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P.T. MAGAZIN 03/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Regional-Special

Regional-Special Handwerk überwindet Grenzen Südbrandenburger Unternehmen wollen polnische Jugendliche ausbilden Die deutsche Wirtschaft läuft auf Hochtouren, der Konjunkturmotor brummt. Daran hat das Handwerk, das sich in der Krise wieder einmal als stabilisierender Faktor bewiesen hat, einen großen Anteil. Auch im südbrandenburgischen Handwerk ist die Stimmung derzeit gut. Das geht aus der aktuellen Frühjahrskonjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus (HWK) hervor. Demnach schätzen mehr als 91% der Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als gut oder befriedigend ein. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um knapp 10%. Am besten ist die Stimmung im Ausbauund Bauhauptgewerbe. Die Unternehmen profitieren teilweise noch von Aufträgen aus dem Konjunkturpaket. Der Kuchen wird kleiner Besonders für kleine Betriebe mit bis zu 19 Beschäftigten hat sich die wirtschaftliche Lage verbessert. Insgesamt verweisen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen auf eine stabile Umsatzentwicklung, mehr als drei Viertel auf konstante bis gestiegene Auftragsbestände. Doch trotz gut gefüllter Auftragsbücher und optimistischer Aussichten wird das laufende Jahr kein Selbstläufer. Gemeinden und Kommunen schieben riesige Schuldenberge vor sich her, planen zum Beispiel die Erhöhung der Gewerbesteuern. Das Gesetz zur Stärkung der kommunalen Daseinsvorsorge, das verabschiedet werden soll, stellt den Grundsatz der wirtschaftlichen Grundordnung in Frage. Das Land Brandenburg senkt die Investitionsquote. Kurzum, der zu verteilende Kuchen wird kleiner. Das Handwerk muss und wird sich diesen finanziell schwierigeren Rahmenbedingungen stellen. Für zukunftsorientierte Gestalter ergeben sich allerdings mehr Chancen als Risiken. Neue Visionen Das gilt auch für die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit, die ab dem 1. Mai 2011 in Kraft tratt. Statt mit Angst blickte die HWK Cottbus diesem Datum mit Visionen und neuen Ideen entgegen. So ist Anfang März das Pilotprojekt, die Ausbildung von polnischen Jugendlichen aus der Euroregion Spree-Neiße/Bober, gestartet worden. Ab September sollen rund 20 junge Frauen und Männer eine Lehre in Südbrandenburger Handwerksbetrieben beginnen. Zum einen soll mit dem Projekt das Zusammenwachsen des gemeinsamen Wirtschaftsraumes gefördert werden. Zum anderen will die HWK dem Geburtenknick in der Region entgegenwirken. Innerhalb von wenigen Jahren hat sich die Zahl der Schulabgänger in der Region fast halbiert. Damit sinkt die Auswahl für die Unternehmen. Wo früher noch drei bis vier Bewerber auf eine Lehrstelle kamen, ist das Verhältnis heute rein rechnerisch nahezu 1:1, manchmal streiten sich zwei Lehrstellen um einen Bewerber. Die Chance Streiten musste die Polin Paulina Wachata um ihre Lehrstelle nicht. Die gelernte Fotografin begrüßt das Knut Deutscher ■ Knut Deutscher ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. ■ Sein Kammerbezirk umfasst den südlichen Teil des Landes Brandenburg mit über 10 000 Handwerksunternehmen. ■ Einzugsgebiet: Dahme-Spreewald, Spree-Neiße, Ober-Spreewald- Lausitz, Elbe-Elster und die kreisfreie Stadt Cottbus. ■ Im Handwerk Beschäftigte: rund 53 700, einschließlich 3 300 Lehrlinge. 62 P.T. MAGAZIN 3/2011

Projekt der Handwerkskammer Cottbus. Sie habe damit die Chance, einen zweiten Beruf zu erlernen. Über das große Heimweh macht sie sich kaum Gedanken. Derzeit lebt sie in Polen in einem Internat, sieht ihre Eltern nur an den Wochenenden. Von daher ist es keine allzu große Umstellung für sie. Ihre zukünftige Ausbilderin, die gebürtige Polin und Friseurmeisterin Wieslawa Heydel- Waberska, beschäftigt bereits Mitarbeiterinnen unterschiedlicher Nationen und weiß um die Vorteile multikultureller Betriebe. „Mit meinen zwei Angestellten aus der Türkei und der Ukraine erweitert sich der Horizont in meinem Team und das Verständnis füreinander”, sagt sie. „Die Chance, Jugendliche aus Polen auszubilden, ist eine neue Herausforderung für uns alle.” Ein Gewinn Auch die Fleischerei Arnold aus Elsterwerda sieht die internationale Ausbildung klar als Gewinn. „Wir nutzen seit Jahren für unsere Auszubildenden den Lehrlingsaustausch mit Frankreich. Jede Reise bildet, unsere Lehrlinge wachsen daran, werden offener und flexibler”, erklärt Matthias Arnold. Diese Qualitäten erhofft sich das Familienunternehmen auch von seinen künftigen Lehrlingen Jaroslaw Turek und Kamil Derkacz. Die beiden sind gerade im letzten Lehrjahr als Elektromechaniker am Berufsschulzentrum Zielona Gora. In Deutschland werde dieser Abschluss Grenzüberschreitende Ausbildung: Gemeinsam mit ihren künftigen polnischen Lehrlingen freuen sich Friseurmeisterin Wieslawa Heydel-Waberska (1. v. l.), Dipl.-Ing. (FH) Thomas Troppens (Mitte hinten) und die Fleischermeister Matthias und Ivonne Arnold (1. und 2. v. r.) auf die im September beginnende Ausbildung. nicht anerkannt, sagt Turek. Ursprünglich wollte er bereits in seiner Heimat Fleischer lernen, das will er nun in der Lausitz nachholen. Die Ausbildung in Deutschland sei einfach besser, resümiert er kurz und knapp. Wenn alles klappt, halten die jungen Polen im September ihre Lehrverträge in den Händen. Nachwuchsmangel Den Nachwuchsmangel generell lösen können ausländische Jugendliche jedoch nicht. Das Problem ist akut. So konnten im vergangenen Jahr mehr als 100 Lehrstellen im Bezirk der Handwerkskammer Cottbus nicht besetzt werden. Bleibt der Nachwuchs aus, steht der Fachkräftemangel vor der Tür. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist deshalb die zentrale Herausforderung in diesem Jahrzehnt. Es ist ein gesellschaftspolitisches Thema, dem sich alle stellen und gemeinsam nach Lösungen suchen müssen. ■ Knut Deutscher (Fotos: Handwerkskammer Cottbus) Die Neue Tochter Die Oppitz-Catering GmbH achtet auf höchste Qualität und abwechslungsreiche Vielfalt bei der Auswahl der Lebensmittel. Wir beziehen frische Produkte nach Möglichkeit bei qualitäts geprüften Lieferanten aus der Region. www.oppitz-catering.de 20 Jahre Erfahrung und Kompetenz Die Oppitz-Dienstleistungen GmbH ist der Partner für maßgeschneiderte Komplexleistungen und individuelle Lösungsansätze in den Kompetenzbereichen Catering, Gebäudeservice und Managementleistungen. Das tägliche Handeln der Oppitz-Dienstleistungen ist geprägt durch einen hohen Qualitätsanspruch und eine nachhaltige, zukunftsorientierte Wirtschaftsweise mit Schwerpunkt auf die Regionen Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. www.oppitz-dienstleistungen.de

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