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P.T. MAGAZIN 05/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Editorial

Editorial HeldInnen-Friedhöfe Jeder Medienskandal beruht auf einem tatsächlichen oder vermuteten Missstand, über den schlagartig massiv berichtet wird. Die Skandalisierung braucht titelseitentaugliche Protagonisten und ein Schlüsselereignis. Der Protagonist war Deutschlands damals beliebtester Minister, der Freiherr KT von und zu Guttenberg. Das Schlüsselereignis war die tote Heldin. Nächste Phase: Der Skandal eskaliert. Weitere Fakten werden bekannt. Unsaubere Recherchen, provokative Kommentierungen folgen. Die alltägliche Medienschlamperei, die vor keinem Titel vom Boulevardblatt bis zum öffentlichrechtlichen Fernsehen halt macht. Welche Fehler zum Beispiel dem mehrfach ausgezeichneten ZDF­Magazin Frontal 21 unterlaufen sind, kann jeder auf www.seefahrer.blog.de nachlesen. Michael Klonovsky, der Debattenleiter des Focus, stellte im Juli eine lange tabuisierte Frage: Wäre auf dem Segelschulschiff Gorch Fock nicht eine Frau beim Sturz aus den Segeln aufs Deck gestorben, sondern ein männlicher Soldat, hätte sich Deutschland dann auch monatelang erregt? Nein. Natürlich nicht. Mehr als 6.000 Menschen starben von 1956 bis 2008 während des Dienstes für die Bundeswehr. 2.990 davon „infolge der Ausübung ihrer Dienstpflichten“, weitere 3.417 Bundeswehrangehörige durch Suizid. Also ungefähr jeden 3. Tag einer und mehr als die Hälfte durch eigene Hand. Niemand hat sich daran gestört. Speziell auf der Gorch Fock stürzte schon 2002 ein Soldat vom Großmast in den Tod. 2008 ertrank eine Offiziersanwärterin, die ausgerutscht war. Was war um den Jahreswechsel 2010 anders? Dann, in der Etablierungsphase, erreicht der Skandal den Höhepunkt wie im antiken griechischen Drama. Nun wird über die Schuld oder Unschuld der Protagonisten gerichtet. Konsequenzen werden gefordert. Köpfe sollen rollen. Die skandalierte Person oder Organisation knickt ein und zieht Konsequenzen: Bauernopfer oder Rücktritt. Medial ist der Konflikt damit gelöst, Berichterstattung und Interesse nehmen schnell ab. Die Ordnung ist wieder hergestellt. Nur noch vereinzelt berichten Medien. So war es auch im Fall Gorch Fock. Dabei wurden die tatsächlich interessanten Fragen nie gestellt: Soll man Frauen den Dienst an der Waffe in Kriegseinsätzen verbieten, wie das bei der US­Infanterie im Irak der Fall ist und seit 1948 bei der israelischen Armee? Oder soll man in Kauf nehmen, dass tote Soldatinnen die logische Konsequenz einer Gleichstellungspolitik sind, obwohl Frauen physisch Männern im Durchschnitt unzweifelhaft unterlegen sind? Schließlich gibt es heute zwar auch Frauenfußball und Frauenboxen, aber keinen Profiboxkampf zwischen Männern und Frauen und die Gewichtsklassen sind mit gutem Grund für Männer und Frauen unterschiedlich definiert. Klonovsky folgert: Wenn Geschlecht eine „Rolle“ ist und Frauen alles können (müssen) wie Männer, dann haben sie auch bei schwerer See 30 Meter hohe Masten zu entern oder an Gefechten teilzunehmen. Und dann brauchen wir künftig vielleicht keine Heldenfriedhöfe mehr, aber HeldInnen­Friedhöfe. Wollen wir das wirklich? Dr. Helfried Schmidt 5/2011 P.T. MAGAZIN 3 sichere geldanlage kfw-förderfähig thermo + -gebäudehülle Schaffen Sie sich ein Zuhause und schonen Sie dabei die Umwelt! Energiesparend, innovativ, nachhaltig. Informieren Sie sich über die Effizienz- und EnergiePlus-Häuser Ihres Spezialisten für erneuerbare Energien. 100 75 50 25 FingerHaus 85% Neubau Gesamt* 38% anteil häuser mit einsatz erneuerbarer energien in % * Quelle: Statistisches Bundesamt Fachserie 5 Reihe 1 aus 2009 FingerHaus GmbH 35066 Frankenberg Telefon 06451 504-0 www.fingerhaus.de

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