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PT-Magazin 01 2020

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

PT-MAGAZIN 1/2020 Wirtschaft 32 Die Goldfolien der Sterne, der zwei ersten Bögen und die Himmelsbarke besitzen jeweils verschiedene Silberanteile. Auch die Goldfolie des Sterns, den man für den verschwundenen Randbogen versetzte, hatte man nicht wieder eingesetzt, sondern eine Folie aus einer neuen Goldcharge verwendet, wie Analysen bei BESSY, dem Berliner Elektronenspeicherring mit Synchrotron-Röntgenfluoreszenz zeigen. Schließlich wurden in den Rand der Himmlesscheibe rundum Löcher eingestanzt. Vorstellbar ist, dass die Scheibe auf einem Trägermaterial angenagelt oder genietet wurde, um sie als Standarte zu präsentieren. Als die Scheibe eingegraben wurde, war ihr astronomischer Code möglicherweise in Vergessenheit geraten. Der Mittelberg hat selbst eine Lage, der ihn in der Region astronomisch auszeichnet und seit jeher eine besondere kultische Bedeutung. Zur Sommersonnenwende am 21.Juni geht die Sonne genau hinter der Spitze des 80 Kilometer entfernten 1300 Meter hohen Brocken unter. Am 1.Mai, ein Datum das in vielen Kulturen als Frühlingsfest oder Beltaine gefeiert wird, steht die untergehende Sonne hinter dem Kyffhäuser mit dem Kulpenberg. Auch in der Gosecker Kreisgrabenanlage findet sich diese Peillinie. Beim Fund durch die Grabräuber und der folgenden unsachgemäßen Reinigung wurde die Himmelsscheibe stark in Mitleidenschaft gezogen. Der von einem Hammerschlag zerfetzte Scheibenrand zeigt, dass die Scheibe aufrechtstehend, mit der Barke nach unten, im Boden steckte. Die Oberfläche wurde zerkratzt und die Goldbleche wurden zum Teil abgelöst. Die Schäden konnten inzwischen weitgehend behoben werden. Ein fehlender Stern wurde wieder eingefügt und die Vollmonddarstellung ausgebessert. Laut den Grabräubern war der Fundort mit schweren Steinen umgeben, die von ihnen teilweise weggeräumt wurden. Spätere Grabungen fanden im nächsten Umkreis keine Gräber und Siedlungsreste, sprechen aber dafür, dass er bereits beim Vergraben der Himmelsscheibe von zwei geraden Wällen begrenzt war. Ende des 3. Jahrtausends v.u.Z. existierten bereits europaweite Fernhandelsrouten, wobei Mitteldeutschland eine zentrale Lage einnahm. Begehrt waren Gold, Kupfer, Zinn und Bernstein. Das Kupfer aus dem die Himmelscheibe geschmiedet wurde, entspricht nach den Analysen den Vorkommen im prähistorischen Bergwerk auf dem Mitterberg im Salzburger Land. Aus dem östlichen Alpenraum wurde in der frühen Bronzezeit der überwiegende Teil Mitteleuropas mit Rohkupfer versorgt. Beim Gold konnte als Abbauort Cornwall nachgewiesen werden. 4 kg Bronze und 50 g Gold wurden für den Nebrafund verarbeitet. Auch die Metalldekorationsverfahren sprechen für Verbindungen in den östlichen Mittelmeerraum. Plattieren, Überziehen mit einer Goldschicht und Tauschieren, Einlegen von Metall. Die 0,2 bis 0,4 Millimeter starken Goldfolien sind ins Kupfer der Scheibe ein Stückchen eingelassen und darin an ihren Rändern verklemmt. Die Ausführung unterscheidet sich aber von den ostmediterranen Arbeiten, nur die Idee war daher importiert und nicht die Technik als solche. Bei Bornhöck südlich von Halle an der Saale wurde 2010 ein bronzezeitliches Hügelgrab entdeckt und zwischen 2014 und 2017 freigelegt. Der kegelförmige Hügel hatte ursprünglich 65 Meter Umfang und war 13 Meter hoch, war aber im Rahmen der Braunkohlefördrung im

19. Jahrhundert abgetragen worden. Zwei Fürsten wurden darin bestattet, der eine vor 3800 Jahren, der andere vor 3750 Jahren. Offenbar waren es mächtige Herrscher mit Beziehungen nach ganz Europa. Das Grab wird der Aunjetitzer Kultur zugeordnet, zu der auch die noch erhaltenen Grabhügel in Leubingen und Helmsdorf gezählt werden. Dort wurden Schmucknadeln gefunden, deren Gold nach der metallurgische Anlayse aus der gleichen Mine in Cornwall stammt, wie das Gold der Himmelsscheibe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gab einer der Fürsten den Auftrag zu ihrer Herstellung. Demnach wäre die Himmelsscheibe viele Generationen in Benutzung gewesen, bis sie aus unbekanntem Grund auf dem 50 Kilometer von Bornhöcker Grabhügel entfernten Mittelberg wie ein Fürst vergraben wurde. Der Fundort der Himmelsscheibe und die rekonstruierte Kreisgrabenanlage von Goseck gehören inzwischen zum touristischen Netzwerk Himmelswege mit fünf Zielen in Sachsen-Anhalt zur astronomischen Frühgeschichte. Dazu gehören noch das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle an der Saale, das das Ringheiligtum Pömmelte, und die Dolmengöttin von Langeneichstädt. Die Himmelswege Sehenswürdigkeiten liegen fast alle an beschilderten, gut ausgebauten Radwegen.Der etwa 73 km lange Himmlesscheibenweg verbindet den Ausstellungsort der Himmelsscheibe und die Arche Nebra. Die Radler passieren dabei die Weinstraße „Mansfelder Seen“, den Süßer See, Stadt und Burg Querfurt sowie den ausgedehnten Ziegelrodaer Forst. ó Bilder: Arche Nebra / Christian Wolter / OPS Netzwerk GmbH Über den Autor Christian Wolter ist Ingenieur und verfasst u.a. Artikel mit Schwerpunkt Wissenschaftsjournalismus aber auch zum Thema Reisen. 33 PT-MAGAZIN 1/2020 Wirtschaft Welcome to Nature Am Weiher 1 • 49439 Steinfeld • Tel.: 05492-557188-0 www.nordic-haus.de

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