Aufrufe
vor 8 Jahren

P.T. MAGAZIN 05/2013

  • Text
  • Unternehmen
  • Magazin
  • Deutschland
  • Mitarbeiter
  • Wirtschaft
  • Menschen
  • Welt
  • Gesellschaft
  • Mittelstand
  • Ideen
Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Hessische Champions

Hessische Champions League Vom hessischen Schlitz an die Weltspitze durch konsequente Personalpolitik Spezial | Regional Nur mit dem richtigen Team schafft man es an die Spitze Eintracht Frankfurt hat am Ende der letzten Saison den Sprung in die Europa League geschafft. Lange sah es gar so aus, als würden sie sich für die Champions League qualifizieren. Damit haben die Hessen eine gute Entwicklung hinter sich, nach zuletzt einigen schlechten Jahren auch in der zweiten Liga. Nicht nur im Fußballgeschäft ist das Bundesland wieder gut vertreten. Auch der reguläre Arbeitsmarkt konnte zuletzt wieder gute Zahlen verbuchen. Der Grund dafür sind Arbeitgeber wie Lampenwelt.de, die sich innerhalb weniger Jahre zum Marktführer im Online- Handel von Leuchten entwickelt haben. Das Unternehmen aus Schlitz bei Fulda beschäftigt mittlerweile mehr als 120 Mitarbeiter und setzt auf konsequente Personalpolitik, trotz Fachkräftemangel. Der Erfolg gibt Geschäftsführer Andreas Rebmann Recht. Jens Gieseler hakt für das P.T. Magazin genauer nach. P.T.: Herr Rebmann, wie groß sind Ihre Schwierigkeiten gute Mitarbeiter zu finden? A. Rebmann: Wir haben in den vergangenen vier Jahren mehr als 100 Arbeitsplätze geschaffen und bisher immer passende Kandidaten gefunden. Ich denke, das liegt unter anderem daran, dass wir ein junges, sehr dynamisches Unternehmen sind, das interessante Aufgaben mit viel Verantwortung bietet. (Foto: Gemeinfrei) P.T.: Was bedeutet das konkret? A. Rebmann: Wir pflegen flache Hierarchien und arbeiten in der Regel in kleinen Teams bis zu sieben Personen. Das bedeutet, jeder Mitarbeiter bekommt relativ große Entscheidungsfreiheit und Verantwortung. Dieser Spielraum zieht engagierte Menschen an, die ihre Persönlichkeit entwickeln und etwas erreichen wollen. Das unterstützen wir etwa, indem wir in deren berufliche Weiterbildung investieren. Das kann ein Marketing-Buch sein, das sich jemand wünscht, ein Seminar oder ein E-Learningkurs für Excel oder die regelmäßigen Schulungen unserer Serviceteams. Das ist ein Teil unseres Teamgeistes: Jeder will sich weiterentwickeln und Lösungen für unsere Kunden finden. Das spricht sich herum. P.T.: Sie finden neue Mitarbeiter also in unmittelbarer Nähe? A. Rebmann: Über den Daumen gepeilt kommen 80 Prozent unserer Mitarbeiter aus unserer Region. Also zieht immerhin ein Fünftel unserer Belegschaft für die Arbeit in unsere Gegend. Die finden unsere Stellenangebote auf Portalen wie Jobcluster oder Stepstone, bei der Arbeitsagentur oder auf unserer Homepage. Beispielsweise kommt ein IT-Mitarbeiter aus Schleswig-Holstein oder unsere Leiterin der französischen Service-Abteilung sogar aus Frankreich. Bei uns arbeiten Menschen aus elf Ländern mit unterschiedlichsten privaten Hintergründen und Ansichten. Trotzdem bilden wir ein homogenes Team und arbeiten exzellent zusammen. Ich glaube, das finden viele spannend. P.T.: Das klingt nach multikulti. A. Rebmann: Wir setzen uns unternehmerische Ziele und alle arbeiten konzentriert daran, diese zu erreichen. Fachliche Eignung und Leistungsbereitschaft müssen stimmen. Unsere Erfahrung ist, dass Mitarbeiter engagierter arbeiten, wenn eine gute, konstruktive Arbeitsatmosphäre herrscht und sie sich im Unternehmen wohl fühlen. Deshalb achten wir bei Bewerbern sehr genau darauf, dass sie neben einer positiven Arbeitseinstellung auch menschlich gut zu uns passen. Sonst lassen wir eine Stelle lieber zwei, drei Monate unbesetzt. P.T.: Welche Rolle spielt das Anschreiben? A. Rebmann: Es fällt positiv auf, wenn jemand etwas anders macht als der Durchschnitt. Aber das ist nicht entscheidend. Vielleicht kann sich derjenige gut präsentieren. Zeugnisse geben mehr von der Person wieder, genauso der Lebenslauf. Wechselt ein Bewerber häufig seinen Arbeitgeber, macht mich das skeptisch. Wir suchen Leute, die langfristig bei Lampenwelt arbeiten wollen und sich mit der Firma, ihren Aufgaben und dem Teamgeist identifizieren. Nur so halten wir das hohe Dienstleistungsniveau. Das gilt für die Logistik, die lagernde Ware generell am Tag des Bestelleingangs versendet und für unseren Service, der auf Grund seiner hochkarätigen Besetzung mit Elektrotechnikern weit über das Standardniveau im Einzelhandel hinausragt. P.T.: Wie