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P.T. MAGAZIN 03/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Wirtschaft kannt, dass

Wirtschaft kannt, dass es Innovation mit Vollkaskoschutz nicht gibt. Scheitern ist in diesen Unternehmen nichts Negatives. Die chemische Keule Anders in Deutschland. Hier ist die Kultur zahlreicher Unternehmen von äußerster Vorsicht geprägt. Im Grundsatz ist das nicht schlecht, hält es doch Hasardeure davon ab, die Firmen ins Unglück zu stürzen. Doch allzu oft ist die Vorsicht übertrieben. Angst als generelle Einstellung wirkt wie eine chemische Keule bei der Unkrautvernichtung: Das schädliche Unkraut ist weg, aber alle nützlichen Pflanzen, Käfer und Schmetterlinge ebenso. Mit den waghalsigen Ideen, die ein Unternehmen an den Rand des Ruins bringen können, werden oft auch die hoffnungsvollen schwachen Ideenkeime getötet. FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 1995 – 2008, vorläufige Daten 2009, Plandaten 2010 und 2011 65,0 Mrd. € 62,5 61,0 60,0 58,4 57,5 55,0 53,4 FuE-Gesamtaufwendungen 52,0 52,5 55,9 57,3 50,0 48,4 47,5 46,5 46,1 43,8 44,5 47,1 45,0 42,2 45,0 46,1 42,5 43,0 40,0 41,1 36,1 39,7 37,5 38,0 38,4 38,7 35,0 33,4 36,3 37,0 Interne FuE-Aufwendungen 35,6 32,5 30,0 33,6 30,0 30,4 27,5 25,0 27,2 28,9 26,8 30,3 22,5 20,0 1) 1)2) 1)2) 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 1) Daten vorläufig 2) Plandaten aus der FuE-Erhebung 2009 2011 sollen die Investitionen in Forschung und Entwicklung der Unternehmen in Deutschland neue Rekordwerte erreichen. So soll in diesem Jahr erstmals die 60-Milliarden-Euro-Schwelle mit FuE-Aufwendungen von 61,0 Mrd. Euro übersprungen werden. Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Stand: Dezember 2010 Perfektionismus? Die Frage, wie Unternehmen kreativer beziehungsweise innovativer sein können, ist keine schöngeistige Debatte. Denn genau das, was deutsche Firmen erfolgreich macht, wird ihnen im globalen Innovationswettbewerb vielfach zum Verhängnis: der Wunsch, alles perfekt, alles richtig, alles berechenbar zu machen. Ein Fehlschlag, wie ihn Google mit Google Wave erlebte, wäre in vielen deutschen Unternehmen ein Desaster. Der Internetkonzern hat 2009 sein Programm als Nachfolger der E-Mail präsentiert und in einer Beta-Version auf den Markt gebracht. Ein Flop. 2010 stellte das Unternehmen Google Wave wieder ein. Eine Katastrophe? Mitnichten! Auf Google Wave angesprochen, reagierte CEO Eric Schmidt auf der Techonomy-Konferenz im kalifornischen Lake Tahoe schulterzuckend: „Wir probieren Dinge aus, und wir feiern unser Scheitern. In unserem Unternehmen ist es absolut in Ordnung, etwas besonders schwieriges zu versuchen, damit keinen Erfolg zu haben und daraus zu lernen.“ Es ist Teil der Google-Philosophie, Dinge auszuprobieren, Grenzen regelmäßig zu überschreiten und auch einmal in rechtliche Grauzonen vorzustoßen. Google Street View wäre an der Rechtsabteilung fast aller deutschen Unternehmen gescheitert. Alles außer Ideen Die Konkurrenz im weltweiten Ideenwettbewerb kommt nicht nur aus den USA. Indien und vor allem China, lange Zeit nur als billige Produktionsstandorte und Kopierer im Visier, machen deutschen Unternehmen ebenfalls Konkurrenz. Unter den 50 weltweit innovativsten Unternehmen waren 2010 erstmals vier chinesische Unternehmen, daneben elf Unternehmen aus anderen asiatischen Staaten. Zum Vergleich: Deutsche Unternehmen stehen nur drei auf dieser Liste. Deutschland kann offenbar alles exportieren – außer Ideen. ■ Jens-Uwe Meyer 2/2011 P.T. MAGAZIN 11

Wirtschaft Der Mittelstand tickt anders Innovationsmanagement für mittelständische KMU SICHER Wir geben Ihrem Antrieb SICHERHEIT Elektromagnetisch schaltbare Bremsen und Kupplungen Was unterscheidet Mittelständler beim Innovationsmanagement von Großunternehmen? Dieser Frage ist Prof. Dr. Horst Geschka von der Geschka & Partner Unternehmensberatung aus Darmstadt nachgegangen und wertete dafür sechs Diplomarbeiten und 109 Studien aus. Die Ergebnisse präsentierte er am 18. März 2011 auf der Frühjahrstagung der Oskar-Patzelt- Stiftung in Fulda. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Sieben Typen mittelständischer Innovatoren konnten klassifiziert werden. Nur zwei dieser Typen führen mittelständische Top-Innovationsunternehmen, und zwar die sog. offensiven Innovatoren und die „gewieften Kaufleute“. Was beide besonders auszeichnet, ist die Erarbeitung und Verfolgung einer Innovationsstrategie – und sie vermeiden hohen Aufwand. Offensive Innovatoren Situation: ■ Innovationsführer in engen technologischen Feldern (Marktnischen) ■ sehr erfolgreich ■ Innovationsinitiativen kommen vom Unternehmer ■ regelmäßig neue Produkte ■ Mitarbeit in Technologiegremien ■ Innovationen orientieren sich nicht primär am Bedarf ■ Defizite: Controlling, Innovations- Marketing und -Bedarfsforschung, Qualitätsmanagement Herausforderungen: ■ Ausbau der Technologie-Position ■ differenzierte Innovationsstrategie ■ Aufbau eines systematischen Innovationsmanagements Gewiefte Kaufleute Situation: ■ hervorragende Ertragssituation; reichliche Kapitalausstattung ■ Weiterentwicklung technisch hochwertiger, bewährter Produkte ■ Innovationsentscheidungen unterliegen primär kaufmännischen Kriterien; kalkulierte Risikobereitschaft ■ Inanspruchnahme externen technologischen Know-hows ■ Innovationsmanagement besteht und wird gelebt (Kundeneinbindung, Prozess, Methoden) ■ viele Außenkontakte mit Kunden und in Gremien (IHK, Verband) ■ Defizite: Keine differenzierte Innovationsstrategie, geringe Innovationsdynamik Dessauer Str. 10 | 06844 Dessau-Roßlau Tel.: 0340-2190-0 | Fax: 0340-2190-221 info.dessau@stromag.com | www.stromag-dessau.de 32 P.T. MAGAZIN 3/2011

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