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PT-Magazin 02 2019

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung, 4. Dialogtag im Netzwerk der Besten, German Mittelstand Asphalt Klimaschutz gehört in die Dörfer. Im Trabi durch Vietnam. Nachhaltigkeit durch Wandel

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© fottoo - stock.adobe.com PT-MAGAZIN 2/2019 Bayern Patrona Bavariae 60 des Freistaats schmückt, das wichtigste Tier in Bayern ist der Wolpertinger – ein Mischwesen zumeist aus Eichhörnchen, Ente und Hase. Vor etwa 100 Jahren als Resultat einer großen Liebe zwischen einem Hasen und einem Rehbock entstanden, wurde er im Tierreich zum Symbol dafür, dass Liebe alle Grenzen überwinden kann – eine Erkenntnis, für die die CSU, die zunächst eine Verfassungsklage gegen die Ehe für alle erwog, wohl noch Jahrzehnte brauchen wird. Falls Sie nicht glauben können, dass es inzwischen sogar Wolpertinger mit Hechtflossen gibt, empfehle ich Ihnen einen Besuch im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München, wo zahlreiche präparierte Exemplare dieser seltenen Spezies zu bestaunen sind. Dass in einem sich so konservativ gebenden Land die Diversität zu Hause ist, zeigt sich einmal mehr in unserer Musik. Den bayerischen Staat verkörpern vor allem die Bayernhymne „Gott mit dir du Land der Bayern“ und der „Bayerische Defiliermarsch“, die Auftrittsmusik des Ministerpräsidenten. Fast noch bekannter als die offizielle Hymne unterstützt dieses bayerische Kulturgut Politiker dabei, Bierzelte einzunehmen. Der beliebteste Volkstanz in Bayern ist jedoch der Zwiefache, der ganz ohne Pathos auskommt, dafür aber ein Höllentempo vorlegt. Der unregelmäßige Wechsel zwischen Walzer und Dreher macht ihn zur Königsdisziplin der bayerischen Tänze. 2016 wurde er von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Die Tatsache, dass sich innerhalb einer einzigen Phrase der Takt verändert, also ein ständiger Wechsel zwischen ungeradem Dreivierteltakt und geradem Zweivierteltakt stattfindet, ist irgendwie typisch bayerisch: Kaum glaubt man, bei etwas durchzublicken, ist wieder alles anders. Tourismus und Tradition Was überhaupt nicht typisch bayerisch ist, sondern die Erfindung einer rührigen Tourismusbranche, ist nahezu alles, was man auf den ersten Blick mit Bayern in Verbindung bringt: So ist das Schuhplattln ein Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelter Schautanz für Touristen und ähnlich dem griechischen Sirtaki eine dreiste Brauchtumsfälschung. Dirndl und Lederhosen wurden im 19. Jahrhundert erst durch das Hause Wittelsbach im Zuge einer regelrechten Trachtenbegeisterung salonfähig gemacht. Dass die bayerischen Könige Lederhosen und Trachtenjanker trugen, hatte vor allem mit der Hoffnung zu tun, dass dies die Entwicklung des Nationalbewusstseins fördern würde. Tracht schreit ja förmlich „Heimat“ und hat immer dann Hochkonjunktur, wenn die Welt als unsicherer Ort gilt – wie gerade heute. Die touristisch-folkloristische Vermarktung Bayerns war so erfolgreich, dass Deutschland heute weltweit häufig mit Bayern gleichgesetzt wird. Egal ob in China, in den USA oder im Königreich Eswatini, die Vorstellungen von Deutschland ähneln sich: Oktoberfest, Königsschlösser, FC Bayern München, Bier aus riesigen Gläsern, Dirndl, Lederhosen und Blasmusik – welcome dahoam! Interessanterweise gibt es seit einigen Jahren vor allem junge Kulturschaffende wie die Musikformationen Kofelgschroa und LaBrassBanda, die sich auf tatsächliche Traditionen besinnen und diese neu interpretieren. Dies zeigt sich auch in der Renaissance des Dialekts, der lange als soziales Stigma galt. Während es in den 1970er Jahren an bayerischen Schulen verpönt war, Mundart zu sprechen, weiß man spätestens seit Marcus H. Rosenmüllers Erfolgsfilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ um die wunderbaren Zwischentöne des Dialekts. Dennoch sind an Münchner Gymnasien nur noch 2,1 Prozent der Schüler des Bayerischen mächtig. 2009 hat die UNESCO Bayerisch neben Sorbisch und Ostfriesisch auf die Liste der gefährdeten Sprachen gesetzt. Dass es eine Hochsprache, die vor allem der einfachen Verständigung dient, mit der Bildhaftigkeit, Sinnlichkeit und dem tiefgründigen Witz einer über Jahrhunderte weiterentwickelten Mundart niemals aufnehmen kann, ist eine Erkenntnis, die sich leider abseits von Kulturschaffenden, Musikern und Heimatpflegern gerade in der bayerischen Landeshauptstadt kaum durchsetzt. Im schlimmsten Fall wird eines Tages niemand mehr die zuschauerstärkste Sendung des Bayerischen Rundfunks, das Politikerderblecken auf dem Nockherberg, verstehen – quo vadis Bayern? Ruhe und Revolution Obwohl ein Viertel der deutschen Wälder in Bayern liegt und die Natur im Leben der meisten Bayern eine große Rolle spielt, gilt Bayern nicht unbedingt