viele Bewerber laden Sie zum Gespräch ein? A. Rebmann: Das kommt auf die Stelle und die Bewerbersituation an. Ich schätze, eher zehn als zwanzig Prozent. Diese Gespräche können länger als zwei Stunden dauern. Ich habe einen Fragenkatalog, an dem ich mich orientiere. Wenn es um eine Position im Kundenservice geht, möchte ich herausbekommen, ob ich eine initiative, „menschenfreundliche“ Person vor mir habe. Benötige ich jemand für die Buchhaltung oder das Controlling, dann schaue ich, ob die Person gewissenhaft und ausdauernd ist. Grundsätzlich interessieren mich Stärken und Schwächen, Ziele und Beweggründe. Wir wollen die größtmögliche Übereinstimmung von vorhandenen Fähigkeiten und Stärken mit dem Anforderungsprofil der Position erreichen. P.T.: Entscheiden Sie allein über die Einstellung? A. Rebmann: Wenn es um Standardpositionen im Kundenservice und in der Auftragsbearbeitung geht, führe ich die Gespräche meist allein. Geht es um bestimmte Fachpositionen, ziehe ich gerne einen Abteilungsleiter hinzu. Wir entscheiden dann gemeinsam. Nach einem positiven Gespräch vereinbaren wir mit den Bewerbern einen Probearbeitstag. Wir benötigen Spieler die ihre Position optimal ausfüllen Unsere Abteilungsleiter stellen schnell fest, ob jemand ins Team passt und wie es mit der Auffassungsgabe bestellt ist. Entscheidend ist die grundsätzliche Arbeitseinstellung, nicht unbedingt das fachliche Wissen. Es ist viel schwieriger, die Grundeinstellung eines Menschen zu verändern, als ihm etwas Fachliches beizubringen, wenn die Basis stimmt. P.T.: Es gibt also keine Fehlgriffe? A. Rebmann: Schön wär’s. Aber wir sind an dieser Stelle kompromisslos. Die Probezeit dauert sechs Monate. Das ist eine lange Zeit. Wenn wir uns im Einstellungsprozess geirrt haben, kann es sein, dass der neue Mitarbeiter bereits nach wenigen Tagen wieder gehen muss. Das klingt hart, aber letztlich ist es für das Unternehmen und den Mitarbeiter leichter, als sich noch wochenlang miteinander herumzuquälen. Laut einer Studie 10% 9% 8% 7% 6% 5% Entwicklung der durchschnittlichen Arbeitslosenquote in Hessen 8,3% 7,3% 6,6% 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 denken 15 Prozent der neuen Mitarbeiter in deutschen Unternehmen bereits nach dem ersten Tag über eine Kündigung nach. Ich denke, beide Seiten spüren sehr schnell, ob es fachlich passt und ob die Chemie stimmt. Wir spielen Champions League und benötigen dazu Spieler, die ihre Position optimal ausfüllen, höchste Ansprüche an sich stellen und dabei noch Spaß haben. Solche gehen mit dem Gefühl nach Hause, dass sie heute richtig was geschafft haben. P.T.: Das können Sie sich jedoch nur leisten, weil es so viele Kaufleute gibt. A. Rebmann: Wir leben im Fuldaer Raum sicherlich noch auf der Sonnenseite. Auf Grund des Fachkräftemangels müssen andere Branchen im Personalbereich viele Kompromisse eingehen. Die Situation kennen wir nicht in dem Maße. P.T.: Und wenn Sie nicht mehr die geeigneten Mitarbeiter finden? Stößt das Unternehmen dann an Wachstumsgrenzen? A. Rebmann: Sicherlich, aber noch sind wir nicht in der Situation. In manchen Phasen ist es leichter, in anderen etwas schwieriger. Wir sind deshalb auch rigoros, was unsere Geschäftsstrategie angeht. Angenommen, wir wollten unsere Leuchten künftig in Griechenland anbieten, dann müsste erst das muttersprachliche Serviceteam stehen. Erst 7% 7,9% 8,2% 9,7% 9,2% Die Krisenjahre sind überwunden, der Arbeitsmarkt entspannt 7,5% 6,5% die Personen, dann die Expansion. Würden wir das anders handhaben, investieren wir möglicherweise viel Energie umsonst, bieten lediglich einen unprofessionellen Service und handeln uns einen schlechten Ruf ein. P.T.: Wie bilden Sie sich selbst fort? A. Rebmann: Ich besuche regelmäßig Seminare und lese Bücher. Bei meiner früheren Tätigkeit als „Einzelkämpfer“ und Inhaber einer Versicherungsagentur war Personal für mich kein Thema. Erst durch die positiven Erfahrungen bei Lampenwelt.de habe ich begriffen, dass die richtigen Mitarbeiter den Erfolg ausmachen. Und seitdem finde ich sehr viel Freude und Erfüllung in dieser Führungsaufgabe. Grundsätzlich lerne ich nie aus, spreche immer wieder mit anderen Geschäftsführern und stelle unsere konsequente Personalpolitik vor. n Über den Interviewpartner 6,8% 6,4% Jens Gieseler n Andreas Rebmann ist Geschäftsführer der des Onlineshops Lampenwelt GmbH - www.Lampenwelt.de (Foto: Lampenwelt) 5,9% 5,7% (Grafik: Bundesagentur für Arbeit/Statista) 66 P.T. MAGAZIN 5/2013 5/2013 P.T. MAGAZIN 67

Jahrgänge