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PT-Magazin 01 2020

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

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© ArtTower auf Pixabay PT-MAGAZIN 1/2020 Gesellschaft 8 Im Ernst: angesichts der nur grob beschriebenen Phänomene (weitere wie etwa die Frage, wie wir mit den FAANGs, den global tätigen ökonomischen Plattformen umzugehen haben) ist die Frage zu stellen, ob und wie wir das institutionelle Gefüge unserer Demokratie anpassen müssen, um unsere Demokratie zu erhalten. Hierzu Karl Poppers Rat: „Die Demokratie kann nicht besser sein als die Demokraten. Es sind die Demokraten, die für die Verbesserung arbeiten müssen, das ist das Entscheidende. Es ist Unsinn, sich über die Demokratie zu beklagen. Die Antwort auf so eine Klage ist: Was hat du getan, um die Demokratie zu verbessern?“. Dieser Maxime haben wir Demokraten zu folgen. Und als höchster Repräsentant unseres Gemeinwesens hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diese Maxime für sich verinnerlicht und fordert uns auf, ihr gerecht zu werden. In seiner Rede vom 26.September 2018 beim Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft fordert er uns wie auch die Fachwelt auf: “Wir müssen aber auch den Mut haben, neue Wege zu gehen, Experimente zu wagen, neue Formen der Beteiligung zu entwickeln. Neue Wege, die Verantwortung nicht einfach von den demokratischen Institutionen ab- oder wegwälzen, sondern repräsentative Verfahren verbessern und bereichern.“ Was bietet sich an? 1.Zunächst wohl Änderung des Wahlsystems. Darüber ist zu diskutieren, um ein transparentes System zu finden, das nicht Rücksicht nimmt auf parteiegoistische Interessen. Ein Vorschlag, der für uns Wahlbürger viel Charme hat, stammt von dem Politikwissenschaftler Joachim Behnke. Er fordert Zweimandat-Wahlkreise. Direkt gewählt wären dann der Sieger und der Zweitplatzierte des Wahlkreises. 2.Formen der deliberativen Demokratie einüben zwecks stärkerer Partizipation der Wahlbürger. Deliberative Demokratie ist den Formen direkter Demokratie vorzuziehen. Direkte Demokratie führt zu Spaltungen der Gesellschaft. Extremes Beispiel hierfür: Brexit Deliberative Demokratie (es wird nicht gewählt, sondern nach dem Zufallsprinzip werden stichprobenartig unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien repräsentative Kommissionen gebildet, die sich im rationalen Dialog zu bestimmten Themen eine gemeinsame Position erarbeiten) sind nicht Ersatz, sondern stärken in komplementärer Weise das Repräsentationsprinzip. Dabei gilt: Repräsentative Demokratie ist eine Institution gegen das Diktat der Mehrheit (Lammert). Gerade angesichts der zunehmenden Mächtigkeit und Wirksamkeit sozialer, von Stimmungen abhängiger und daher im Zeitverlauf instabiler Netzwerke, haben wir Demokraten dafür Sorge zu tragen, unsere Demokratie durch Veränderungen im institutionellen Gefüge wetterfest zu machen. 3.Änderungen des Wahlsystems und Einführung von Verfahren der deliberativen Demokratie sind Anpassungen am System. Darüber hinaus gehen Vorschläge, wie wir sicherstellen können, dass die Gewaltenteilung à la Montesquieu, wie wir sie in der Schule gelernt haben, tatsächlich auch funktioniert. Denn heute könnten wir beobachten, dass sich die legislative Versammlung, sprich Bundestag, zum Exekutivausschuss der jeweiligen Regierung entwickelt habe, also die Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative auf nur noch zwei Gewalten reduziert, somit der Rechtsstaat geschwächt sei. Dann stellt sich die Frage, wie eine solche gesetzgebende Versammlung zu konstituieren ist. Friedrich August von Hayek hat hierzu in seinem Werk „Die Verfassung der Gesellschaft freier Menschen“ (1981) einen Vorschlag unterbreitet. Kurz: Die jeweils 45-Jährigen wählen auf 15 Jahre ihre Repräsentanten in diese gesetzgebende Versammlung. 45 bedeutet: Lebens- und Berufserfahrung. 15 Jahre ohne die Möglichkeit der Wiederwahl bedeutet: die Abgeordneten sind ihrem Gewissen verpflichtet. Im Ergebnis: die jeweilige Regierung ist an die Gesetze dieses Parlaments gebunden. Ein kurzes Fazit: wir als Demokraten müssen uns um die Demokratie als lernendes System kümmern. Wenn wir das nicht tun, verkümmert die Demokratie. ó Über den Autor Dr. Hanspeter Georgi ist Politiker und Diplom-Volkswirt. Zuletzt war er saarländischer Minister für Wirtschaft und Arbeit. Er ist Mitglied des Präsidiums der Oskar- Patzelt-Stiftung.

