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E-Paper PT-Magazin 04 2020 Überblick behalten

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Krisen überwinden. Motto: Überblick behalten. Juryliste 2020 abgeschlossen. Mittelstand setzt trotz Coronakrise Meilensteine. Corona und Klima: Claudia Kemfert über Krisen-Ähnlichkeiten. Datenschutz und Datensicherheit: Corona – der Durchbruch für die Digitalisierung? Stabilität und Erneuerung … in Zeiten von Krisen und schwarzen Schwänen.

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08 E-Paper 4/2020 © piqsels.com Unternehmer in Zeiten Immer wieder müssen Entscheidungen getroffen werden. Durch welche Tür wollen Sie gehen? Der Erfolg liegt in der Balance von Stabilität und Erneuerung Nicht nur aufgrund der aktuellen Corona Pandemie, ist es eine kontinuierliche Pflicht von Unternehmern, proaktiv über Krisenzeiten nachzudenken und mögliche Konsequenzen abzuleiten. Dies hilft nicht nur der Vorbereitung für mögliche Unternehmenskrisen, sondern generell der kritischen Reflektion über mögliche Schwachstellen und der damit verbundenen Identifikation von Verbesserungspotentialen. Der Ablauf von Unternehmenskrisen verläuft meistens gleich: Die Krise beginnt mit einem schleichenden oder sogar spontanen Rückgang der Kundenaufträge, die in der Folge zu Einbußen im Umsatz führen. Dies hat Konsequenzen auf die Ertrags- aber auch Liquiditätslage. Ein nicht ausreichender Ertrag kann zu Verlusten und im schlimmsten Fall zu einer Überschuldung führen. Fehlende Liquidität kann über Zahlungsschwierigkeiten bis zur Zahlungsunfähigkeit gleiten. Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit sind beides individuelle Anlässe für eine Insolvenz. Sind alle Unternehmenskrisen vorhersehbar? „Jein“! „Ja“, denn der oben gezeigte Ablauf ist der Normalfall, und auch die Ursachen für diesen Normalfall sind meist dieselben: Schwindende Aufträge und Umsätze entstehen entweder aus einer fehlenden Attraktivität gegenüber den Kunden, resultierend aus dem fehlenden Nutzen für diesen oder einem unattraktiven Preis, aus einem aggressiven Wettbewerb, wiederum resultierend aus einer Preis- oder Innovations-Aggressivität einiger Marktteilnehmer, oder aus weiteren Umfeldfaktoren wie der staatlichen Regulatorik. Aber „nein“, neben diesen normalen Umständen existieren Zeiten mit unvorhersehbaren Trends und daraus entstehenden Krisen. Seit Nassim Nicholas Taleb und seinem Buch über schwarze Schwäne von 2007, nennen wir jene Ereignisse, die unvorhersehbar, selten und höchst unwahrscheinlich sind, „schwarze Schwäne“. Dieser Begriff basiert auf der Erkenntnis, dass es doch schwarz Schwäne in der freien Wildbahn gibt, obwohl die meiste Schwäne weiß sind und ein früheres englisches Stichwort mit seiner Aussage es „gäbe keine schwarzen Schwäne“ falsch lag. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung nehmen wir schwarze Schwäne als Ausnahme oder sogar als Fehlentwicklung wahr. Nicht nur, dass die Öffentlichkeit diese Ereignisse als unwahrscheinlich oder gar unmöglich einstuft, sie spielen dann eine unverhältnismäßig große Rolle mit harten Konsequenzen für alle Betroffenen. Schwarze Schwäne haben das Potential zu öffentlichen Großereignissen, politischen Umstürzen, wirtschaftlichen Krisen, gesundheitlichen Epidemien oder ökologischen Katastrophen. Der entsprechende wissenschaftliche Begriff lautet daher „Diskontinuitäten“. Wie aber geht nun ein Unternehmer mit einer (un-) vorhersehbaren Krise um? Was sollte er beachten und schnellst möglichst umsetzen? Zwei zentrale Ziele gilt es für die Organisationen zu erreichen: Erstens benötigt es Stabilität und Robustheit gegenüber jeglichen Krisen bis hin zu schwarzen Schwänen. Krisen dürfen eine Organisation zwar beeinflussen, aber nicht existentiell gefährden. Die Führung muss konsequent offen und pragmatisch mögliche Unternehmenskrisen und schwarze Schwäne identifizieren und akzeptieren. Mittels eines klassischen Krisenmanagements gilt es das Unternehmen und all seine Stakeholder zu schützen. Zweitens dient die Robustheit als Basis für die Aktivierung eigener Kräfte, um aus jeder Krise eine Chance für das eigene Unternehmen zu gestalten. Mit anderen Worten: Es geht um den Schutz des Unternehmens unter gleichzeitigem Ausnutzen neuer Chancen. I. Erfolg liegt in der Stabilität Starten wir mit dem ersten, dringendsten Aspekt der Stabilität. Der Erfolg in Krisenzeiten liegt in der Stabilität und E-Paper 4/2020

