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PT-Magazin 01 2020

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

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Wirtschaft PT-MAGAZIN 1/2020 30 Funde von Stichbandkeramik in der Nähe lassen vermuten, dass die Anlage dann etwa 200 Jahre benutzt wurde. Rund 3300 Jahre später, also vor 3600 Jahren, wurde auf dem Middelberg bei Nebra, rund 30 Kilometer von der Kreisgrabenanlage entfernt, eine Kupferscheibe vergraben, etwa vom Durchmesser einer Langspielplatte, verziert mit astronomischen Darstellungen aus Goldfolie. Aufgebracht war eine Mondsichel, der Vollmond und ein Sternenhimmel aus Goldscheibchen. Am Scheibenrand eingelassen finden sich schmale goldene Bögen. Die Scheibe wurde im Jahr 1999 von Grabräuber wieder ans Tageslicht befördert und konnte 2002 beschlagnahmt werden. Beigegeben wie bei einer Königsgruft waren zwei Schwerter, zwei Beile, zwei Armspiralen und ein Meißel. Die Griffe der Schwerter enthalten Birkenrinde, deren Alter durch die Radiokarbonmethode auf das 16.-15. Jahrhundert v. Christus bestimmt werden konnte. Die Himmelsscheibe von Nebra, wie sie inzwischen genannt wird, geriet zur weltweiten Sensation, sie gilt als die älteste Darstellung des Sternenhimmmels. Im Juni 2013 wurde die Himmelsscheibe durch die UNESCO in das Register des Weltdokumentenerbes aufgenommen. Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale hat sie inzwischen ihren dauerhaften Platz gefunden. Im Gegensatz zum Sonnenobservatorium bei Goseck ist der Fundort der Himmelsscheibe auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Die Unstrutbahn bringt den Besucher in 51 Minuten von Naumburg(Saale) nach Wangen (Unstrut). Von der Bahnstation dort sind es etwa 10-15 Minuten Fußweg zum Besucherzentrum mit Planetarium, der „Arche Nebra“am Fuß des Mittelberges. Von hier führt ein 3 Kilometer langes Sträßchen zum Ort der Entdeckung der Scheibe auf dem Gipfel. Für privaten Verkehr ist der Weg gesperrt. An Wochenenden und Feiertagen, zu den Schulferien auch unter der Woche, verkehrt jedoch ein Shuttlebus zwischen dem Parkplatz der Arche Nebra, dem Besucherzentrum der Arche Nebra und dem Gipfel des Mittelberges. Fahrkarten gibt es direkt im Bus für 1 EUR pro Richtung. Erreicht der Besucher den Gipfel des Mittelberg findet er den genauen Fundort durch eine polierte Stahlkallotte markiert und geschützt, dem Himmelsauge, in dem sich das Firmament spiegelt. An der Einmündung des Weges in die Lichtung Informations-Stelen. Ein 30 Meter hoher Aussichtsturm bietet weite Blicke über die Wipfel bis zum Brockengipfel und ins Unstrut Tal. Der 10 Grad geneigte Turm fungiert gleichzeitig als Zeiger einer riesigen Sonnenuhr. Von der Turmbasis gehen zudem Betonbänder aus, die in die Richtungen der Sonnenauf- und untergänge zur Winter- und Sommersonnenwende zeigen. Die Himmelsscheibe von Nebra enthält unter anderem die gleichen astronomischen Zusammenhänge wie die Kreis-

grabenanlage in Goseck. Der Winkel des goldenen Bogens bezüglich der Scheibenmitte entspricht dem Winkel zwischen Sonnenuntergangs- und Sonnenaufgangspunkt zur Wintersonnenwende, der gleiche Winkel der auch in der Anlage von Goseck realisiert ist. Ein weitere Gesetzmäßigkeit ist in der Darstellung der etwa vier Tage alten Mondsichel in der Nähe einer aus Goldscheibchen geformten Gruppe von sieben Sternen verschlüsselt . Dieser Sternhaufen stellt höchstwahrscheinlich die Plejaden dar, auch Siebengestirn genannt. In den ersten Märztagen waren sie damals in unseren Breiten zum letzten Mal am Abendhimmel auszumachen, der Zeitpunkt für die Aussaat. Gingen sie ab Mitte Oktober am westlichen Morgenhimmel unter, war es ein Zeichen die Ernte einzufahren. Die vom Sonnenstand bestimmten astronomischen Zyklen sind Jahr und Tag. Der Takt des Mondes ist der Monat. Da das Sonnenjahr 11 Tage länger ist als ein Mondjahr von 12 Monaten ist es notwendig, regelmäßig Schalttage einzufügen, damit sich im Kalender die Jahreszeiten nicht ständig verschieben. Auch unser moderner julianischer Kalender kennt eine solche Regel mit den Schaltjahren, die einen 29.Februar enthalten. Die Schaltregel der Himmelsscheibe kann so ausgelegt werden: „Steht im März eine knapp Viertelsmondsichel bei den Plejaden, füge einen Schaltmonat ein“. Wie lange die Himmelsscheibe vor dem Vergraben verwendet wurde wissen wir nicht sicher. Herstellung und Benutzung haben aber Spuren hinterlassen. Die Montage von Mond, Sternen und Rundbögen geschah sukzessive. Mehrere Modifikationen der Scheibe können ausgemacht werden. In ihrer ursprünglichen Form war auf der Himmelsscheibe eine Darstellung des Nachthimmels mit 32 Sternen sowie ein Voll- und ein Sichelmond zu sehen. Zwei Bögen, die exakt die Winkel der Sonnenwenden repräsentieren, wurden später am Rand aufgesetzt. Ein Bogen ging offenbar lange vor dem Vergraben von der Scheibe verloren. Für diesen Bogen wurde ein Stern, der sonst verdeckt worden wäre, versetzt. Unter dem erhaltenen Bogen sind zwei Sterne versteckt, die unversetzt blieben, wie Untersuchungen im Röntgenlicht zeigen. Ein dritter Randbogen aus Goldfolie, der „gefiederte“ Bogen, wurde bei der folgenden Veränderung stilbrüchig am Scheibenrand zwischen die Sterne und die ersten zwei Bögen gezwängt, möglicherweise repräsentiert er eine Himmelsbarke. Den Mythos der Tag- und Nachtfahrt der Sonne kennen wir aus dem alten Ägypten. Ob die Idee eines Himmelsschiffes ihren Weg von Ägypten nach Mitteleuropa fand, oder sich die Mythen unabhängig voneinander entwickelten ist ungeklärt. Die Gebäudeform des goldgelb verkleideten Besucherzentrums „Arche Nebra“ ist der Form des Himmelsschiffes auf der Scheibe nachempfunden. ˘ 31 PT-MAGAZIN 1/2020 Wirtschaft

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