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PT-MAGAZIN 03-04 2020

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Keine Angst vor Krisen. Nominierungsliste 2020 des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes". Motto: Lösungen finden

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48 Wirtschaft © www.sage.com Interviewpartner Jan Friedrich Sowohl der Bund als auch die Länder haben außerdem viele unterschiedliche Programme zur Unterstützung von Existenzgründern. Beispiele der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind der ERP-Gründerkredit und ERP-Kapital für Gründung. Neben den genannten Programmen unterstützt der Bund mit dem Mikrokreditfonds Deutschland und Bürgschaften die Finanzierung von Unternehmensnachfolgen. Auch die einzelnen Bundesländer haben eigene Förderprogramme, um die sich Unternehmensnachfolger gemeinsam mit ihrer Hausbank bewerben können. PT-Magazin: Bezüglich des Kaufpreises gibt es ja oft unterschiedliche Wertvorstellungen von Unternehmer und Nachfolger. Woran liegt das? Friedrich: Der Senior-Chef, der viele Jahre, seine ganze Energie und auch Kapital in den Aufbau seines Unternehmens gesteckt hat und dabei so manche Hürde umschiffen musste, bewertet seine Firma natürlich mit ganz anderen Kriterien als der potenzielle Nachfolger. Wer aber nur auf finanzielle Dinge achtet, kann schnell das zentrale Ziel, nämlich den künftigen Erfolg des Unternehmens, aus den Augen verlieren. Es gibt zwar unter anderem mit dem Ertragswert- und dem Ebit-Verfahren allgemein anerkannte Methoden, die in der Praxis als Grundlage zur Ermittlung eines Unternehmenswertes dienen. Doch immaterielle Werte wie Unternehmenskultur, Verhältnis zu Lieferanten und Kunden, Position im Markt und innerhalb der Branche, Geschäfts- oder Produktidee unterliegen sehr eigenen, subjektiven Bewertungsperspektiven. Schwierig wird es auch, wenn der Wert eines Unternehmens mit dem Kaufpreis verwechselt wird. Innovationsstärke, Wachstumspotenzial, kreative Mitarbeiter – dies alles spielt eine wichtige Rolle, lässt sich monetär aber kaum berechnen. Darüber hinaus spielt auch der emotionale Wert eine wichtige Rolle, der einem Betrieb zugemessen wird. Vor allem beim Verkauf von Familienunternehmen ist dies einer der häufigsten Knackpunkte, da hier seitens des Verkäufers und seitens des Käufers grundverschiedene Wahrnehmungen vorherrschen können. PT-Magazin: Angenommen Käufer und Verkäufer haben sich geeinigt: Was sind die nächsten Schritte? Friedrich: Als erstes gilt es, einen Finanzpartner zu finden. Banken und Förderinstitutionen sind hier die erste Anlaufstelle. Der in Frage kommende Nachfolger sollte sich für diesen Prozess sehr gut vorbereiten und alle beschriebenen Pläne und Materialien vollständig vorlegen können, also Businessplan samt einer transparenten Finanz- und Liquiditätsplanung, die Jahresabschlüsse mit Gewinn- und Verlustrechnung der letzten drei Jahre und die entsprechenden Sicherheiten. Oft ist die Hausbank des Unternehmens die beste Wahl, denn sie kennt die Unternehmenszahlen seit Jahren und kann die Lage sehr gut einschätzen. Trotzdem kann natürlich jederzeit eine andere Bank kontaktiert werden, um sich eine Zweitmeinung einzuholen. Hinzukommen in Deutschland etwa 150 Förderorganisationen, die Programme für Gründer und damit auch Unternehmens- PT-MAGAZIN 3/4 2020 Gerne stehen wir Ihnen für Fragen zur Verfügung und freuen uns auf ein persönliches Gespräch. FÜRSORGEKASSE Ihre Sterbekasse aus Krefeld Seit 111 Jahren: Sicherheit in einer starken Gemeinschaft! Ihr Günter Wohlgemuth Günter Wohlgemuth Vorstandsmitglied Fürsorgekasse 1908 VVaG Uerdinger Straße 323 47800 Krefeld) Telefon: 02151 93 119 - 0 Telefax: 02151 93 119 - 50 info@fuersorgekasse.de www.fuersorgekasse.de

