnet. Service-Level bei Datenschutz und Datensicherheit klar vereinbaren Der mit Industrie 4.0 verbundene intensive Datenaustausch macht die Anwender auch zum attraktiven Ziel für vielseitige und umfangreiche Hacker-Attacken. Dabei kann es sich um Diebstahl relevanter Daten, aber auch um Spionage und Sabotage bei der physischen Produktion handeln. Immanent birgt Industrie 4.0 also überaus schwerwiegende Risiken mit gesamtwirtschaftlicher Dimension. Jedes einzelne Unternehmen muss somit die technischen Abwehrsysteme aufbauen und auf dem neuesten Stand halten – was durchaus aufwändig und in „friedlichen“ Zeiten, d.h. ohne konkrete Angriffe, den Shareholdern allzu oft nur schwer vermittelbar ist. Bei der Vertragsgestaltung ist dann auch zu prüfen, inwiefern kritische Daten den heimischen Rechtsraum verlassen – beispielsweise über Sub-Kontraktoren oder die Filialen multinationaler Unternehmen – und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Staat bei kritischen Infrastrukturen in der Verantwortung Der Staat ist unmittelbar gefragt, wenn Resilienzen und Redundanzen solch kritischer Infrastrukturen tangiert sind. Diese kritischen Infrastrukturen, wie das Kommunikations- und das damit verknüpfte (intelligente) Stromnetz der Zukunft, dürfen keinesfalls über längere Zeiten ausfallen. Andernfalls drohen Wirtschaft und auch gesellschaftliches Zusammenleben zu kollabieren. So rechnet der Ausschuss für Technikfolgen-Abschätzung damit, dass ein solcher Kollaps des Zivillebens bereits nach drei Ausfalltagen eintreten könnte. Um die Versorgungssicherheit also garantieren zu können, braucht es Überkapazitäten, auf die dann im Katastrophenfall zugegriffen werden kann. Preisträger 2017 99974 MÜHLHAUSEN Langensalzaer Landstr. 39 Tel.: (03601) 433-3 Fax: (03601) 433-555 99091 ERFURT Alte Mittelhäuser Str. 15 Tel.: (0361) 7 30 31-0 Fax: (0361) 7 30 31-18 98544 ZELLA-MEHLIS Gewerbestr. 2 Tel.: (03682) 45 99-0 Fax: (03682) 45 99-22 07751 JENA Zöllnitz Stadtrodaer Landstr. 3 Tel.: (03641) 62 05 24 Fax: (03641) 62 05 26 34260 KASSEL-Kaufungen Industriestraße 14 Tel.: (05605) 30 51-0 Fax: (05605) 30 51-25 95030 HOF An der Hohensaas 3 Tel.: (09281) 7 69 15-0 Fax: (09281) 6 27 09 99819 EISENACH-Krauthausen Am Marktrasen 2 Tel.: (03691) 7 25 81-0 Fax: (03691) 7 25 81-26 99734 NORDHAUSEN Herforder Str. 96 Tel.: (03631) 61 56 10 Fax: (03631) 60 01 24

China bereitet sich zum Sprung an die Spitze vor Industrie 4.0 ist aber keinesfalls nur ein Thema westlicher Industrienationen. Vielmehr ist festzustellen, dass das Xi Jinping Regime chinesische Unternehmen massiv bei deren Innovationsbestrebungen unterstützt (finanziell, bildungspolitisch, regulatorisch). Die Unterstützung durch das Regime erfolgt im Rahmen des Fünf-Jahres-Plans, explizit aber auch im Rahmen des Programms China 2025. Diese Pläne sollen China in die Spitze der innovativen Länder katapultieren. Dies geschieht auch, um in der strategischen Frage der weltweiten Setzung von Standards eine zentrale Rolle spielen zu können. Welche Erfolge China hier bereits erzielt hat, zeigt beispielsweise die beachtliche Zahl der Patente im Umfeld von Industrie 4.0, die chinesische Institutionen angemeldet haben, aber auch die Entwicklung der Hochschulabschlüsse im MINT- Bereich. Mittlerweile kommen auf jeden deutschen MINT-Hochschulabsolventen bereits 25 chinesische. Gelingt China der Sprung an die Spitze der Industrie 4.0-Entwicklung wäre absehbar, dass amerikanische und europäische Unternehmen enorme Kosten auf sich nehmen müssten, um auf die dann gültigen chinesischen Standards für Industrie 4.0 umzurüsten. Hierarchie Mensch–Maschine im Wandel Die neuen, hoch-dynamischen Geschäftsprozesse bauen darauf, dass alle Elemente des Herstellungsprozesses (also von den diversen Maschinen und Transportern bis zu den verbauten Einzelteilen) selbstorganisiert flexibel auf die sich kurzfristig ändernde Nachfrage oder Überlastungen und Ausfälle der Elemente innerhalb der Wertschöpfungskette reagieren. Die Idee von Industrie 4.0 gründet somit auf einer neuen Hierarchie, bei der intelligente Maschinen den Produktionsprozess selbstständig steuern. Fazit: Keinesfalls allein Informatiker oder Ingenieure gefragt Abschließend bleibt festzuhalten, dass Industrie 4.0 enorme Vorteile verspricht; vor allem hinsichtlich reduzierter Kosten, hoher Flexibilität, kurzen Vorlaufzeiten, kleinen Losgrößen, erweitertem Dienstleistungsanteil der Produktion und attraktiven Arbeitsbedingungen. Um diese Vorteile auch zu realisieren, müssen Staat, Wirtschaft und Forschung gemeinsam die drängenden Aufgaben schnell angehen; im technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Bereich – vom Datenschutz und dem Ausbau der öffentlichen Infrastruktur (also moderne Über den Autor Prof. Dr. Stefan Heng, Dipl. Volkswirt, forscht als Professor für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Mannheim zu wirtschaftlichen Aspekten der digitalen Transformation wie Augmented Reality, Sharing Economy und Industrie 4.0. Strom- und Kommunikationsnetze), über den Einigungsprozess beim IT-Ökosystem, die Einbindung in der Wertschöpfungskette und den Kontrollverlust, bis hin zur Hierarchie Mensch-Maschine und unternehmensinternen Kommunikation. Dabei hat das Thema auch eine starke außenpolitische Dimension. So muss Deutschland, wie Europa insgesamt, auch bei Industrie 4.0 eine Strategie bezüglich der massiven chinesischen Bestrebungen zur globalen Ausweitung des technischen, wirtschaftlichen und politischen Einflusses entwickeln. Insgesamt ist Industrie 4.0 also keinesfalls allein eine Frage der Informatik oder Ingenieurswissenschaft, sondern muss in seinen vielfältigen Dimensionen begriffen werden. Zentral für den Erfolg sind dabei insbesondere die beiden Faktoren Mensch und Politik. ó 13 PT-MAGAZIN 5/2019 Gesellschaft

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