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P.T. MAGAZIN 04/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Gesellschaft

Gesellschaft Gesellschaft End the ECB? Über eine Reform der Geldordnung Die „Österreichische Schule“ sieht den Grund der Krise im staatlichen Papiergeld. NOVO-Autor Malte Tobias Kähler diskutiert, wie eine Reform im Sinne dieser Strömung aussehen könnte. Das „Eccles Building“, Hauptsitz der Federal Reserve in Washington, D.C. Eine Bürgerbewegung in den USA, angeführt vom populären Kongressabgeordneten Ron Paul, mahnt mit dem Ausruf „End the Fed!“ eine Reform der planwirtschaftlichen Geldordnung an. Es geht dabei um nichts Geringeres als um die Abschaffung der US-Notenbank und die Wiedereinführung eines vollständig gedeckten Markt-Geldes. Obwohl diese Bewegung von den Massenmedien bislang weitgehend ignoriert wird, wächst ihre Bedeutung dank des Internets stetig weiter an. 1) Die Protestler stützten sich auf die Ergebnisse der „Österreichischen Schule“ der Ökonomie, die den Grund der Krise im staatlichen Papiergeld verortet. Wie könnte eine Reform im Sinne dieser Strömung aussehen? Die Boom-Story Die bekannte Geldhistorikerin Anna Schwartz äußerte sich über die Geschichte der Spekulationsblasen wie folgt: „Wenn man die einzelnen Übertreibungen des Marktes in all den Jahren erforscht, war es in jedem Fall die expansive Geldpolitik, die den Boom in einer Vermögenswertklasse hervorrief.“ Das Objekt der Spekulation habe sich zwar „von einem Boom zum nächsten gewandelt“, aber die Auslöser der Übertreibung seien stets „eine zu expansive Geldpolitik und zu niedrige Zinssätze“ gewesen. Das habe ganz gewöhnliche Bürger dazu verleitet, verschiedene Spekulationsobjekte zu erwerben (in der jüngsten Dekade waren es Aktien und Immobilien), da die nötigen Kredite zum Kauf ja reichlich verfügbar waren. „Und dann“, so schließt die Autorin, „wenn die Geldpolitik restriktiver wird, kollabiert der Boom.“ 2) Der Anker (Foto: Wikipedia/CC/2,5/Dan Smith) Auch die Vertreter der Österreichischen Schule erkennen das Grundübel der periodisch wiederkehrenden Wirtschaftskrisen in einer zügellosen Kreditvermehrung, die nicht auf realen Ersparnissen basiert, sondern auf beliebig multiplizierbarem Papiergeld. 3) Um künftige Krisen zu vermeiden, bedarf es aus ihrer Sicht der Bindung des gesetzlichen Zahlungsmittels an ein erprobtes und uraltes natürliches Geld, wie etwa Gold, da dieses von den Notenbanken nicht nach Gutdünken vermehrt werden kann. „Die vorhandenen Bankverbindlichkeiten werden an das Gold angebunden, das noch in den Kellern der Zentralbanken lagert. So erhält die ausstehende Papiergeldmenge einen Anker“, 4) erläutert Dr. Thorsten Polleit von der Frankfurt School of Finance den notwendigen ersten Reformschritt. Die verschiedenen Landeswährungen, wie Dollar, Euro oder Pfund, stellen dann nur noch Gewichtsbezeichnungen für eine bestimmte Menge Gold dar, so wie ein Gramm oder eine Unze. Weil es sich dabei um Gewichtsverhältnisse handelt, sind die Einwände, es gäbe nicht genügend Gold auf der Erde, um eine vollständige Deckung zu gewährleisten, genauso unseriös wie die Behauptung, es wären nicht genügend Meter vorhanden, um einen Kilometer abzuschreiten. Sinkende Preise sind schlecht? Öfter wird hingegen der Einwand erhoben, dass die Preise bei vorhandenem Goldstandard aufgrund des Produktivitätsfortschritts allmählich sinken würden, was dann irgendwie zu ökonomischem Stillstand führen müsse. Das so heraufbeschworene Schreckgespenst der Deflation verhindert zumeist jede seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema – viele Ökonomen waren einfach zu erfolgreich darin, der Öffentlichkeit einzuhämmern, dass sinkende Preise etwas Schlechtes wären. Milton Friedman – der ja beileibe kein Außenseiter in dieser Wissenschaft war – bemerkte allerdings, dass das Preisniveau in der Epoche des Goldstandards gegen Ende des 19. Jahrhunderts beständig gefallen ist. Und zwar „in weniger als 15 Jahren auf die Hälfte des Anfangsniveaus. Zur selben Zeit schritt das Wachstum in hohem Maße voran“. Das Zusammentreffen beider Phänomene, so Friedman weiter, ließe „ernsthafte Zweifel an der gegenwärtig verbreiten Ansicht [entstehen], die davon ausgeht, dass langfristige Preisdeflation und hohes wirtschaftliches Wachstum unvereinbar wären.