09 von Krisen und © piqsels.com E-Paper 4/2020 Die Entscheidungsfindung in Krisen kann sich anfühlen als würde man unter Zeitdruck durch ein Labyrinth gejagt. Robustheit des Unternehmens – nach innen und nach außen. Nach außen gilt die Stabilität gegenüber den wichtigsten Stakeholdern eines Unternehmens, nach innen als die eigentliche Sicherung der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Bei den Stakeholdern gilt es, beispielsweise das Vertrauen der bedeutendsten Kunden rasch und direkt durch eine offene Kommunikation und nachhaltige Lieferfähigkeit abzusichern. Immerhin zahlen uns unsere Kunden auch unser Gehalt, während die Mitarbeiter unsere Leistungen produzieren. Ihnen gegenüber benötigt es eine ausbalancierte Informations- Offenheit, ohne jedoch zu viel Ängste zu schüren. Die Mitarbeiter suchen vor allem Sicherheit betreffend ihrer Arbeitsplätze und der korrekten Zahlung aller Gehälter. Die Lieferanten schaffen uns die technischen und operativen Voraussetzungen für unsere Leistungsfähigkeit. Wenn sie uns keine Rohwaren, Vorprodukte oder Dienstleistungen erbringen, können oft auch wir nicht mehr unsere Aufgaben gegenüber den Kunden korrekt erfüllen. Die Lieferanten erwarten von uns in Krisenzeiten Aussagen und Beweise über unsere Zahlungstreue, also die rechtzeitige und korrekte Bezahlung aller offenen schwarzen Schwänen Rechnung. Die damit verbundene Zahlungsfähigkeit ist auch ein wichtiger Vertrauensaspekt gegenüber unseren Banken und Gesellschaftern. Diese Gruppe an Stakeholdern unterstützen uns bei den finanziellen Voraussetzungen für unsere Leistungsfähigkeit auch innerhalb einer Krise. Um ihr Vertrauen nicht zu verlieren, sind auf klassische betriebswirtschaftliche Aspekte zu achten, wie die Rendite, Kreditwürdigkeit und der generelle Insolvenzschutz. Neben der Stabilität gegenüber unseren Stakeholdern gilt die Aufmerksamkeit der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Sie muss mindestens stabilisiert, wo aber möglich auch verbessert werden. Dies bedeutet bei vielen Firmen aber zuerst die Schaffung einer Transparenz über die aktuelle wirtschaftliche Lage. Während in guten Zeiten manche Unternehmer ihre Firma „per gutem Bauchgefühl“ steuern, was bei wiederkehrenden Kunden und wachsenden Umsätzen oft auch keine akuten Probleme verursacht, so braucht es in Krisenzeiten harte Fakten über die aktuelle und kurzfristige Ertragslage, Kostenblöcke und anstehende Investitionen. Wichtig ist auch die Transparenz über zentrale Positionen des Umlaufver- mögens, wie die Vorräte, offenen Forderungen gegenüber den Kunden oder Dritten, die aktuelle Kassenbestände sowie mögliche Geldreserven. Erst die Transparenz erlaubt eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit! Hier betrachtet man die Stärkung des eigenen Absatzes oder Umsatzes, beispielsweise durch Sonderaktionen, aber auch durch einen aktiveren Vertrieb, Werbung oder kurzfristige Sortimentserweiterungen. Dann gilt es offene Forderungen gegenüber den Kunden schneller einzuziehen, was ein sehr aktives und konsequentes Forderungsmanagement voraussetzt. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, und vor allem der Liquidität, sind die Reduktion von Vorräten und Beständen, ohne dabei das laufende Geschäft zu gefährden, die Nachverhandlung der Lieferanten im Einkauf, die mögliche Stundung von Verbindlichkeiten (wie Lieferantenkrediten oder Gesellschafterdarlehen) oder der kurzfristige Liquiditätszugang durch Gesellschafter oder staatliche Institutionen. In der aktuellen Corona Krisen helfen gerade diverse Fördermaßnahmen des Staates bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen, wie das sehr rasch umgesetzte Kurzarbeitergeld und die Soforthilfe in Form einmaliger Zuschüsse. II. Erfolg liegt in der Erneuerung Die Stabilität ist eine sehr wichtige Aufgabe des Unternehmers in Krisenzeiten. Der Erfolg liegt aber auch in der Erneuerung. Ziel ist die Aktivierung eigener Kräfte, um aus einer Krise eine Chance für das eigene Unternehmen zu gestalten. Denn neue Zeiten bedeuten auch neue Spielregeln! Gerade die Corona Pandemie hat viele direkte Effekte auf die Unternehmen, wie aktuelle Betriebsschließungen bei vielen Restaurants, Hotels, Friseuren, Physiotherapeuten, selbständigen Trainern, Einzelhändlern oder Handwerkern. Andere Unternehmen und ihre Mitarbeiter erleben die Kurzarbeit, Homeoffice oder bereits Lieferengpässe bei notwendigen Rohwaren und Vorprodukten. ˘

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