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PT-MAGAZIN 02 2020

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Keine Angst vor Krisen. Nominierungsliste 2020 des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes". Motto: Meilensteine setzen.

PT-MAGAZIN 2/2020 © Free-Photos from Pixabay Gesellschaft 12 Vom Wert der Naturwissenschaften Die Gruselgeschichten des Biowetters funktionieren auch und vor allem wegen des Notstands bei der naturwissenschaftlichen Bildung. Wüsste man noch, dass alle acht Höhenmeter der Luftdruck um ein Hektopascal sinkt, hätte es das eingebildete Raunen über die Beschwerden bei herannahenden Tiefs oder „Wetterwechsel“ etwas schwerer. Jeder Kölner oder Bonner, der ins Bergische, in die Eifel oder ins Siebengebirge fährt, erlebt einen – beschwerdefreien – Wetterwechsel. Wer testen möchte, ob ein Wetterwechsel wirklich etwas ausmacht, kann notfalls auch eine Aufzugfahrt in einem Frankfurter Hochhaus als Testplattform benutzen. Einbildung ist ein scharfes Schwert, wovon Scharlatane aller Art profitieren. Es ist durch eine Reihe wissenschaftlicher Studien nachgewiesen, dass Hagelflieger – also Flugzeuge, die Silberjodid-Partikel ausbringen, um die Hagelbildung zu verhindern – keinen Einfluss auf die Hagelbildung haben. Dennoch werden sogar Steuergelder ausgegeben, damit bauernschlaue Bauernfänger mit einem teuren Hobby das gute Gefühl haben können, die Flugstunden von anderen bezahlt zu bekommen. Auch hier hülfe das Wissen, dass ein bestimmter Ort nur alle 20 bis 30 Jahre von einem Großhagel heimgesucht wird – also können sich die scharlatanesken Hagelflieger gut ausrechnen, dass jedes Jahr begeisterte Menschen feststellen, dass es schon wieder nicht gehagelt hat. Falls Sie auch günstig ans Geld anderer Menschen herankommen möchten: Behaupten Sie einfach, dass Sie eine Anti- Weltuntergangs-Maschine erfunden hätten. Jeden Morgen werden Sie nach dem Prinzip der Hagelflieger eine Erfolgsmeldung abgeben könnten: Es hat wieder geklappt! Werfen Sie Geld über mich. Besonders grotesk wird es, wenn in einzelnen Landkreisen in Baden-Württemberg und Sachsen Menschen durch sogenannte Hagelkanonen belästigt werden. Menschen mit Affinität zum persönlichen Urknall schießen bei Gewittern © from Pixabay Kanonen ab und erzählen anderen Menschen, dass der damit verbundene Knall Hagelkörner trotz des stürmischen Getöses in der drei Kilometer höheren Gewitterwolke erschrecken und zur spontanen Desintegration derselben führen würde. Wenn niemand mehr etwas weiß, glauben alle alles. Menschen bei uns glauben, dass Flüsse und Kanäle „Wetterscheiden“ seien und das Wetter beeinflussten. Nein, in keiner Form. Nicht einmal der Nebel ist da, weil da ein Tal ist, sondern weil da ein Fluss ist – vom Rauchen des Flusses bei strengem Frost abgesehen, aber das hat wiederum nichts mit Nebel zu tun. Menschen bei uns glauben, dass der Mond einen Einfluss aufs Wetter hätte, weil sie nicht wissen, dass der Mond auf der ganzen Welt genau gleich aussieht und somit der Aberglaube, der Mondwechsel entspräche einem Wetterwechsel, sofort ad absurdum geführt wird. Menschen glauben an den Hundertjährigen Kalender, der auf der Theorie beruht, dass sich das Wetter an einem fränkischen Kloster, das im Mittelalter durch einen Abt sieben Jahre lang beobachtet wurde, bis ans Ende der Zeit alle sieben Jahre wiederholte. Die gute Nachricht für sparsame Menschen ist: Hat man sieben Jahre den „Hundertjährigen“ gekauft, hat man ausgesorgt – denn im achten Jahr hat man den identischen Inhalt vom ersten. Naturwissenschaftliche Bildungsferne einer Bevölkerung ist eine gute Basis für Geschäftemacher aller Art. Alle halten alles für möglich, und wenn Sie in Ihre Suchmaschine des Vertrauens „Wetter Ostern 2020“ eingeben, sehen Sie wohl schon im März schöne Ergebnisse, die sicher gut geklickt werden: Dass Experten „erste Vorhersagen wagen“ und andere Versatzstücke aus dem Stehsatz des nie versiegenden Fundus des frei erfundenen Schwachsinns. Die Meteorologie hat große Fortschritte gemacht, aber es wird noch länger gehen, bis irgendjemand einen Monat ante festum weiß, ob es nun regnet oder nicht. Unter der Zunahme dieser vermeintlichen Vorhersagen müssen wir alle leiden, weil so immer mehr rasende Stürme und „Russenpeitschen“ auf uns zu kommen, die es in Wahrheit nie gibt. Etwa 90 Prozent aller Medienberichte zum Thema Wetter und Klima liegen ganz oder teilweise daneben. Es wehrt sich kein Presserat, und wir können nur hoffen, dass Petrus an der Himmelspforte gerade bei Unsauberkeiten zu diesem Thema präpurgatorisch die Fehlbaren darauf hinweisen wird, dass das stete Alarmschreien schlimme Folgen haben kann: Es nimmt dann niemand mehr ernst, wenn etwa wirklich mal ein ungewöhnlich starker Sturm kommt. Wir dürfen auf alle Fälle gespannt sein, wie der Winter 2019/20 ausfällt. Die einzig seriösen Vorhersagen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen sehen durchweg leicht zu warme Wintermonate voraus, was zu den unvermeidlichen „Rekordwärme“-Schlagzeilen geführt hat – gleichzeitig wurde aber auch anderswo „Rekordkälte“ vorhergesagt, weil angeblich die Sonne müder würde. Auch hier gilt die 90-Prozent-Regel: Dass ein Monatsdurchschnitt ein Grad über dem Normalwert liegt, kann vieles bedeuten: eine Woche extrem gesäßkalt und drei Wochen deutlich zu warm oder zwei Wochen tierisch warm und zwei Wochen deutlich zu kalt – und alle Kombinationen dazwischen. Wir wissen, dass wir nichts wissen. Gut wäre, wenn das alle wüssten. Wie geht es weiter? Als Sohn eines Beamten der Deutschen Bundesbahn – er war damals sehr stolz auf das Plakat mit dem Wetter, Sie wissen schon – bin ich dennoch versucht, Ihnen am Ende dieses Textes Mut zu machen.