PT-MAGAZIN 1/2020 © carlmertenswittwe.com Die Elfgen's zusammen mit Panchito, der die Plantage Finca Rio Colorado führt. Plantage als Hommage – der faire, der bessere Kaffee Kaffee ist in Deutschland nicht nur ein Trendprodukt. Es ist nahezu ein Lebenselixier. Doch was wissen wir schon, was hinter wirklich gutem Kaffee steckt. Die meisten Kaffeebauern leben in extremer Armut und werden um die Früchte ihrer Arbeit gebracht. Dass es anders geht, zeigt das Berliner Ehepaar Bärbel und Ansgar Elfgen mit einer eigenen Plantage in Honduras. „Unsere Liebe für Kaffee zeigt sich vor allem in der Wertschätzung der Menschen und der Natur, die die Grundlagen schaffen, dass wir hier in Europa einen so wundervollen Kaffee genießen können“, konstatiert Ansgar Elfgen. Alles begann in Honduras 2016 besuchten die Elfgens eine zweiwöchige Kaffee-Schulung im Lande der Mayas - Honduras. Der italienische Schulungsleiter und Kaffeeexperte Dr. Andrej Godina offerierte Ihnen vor Ort, ob sie nicht mit ihm eine Plantage selbst betreiben wollen. Die Elfgens sagten zu, bauten ihre Netzwerke auf und übernahmen mit einigen Partnern die „Finca Río Colorado“ im Hochland des zentral-amerikanischen Landes. Das Ziel des Public Private Partnership (PPP) –Projekts ist die Hilfe zur Selbsthilfe und ein gutes Auskommen für die Kaffeebauern vor Ort. In der Erntezeit von Oktober bis März leben nun rund 30 Kaffeebauern mit ihren Familien auf der Plantage, die für ihre Arbeit einen fairen Lohn bei guten Arbeitsbedingungen erhalten. Partner ist die örtliche Kaffeegenossenschaft Cooperative Cafetalera Capucas Ltda, ein regionaler Zusammenschluss von rund 850 Kaffee-Bauern. CoCafCal und Finca Rio Colorado begleiten und zeigen den Kaffeebauern, wie sie ihre Anbaumethoden nachhaltig verbessern können, wie man ohne chemische Zusätze auskommen kann. Der Sprung in die Verantwortung In Deutschland wird der Kaffee unter dem Markennamen des Urgroßvaters von Ansgar Elfgen „Carl Mertens“ direkt vertrieben. In die Geschichte geschaut, hatte 1838 Carl Mertens in Köln eine Rösterei gegründet. Nach seinem Tod führte seine Ehefrau die Firma weiter –wie seinerzeit üblich mit dem gesetzlich vorgeschrieben Zusatz „Wittwe“ mit doppeltem „t“. So ziert nun das Logo „Carl Mertens Wittwe – von 1838“ die Kaffee- Verpackungen. Die Hochwertigkeit und das faire Lohnsystem vor Ort machen den Kaffee nicht günstig, aber als nachhaltiges Projekt mit guten Bedingungen für Mensch und Natur in Honduras, geben dem Kaffee eine Aura von Lebensfreude und Zukunftsglück. Die Kaffeekultur „Wir setzen auf internationale Zusammenarbeit, Diversity und Respekt, um die besten Specialty Coffees der Welt zu bringen. Wir sind nicht nur Kaffeebauern, Röster und Baristas, sondern Coffee-Professionals und Kaffee-Liebhaber durch und durch“, führt Bärbel Elfgen selbstbewusst aus. In jeder Carl Mertens Wittwe- Kaffeebohne stecken etwa 400.000 Zellen. Jede einzelne Zelle setzt beim Rösten mehr als tausend flüchtige Aromen frei. Die Röstmeister der „Wittwe Mertens“ in Köln beherrschen perfekt das komplizierte Zusammenspiel von Kaffeesorte, Röstdauer und Temperaturverlauf. Sie verstehen ihr Handwerk und die Röstreaktionen auf präziseste Weise vom Trocknen, über die Maillard-Reaktion (nichtenzymatische Bräunungsreaktion), dem First-Crack (das erste Knistern der Bohnen) und der Entwicklungsphase bis hin zum behutsamen Abkühlen. Sanft und schonend wird im eigenen Trommelröster im exklusiven formula7-Röstverfahren geröstet. Damit wird aus den Single Estate Arabica-Bohnen ein exklusiver Carl Mertens Wittwe-Kaffeegenuss, der sich bequem im Internet vom Espresso bis Filterkaffee für jeden Geschmack bestellen lässt: www.carlmertenswittwe.com ó 9 Gesellschaft

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