© fottoo - stock.adobe.com Bayrisches Blasorchester als grünes Bundesland. Dass die CSU hier 1970 das erste Umweltministerium der Welt ins Leben rief, ist angesichts der Hartnäckigkeit, mit der man 15 Jahre später die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf vorantrieb und dabei auf den unterschätzten Widerstandsgeist der einheimischen Bevölkerung stieß, kaum zu glauben. Vier Jahre lang marschierten die „gutmütigen“ Oberpfälzer, unterstützt von Naturschützern und Atomkraftgegnern aus der ganzen Republik, zum Bauzaun, ließen sich beschimpfen, mit CS-Gas besprühen und mit Wasserwerfern und Gummiknüppeln drangsalieren – ohne zu weichen. Die Hüttendörfer „Freie Oberpfalz“ und „Freie Republik Wackerland“, die Anti-WAAhnsinns-Musikfestivals und nicht zuletzt die Widerstandssocken, die Irmgard Gietl, Hausfrau und Anti- WAA-Aktivistin, zu Tausenden für die Demonstranten strickte, zeugen von der Kreativität eines letztlich erfolgreichen Widerstands: Am 31. Mai 1989 wurden die Bauarbeiten an der WAA eingestellt. Wieder einmal hatte eine Regierung fälschlicherweise darauf vertraut, dass in einem über Jahrhunderte agrarisch geprägten Land die Welt statischer und die Bevölkerung nur schwer zu mobilisieren sei. Die Bayern gelten als angepasst, konservativ und ordnungsliebend, und so scheint es nur folgerichtig, dass Law-and-order-Forderungen auf Bundesebene gerne von Politikern aus dem Freistaat erhoben werden. Völlig außer Acht gelassen wird dabei eine urbayerische Eigenart: Renitenz. Anders als das weiß-blaue Klischee glauben macht, sind wir ein Volk von Aufständischen, Widerständlern und Querköpfen. Eine Historie voll von Sozialrebellen, Bauernbündlern, bayerischen Suffragetten und Kaffeehaus-Revolutionären zeugt von einem tief verwurzelten Widerspruchsgeist, in dessen würdiger Nachfolge bis heute nicht nur Schriftsteller und Kabarettisten, sondern auch unzählige bayerische Bürgerinnen und Bürger stehen. So lehnten sich 1705/06 die bayerischen Bauern mit dem Schlachtruf „Lieber bairisch sterben als kaiserlich verderben“ gegen die Habsburger auf und mussten dies in der Sendlinger Mordweihnacht und der Bauernschlacht bei Aidenbach teuer bezahlen. Als Bayern in den Umbruchsjahren des 18. und 19. Jahrhunderts zum Verfassungsstaat wurde, war es Heimat berühmter Räuber und Wildschützen. Sozialrebellen à la Robin Hood wie der Bayerische Hiasl oder Michael Heigl wurden als Staatsfeinde verfolgt, vom Volk jedoch unterstützt und verehrt. Ihre Taten waren Ausdruck eines archaischen vorpolitischen Protests einer Landbevölkerung, die man fälschlicherweise für gleichmütig hielt. Parallel zum ländlichen Widerstand forderte Mitte des 19. Jahrhunderts das emanzipierte Bürgertum in den Städten seine politischen Rechte ein. Die 14 Bamberger Artikel, in denen 1848 das allgemeine Wahlrecht, Pressefreiheit, gleiche Bildungschancen für alle und die Abschaffung der Adelsprivilegien gefordert wurden, zeigen, dass es bei der ˘ 61 PT-MAGAZIN 2/2019 Bayern auf di san‘s alle so narrisch“

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