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PT-MAGAZIN 02 2020

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Keine Angst vor Krisen. Nominierungsliste 2020 des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes". Motto: Meilensteine setzen.

© FelixMittermeier from

© FelixMittermeier from Pixabay Der im Durchschnitt wärmste Ort in Deutschland ist Heidelberg – allerdings nicht, weil es dort tagsüber besonders warm ist.

die Verdunstung zu verhindern mit einem Deckel bedeckt und das Tauwasser am Ende gemessen, während der frische Zweitniederschlagsmesser draußen seinen Dienst tat. Das ist ein etwas anstrengender Vorgang, auf den manche Wetterdienste verzichten – in Kanada beispielsweise wird nicht geschmolzen, sondern einfach angenommen, dass ein Zentimeter einem Millimeter Niederschlag entspricht. Das kann für nassen Schnee hinkommen, nicht aber für fluffigen Kanada-Schnee, der bei minus 20 Grad fällt – dann braucht es gut und gerne fünf Zentimeter, um einen Millimeter Wasser zu ergeben. So wird der Jahresniederschlag an kanadischen Stationen ohne Niederschlagsmesser-Heizung systematisch überschätzt – die Heizung des Auffangeimers ist eine Möglichkeit, um der Realität näher zu kommen, aber auch sie macht Probleme: Der Auffangtrichter muss laufend über null Grad, bei starkem Schneefall oder strengem Frost auch deutlich darüber temperiert sein, damit Schneeflocken schmelzen und direkt gemessen werden können. Das führt nun wieder dazu, dass leichtes Nieseln bei drei Grad oder Schneegrieseln bei Frost gar nie gemessen wird, sondern direkt an der warmen Unterlage verdunstet – eine systematische Unterschätzung des Niederschlags ist die Folge. Das ist nun ein Problem, wenn wir heutige Niederschlagsmessungen mit jenen aus früheren Jahrzehnten vergleichen wollen, hier fällt uns die Automatisierung auf die Füße. Wenn Beobachterpersonal auf Berggipfeln abgezogen wird, hat das oft den Verlust von jahrzehntelangen Messreihen zur Folge. Die Wetterbeobachter haben meist eine Batterie von Niederschlagsmessern aufgestellt und dann den genommen, der am meisten gemessen hat, denn Niederschlagsmessungen in den Bergen (und in den Prärien des Mittleren Westens) haben ein weiteres, großes Problem: Bei einem Schneesturm fällt meist absolut nichts in den Eimer, fast alles weht darüber hinweg. Es gibt zwar trichterartige Apparaturen, die in der horizontalen Luftströmung eine Abwärtskomponente herstellen sollen, aber viel können die nicht ausrichten. Oft messen die Automaten auf einem Berg nur noch ein Drittel der früher per Hand festgestellten Niederschlagsmengen – viele Wetterdienste geben dann gleich ganz auf. Dadurch ist auch die Schneehöhenmessung nicht mehr das, was sie mal war. Schlurfte früher ein Beobachter durch die Schneewehen und steckte zehn Mal den Zollstock Richtung Boden und mittelte am Schluss das Ganze, entscheidet an windigen Orten heute Frau Holle-Zufall über die gemessene Schneehöhe – unabhängig davon, ob an der einen, entscheidenden Messstelle gerade der Schnee weg- oder hingeweht wurde. Temperatur Sie sehen, dass es kompliziert ist. Entsprechend schwierig ist es, ganz sicher zu ermitteln, wenn sich im Laufe der Jahrzehnte etwas verändert. Bei der Temperatur sehen wir den Klimawandel am weitaus deutlichsten und sichersten, auch wenn sich da einiges verändert hat. Früher wurde durchweg in sogenannten Wetterhütten gemessen, die Sonne und indirekte Strahlung aussperren sollen und in Nordamerika 1,5, sonst 2 Meter über „natürlichem Untergrund“ stehen – was in unseren Breiten bei Flachlandstationen einer Wiese gleichkommt, die kein Fußballplatz, aber viel größer als eine Blumenrabatte sein muss. ˘

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