Der technische Fortschritt der Meteorologie geht weiter, Landwirte können auf ihr Grundstück klicken und erhalten mit einer Auflösung von 125 Metern nach einer Nacht mit lokalen Gewittern die Information, wie viel es am einen und anderen Ende des Ackers geregnet hat, damit der Trecker nicht festfährt. Bald gibt es ein operatives Vorhersagemodell mit einer Auflösung von 100 mal 100 Metern, das sich um Stadtmeteorologie, urbane Hitzepole, Frischluftströme und Schadstoffursachen kümmert und, so ist zu erwarten, Dinge herausfinden wird, die manchen auch politisch geförderten Trend der vergangenen Jahre ad absurdum führen: Wenn man in Deutschland wieder saubere Luft unterhalb der Grenzwerte möchte, müsste man nur alle Holzöfen stilllegen. Schon deren Klimaneutralität ist eine freie Erfindung aus dem Baumarktprospekt, die leider von vielen geglaubt wird – viel schlimmer aber ist: Die heimischen Holzöfen sind aktuell die größte Quelle für Feinstaub (abends und nachts auch für Stickoxide), und weil viele Waldverbrenner auch Müllverbrenner sind, gibt es auch wieder Dioxin in den trampolinierten Vorgärten. Das Ablenkmanöver mit den Straßensperrungen für Diesel hat viel Schönes, aber Sie werden in ein paar Jahren selber lernen, dass sich die Feinstaubbelastung abends und nachts in Wohngebieten vervielfacht hat. Bald muss Willy Brandt auferstehen, um zu sagen, dass es nachts nicht mehr stinken soll, nicht nur über der Ruhr. Dass es ein Menschenrecht ist, ein Kinderzimmer auch mal lüften zu dürfen zwischen 18 und 8 Uhr, wenn es sich andere „gemütlich“ machen. Und dass dem Waldverbrennen am Amazonas und dem im heimischen Kaminofen mindestens eine Sache gemeinsam ist: Es ist in beiden Fällen eine Umweltkatastrophe. Und dieser Text ist nur dafür da, damit niemand in ein paar Jahren sagen kann, dass man das nicht gewusst hätte, damals. ó Über den Autor Jörg Kachelmann ist Meteorologe, Unternehmer und Moderator. Er betreibt unter anderem die Wetterseite www.kachelmannwetter.com. Seit Januar 2019 moderiert er mit Kim Fisher die wöchentliche MDR-Talkshow „Riverboat“. Info Der Beitrag erschien zuerst in „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ 52/2019). Er ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor: Jörg Kachelmann für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de 13 PT-MAGAZIN 2/2020 Gesellschaft Unsere Mission Wir befähigen Ihre Mitarbeiter, bisherige Grenzen beim Wollen, Können und Machen zu überwinden. Durch Einstellungswandel, hochwirksame Werkzeuge und Konsequenz. Wachstumsberatung - damit Sie Anspruchsvolles schneller erreichen. Wie erfolgreich ist Ihr Unternehmen? Gemeinsam brechen wir alte Denkmuster auf. Dabei nutzen wir Methoden, die zu einer enormen Veränderungsbereitschaft führen. Danach geben wir Ihnen Werkzeuge an die Hand, diese Veränderungsbereitschaft in messbare Effizienzerhöhung und in eine starke Struktur zu übertragen. Konsequenz befreit … www.weitfuehrung.de • 0171-4650716

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