Aufrufe
vor 5 Jahren

PT-Magazin_02_2016_Komplett

  • Text
  • Unternehmen
  • Stadt
  • Bayern
  • Wirtschaft
  • Menschen
  • Deutschen
  • Hallervorden
  • Berlin
  • Deutschland
  • Porsche
Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Gesellschaft

Gesellschaft PT-MAGAZIN 2/2016 6 Kunst und Unternehmertum Entweder man ist ein großer Künstler, oder man ist ein erfolgreicher Unternehmer. Dass man beides sein kann, beweist Dieter Hallervorden mit seiner Halliwood Film GmbH. Das Unternehmen betreibt das Schlosspark Theater mit 473 Sitzplätzen in Berlin. Die wechselvolle Geschichte des renommierten Theaters reicht zurück bis in das Jahr 1804, als das Gutshaus Steglitz im klassizistischen Baustil errichtet wurde. Hildegard Knef, Klaus Kinski und Peter Ustinov standen in der Westberliner Zeit auf der Bühne des Theaters. In der Zeit des vereinten Berlins war die Geschichte der Bühne eher kläglich, bis 2006 letztendlich der Vorhang fiel und das Licht ausging. Im Dezember 2008 übernahm der Kabarettist Dieter Hallervorden das Schlosspark Theater. Nach aufwändigen Umbauarbeiten wurde die Spielstätte am 1. September 2009 im Rahmen einer Gala glanzvoll wiedereröffnet. Eröffnungspremiere war am 2. September Der Künstler Dieter Hallervorden und sein Unternehmen, das Schlosspark Theater, sind eine leidenschaftliche Verbindung aus Vision und Mission. Bild: DER DEHMEL/Urbschat mit dem Stück „Die Socken Opus 124“ mit Dieter Hallervorden und Ilja Richter. „Hallervorden lässt sein Didi-Image endgültig hinter sich“, schreiben die Kritiker. In der Regie von Katharina Thalbach verkörpert er mit großem Feingefühl einen verarmten, von seiner Frau verlassenen Theaterstar, der sich an die Hoffnung klammert, durch einen Rezitationsabend mit einem ebenso abgehalfterten Kollegen ein Comeback zu erzwingen. „Die Socken Opus 124“ von Daniel Colas zeigt die beiden Schauspieler bei ihren Proben. Hallervorden gibt den erfahrenen Routinier Brémont. Mit ihren Eitelkeiten und Empfindlichkeiten reizen Hallervorden und Richter einander bis aufs Blut und am Ende werden sie beinahe Freunde. Das Stück war in Paris ein Riesenerfolg, und in der deutschsprachigen Erstaufführung ebenfalls, so dass es immer wieder in den Spielplan aufgenommen werden muss. Berühmte „Filmnasen“ auf der Bühne Das Schlosspark Theater, das vor Dieter Hallervorden mehrere Jahre geschlossen und vom völligen Verfall bedroht war, hat er mit seinem privaten Geld zurück ins Leben geholt und mit großem unter-

Gesellschaft PT-MAGAZIN 2/2016 7 Bild: DER DEHMEL/Urbschat Bild: DER DEHMEL/Urbschat nehmerischem Geschick zu einer Perle in der Theaterlandschaft entwickelt. Er konnte nicht auf große Fördertöpfe und Zuschüsse wie andere Theater in der Stadt zurückgreifen, sondern seine Theatervision war auch die Investition seines eigenen Geldes, das der unternehmerischen Mission die Basis gab. Erfahrung als Theaterdirektor brachte er mit, denn seit 1960 leitet er das Kabarett „Die Wühlmäuse“. Allerdings ist ein solches Theater wie das Schlosspark Theater ein paar andere Schuhe. Mit gehobenem Unterhaltungstheater und durch Film und Fernsehen bekannten Schauspielern ist es ihm gelungen, künstlerisch und unternehmerisch zu überzeugen. Unter der Leitung des Hausherrn Dieter Hallervorden standen seit seiner Eröffnung viele berühmte „Filmnasen“ auf der Bühne. Ingrid van Bergen, Brigitte Grothum, Peter Sattmann, Michael Schanze, Charles Brauer, Franziska Troegner, Robert Atzorn, Achim Wolff, Rainer Hunold, Ingeborg Krabbe, Philipp Sonntag, Volker Brandt, Wigald Boning, Thomas Koschwitz, Michaela May, Jürgen Heinrich und er selbst, um nur einige zu nennen. In kurzen Gastspielen, Konzerten oder Lesungen erlebte man von Katharina Thalbach über Dr. Eckart von Hirschhausen, Alfred Biolek, Winfried Glatzeder, Joachim Fuchsberger, Elke Heidenreich, Uwe Ochsenknecht, Walter Plathe, Romy Haag, Jürgen von der Lippe, Richy Müller, Edith Hancke, bis hin zu Hardy Krüger sen. und viele mehr. Als Regisseure waren in dieser Zeit Katharina Thalbach, Michael Bogdanov und Dieter Hallervorden kreativ, um nur einige zu nennen. Filmengagement und Bühne Neben der Leitung des Theaters als Intendant und Geschäftsführer der GmbH stand Hallervorden auch noch vor der Kamera. „Sein letztes Rennen“ ist ein 2013 in die Kinos gekommener Spielfilm über den fiktiven Marathonolympiasieger Paul Averhoff, der im hohen Alter versucht, durch Laufen der Tristesse und dem sinnentleerten Leben seines Altersheims zu entkommen. Dieter Hallervorden erhielt beim „Deutschen Filmpreis 2014“ die Auszeichnung für die beste männliche Hauptrolle. Der Film „Honig im Kopf“ erreichte in Deutschland ca. 7 Millionen Kinobesucher. Dieter Hallervorden spielt den von Alzheimer erkrankten ehemaligen Tierarzt Amandus in einer genialen, semantischen Balance zwischen liebevoller Zärtlichkeit und köstlichem Witz. Dieter Hallervorden, 1935 in Dessau geboren, wechselte 1958 aus der DDR nach West Berlin über, da ihm die Betonkommunisten ständig Schwierigkeiten ob seiner Meinungsäußerungen machten. Die Meinungsfreiheit ist ihm ein wichtiges Gut und er steht selbst für das Bewahren der deutschen Sprache als Kulturgut. Wahrscheinlich war die Begegnung von Hallervorden mit Victor Klemperer eine der bedeutsamsten Augenblicke in seiner Laufbahn vom wortwitzigen Komödianten hin zum Charakterdarsteller. Denn bei allem Witz und Wortgewandtheit spürt man die feingeistige Haltung zur Konnotation und Denotation. Die Begrifflichkeit „konservativ“ ist hierzulande durch die Leitmedien in ein suspektes Licht geraten. Der Begriff „konservativ“ kommt von dem lateinischen Wort „conservare“, was übersetzt „bewahren“ bedeutet. Dieses Bewahren ist auch ein Stück der unternehmerischen Vision von Hallervorden. Sein Theater versteht sich als ˘

Jahrgänge