“ 5) Fixe Idee der Ökonomen Aus theoretischer Perspektive überrascht dieser Befund jedoch keineswegs. Befasst man sich einmal nüchtern mit den Zusammenhängen, bemerkt man, dass sich ein Unternehmer bei seinem alltäglichen Geschäft recht wenig um das „allgemeine Preisniveau“ schert, das eine fixe Idee der überwiegend in Aggregaten denken- den Makroökonomen ist. Für seinen Gewinn ist vor allem die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreisen derjenigen Güter entscheidend, die in seinem Betrieb Verwendung finden. Wenn z. B. die Verkaufspreise in der Computerbranche aufgrund des technischen Fortschrittes sinken, so bedeutet das nicht zwingend, dass ein Hersteller dort die Produktion einstellen müsste. Denn solange die Einkaufspreise für die von ihm benötigten Rohstoffe und die Kosten anderer Betriebsmittel ebenfalls sinken, besteht die Profitlücke ja nach wie vor. Derartige Preisspannen zwischen den Gütern sind der Antrieb für unternehmerisches Engagement und ergeben sich in allen Branchen und zu jeder Zeit – unabhängig davon, ob das allgemeine Preisniveau steigt, sinkt oder auch verharrt. Die wirtschaftliche Aktivität muss also bei fallenden Preisen keinesfalls zum Erliegen kommen, was von Friedman ja auch empirisch festgestellt wurde. 6) Auch private Banken erschaffen Geld Obwohl die staatliche Zentralbank wohl der sichtbarste Produzent des Krisen hervorrufenden Papiergeldes ist, wird das Problem der Finanzturbulenzen mit der Einführung eines Goldstandards noch nicht gelöst. Ein weiterer Akteur kann dank eines vom Staat verliehenen Privilegs nämlich ebenfalls Geld „aus dem Nichts“ erschaffen. Ohne die Kenntnis dieses zweiten Prozesses kann auch nicht begriffen werden, warum die Weltwirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts entfesselt wurde, obwohl der Dollar und andere Währungen noch an die Goldreserven gekoppelt waren. Auch private Banken sind nämlich zur Geldschöpfung befähigt, indem sie die vertraglichen Strukturen von Sicht- und Termineinlagen vermengen, deren Unterscheidung früher einmal fundamental für das Bankgeschäft war. 7) Brachte ein Kunde in der Vergangenheit einen Teil seines Geldes „Die vorhandenen Bankverbindlichkeiten werden an das Gold angebunden, das noch in den Kellern der Zentralbanken lagert. So erhält die ausstehende Papiergeldmenge einen Anker.“ (Dr. Thorsten Polleit, Frankfurt School of Finance) (z.B. Goldmünzen) auf ein Konto, so konnte er das entweder in Form einer Sicht- oder Termineinlage tun. Bei einer Sichteinlage (z.B. Girokonto) sichert die Bank dem Kunden zu, jederzeit über das Geld verfügen zu können (deshalb: „bei Sicht“). In diesem Fall hat der Kunde seiner Bank also keinerlei Verfügungsrechte über das hinterlegte Geld übertragen. Dieses gelangt somit zwar in den Besitz der Bank, wird jedoch nicht zu ihrem Eigentum, denn der rechtmäßige Eigentümer des Geldes ist ja nach wie vor der Kunde, der damit auch nach Belieben Überweisungen tätigen kann. Die Bank übernimmt im Fall der Sichteinlage also lediglich die Funktion eines Lagerhauses und bietet die Dienstleistung der bequemen Kontoführung an (Aufbewahrung, Überweisungen, heute auch Onlinebanking etc.), wofür sie eine geringe Gebühr verlangen kann. Unbestechlich – aber käuflich NovoArgumente erscheint künftig zweimal pro Jahr in Buchform. Kontakt Alexander Horn - Geschäftsführer Tel. 069 97206-701 Fax 069 97206-702 info@novo-argumente.com Aboverwaltung und Bestellservice: Erik Lindhorst Erik.Lindhorst@novo-argumente.com www.novo-argumente.com (Foto: Carlo Schrodt/pixelio.de) Der Kunde kann andererseits aber auch mit dem Motiv zur Bank gehen, sein Geld für eine gewisse Zeit einem Investor zur Verfügung zu stellen, um nach Ablauf der Periode einen Profit in Form von Zinsen zu erwirtschaften (Termineinlage). Die Zahlung des Zinses erklärt sich daraus, dass die Investition das Geld eine gewisse Zeit lang bindet und zudem mit Ausfallrisiken behaftet ist. Die Bank erhält vom Sparer nun die Verfügungsrechte über das Ersparte – unter der Auflage, ihm später eine größere Menge Geld zurückzuzahlen. Somit darf das Geld aus der Termineinlage völlig legitim an Dritte weiterverliehen werden, und die Bank kann Gewinne aus der Differenz der Zinssätze generieren. Dieser Vertrag unterscheidet sich deutlich von einer Sichteinlage, und zwar vor allem in Bezug auf die Übertragung der Verfügungsrechte. 16 P.T. MAGAZIN 4/2011 4/2011 P.T. MAGAZIN 17

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