49 PT-MAGAZIN 3/4 2020 nachfolger anbieten. Auch wenn es eine Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gibt, wird schnell deutlich, dass allein die Sichtung und Beantragung von Fördermitteln sehr schnell zu einem sehr komplexen Projekt werden kann. Hier sollte man ohne externe Beratung mindestens ein Jahr Vorbereitung einplanen. PT-Magazin: Kommen wir noch einmal auf das Thema Zukunftsfähigkeit zurück. Sie sprachen bereits davon, dass dieses nicht nur bei Finanzierungsfragen eine Rolle spielt, sondern auch hinsichtlich strategischer Grundsatzfragen ein entscheidendes Bewertungskriterium ist. Inwiefern? Friedrich: In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sowohl die Perspektive des Senior-Chefs in den Blick zu nehmen als auch die des Nachfolgers. Dem scheidenden Firmeninhaber bieten Auswertungen zur Zukunftsfähigkeit die Möglichkeit, zu sehen, wo es kurzfristigen Handlungsbedarf gibt, um das Unternehmen beispielsweise attraktiver für Nachfolger zu machen. Der potenzielle Nachfolger erhält durch eine gut nachvollziehbare und transparente Analyse der Zukunftsfähigkeit wiederum die Chance, Geschäftspotenziale anhand konkreter Zahlen einzuschätzen und zu entscheiden, ob sich ein Kauf für ihn lohnt oder nicht. PT-Magazin: Wie lässt sich Zukunftsfähigkeit denn beurteilen? Friedrich: Es gibt sogenannte Markenchecks, die hier helfen. Das Institut für Entrepreneurship Mittelstand und Familienunternehmen der HWR Berlin hat beispielsweise ein Analysetool entwickelt, das Firmen hilft, einen Überblick über ihr aktuelles Branding zu erhalten. Hierdurch bekommen Verantwortliche Handlungsempfehlungen, wie sie ihre Marke stärken und erfolgreich an Nachfolger übertragen können. Das ist aber noch nicht alles, denn gleichzeitig sollten Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen der letzten Jahre, Ertragssituation und Wettbewerb auf den Prüfstand gestellt werden. Hinzukommen die Marktstellung und das Image des Unternehmens. Der Zustand von Maschinen und Geschäftsräumen sowie die Mitarbeitersituation ergänzen diese Bewertung – eine gute Basis, um Einsparungs- und Modernisierungspotenziale zu identifizieren. Ein derartiges langfristig angesetztes Vorgehen kann im Idealfall vom scheidenden Unternehmenschef angestoßen und dann vom Nachfolger weitergeführt werden. PT-Magazin: Modernisierung, das beinhaltet IT-Lösungen und Digitalisierung, oder? Friedrich: Ja, genau. Eine Unternehmensnachfolge ist eine perfekte Gelegenheit zu überprüfen, wie eine Firma in Sachen digitaler Wandel eigentlich aufgestellt ist und welche weiteren Schritte diesbezüglich einzuleiten wären. PT-Magazin: Können Sie konkrete Beispiele nennen? Friedrich: Oft geht es dabei sowohl um Arbeitsabläufe als auch Geschäftsmodelle. Gibt es Automatisierungspotenzial? Welche Prozesse und Modelle können effizienter gestaltet werden, um beispielsweise Mitarbeiter zu entlasten, Kosten einzusparen und Kunden individueller anzusprechen? Auf verschiedene Abteilungen wie Personalwesen, Warenwirtschaft oder Finanzabteilung abgestimmte Software hilft, Workflows zu optimieren. Unternehmensnachfolge kann in diesem Zusammenhang die Chance sein, einen Paradigmenwechsel herbeizuführen und eine neue, stärker digital geprägte Unternehmenskultur zu implementieren. Eine sinnvolle Maßnahme in diesem Kontext ist es, das digitale Know-how der Mitarbeiter in Form von Weiterbildungen oder Workshops zu fördern. Sind weitere Kompetenzen erforderlich, können Nachfolger dann im Zuge der Firmenübernahme neue Stellen schaffen und diese mit von außen rekrutierten Fachkräften besetzen, die über entsprechende digitale Kenntnisse verfügen. PT-Magazin: Herr Friedrich, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. ó

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