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E-Paper PT-Magazin 03 2020 Wir stemmen das

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Krisen überwinden. Motto: Meilensteine setzen. Krise ist nichts für Weicheier: Die Situation erzwingt Entscheidungen. Wie RIVA den Wandel nutzt: Mit 81 Jahren zieht H. Püttmer durch. Weltklasse aus Bad Schlema: Diese Frau machte ihr Hobby zum Beruf. Ein Gesellschaftsvertrag: für Unternehmertum! Deutschland im Homeoffice: Das können Sie steuerlich absetzen. Corona-bedingte Änderungen: „Großer Preis des Mittelstandes“.

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12 E-Paper 3/2020 Ein Gesellschaftsvertrag für © Pixabay Nicht nur aufgrund der Coronakrise, auch zuvor wurde über Defizite in Sachen Unternehmertum in Deutschland diskutiert. Die Statistiken weisen seit langem ein rückläufiges (allenfalls auf niedrigem Niveau sich stabilisierendes) Interesse an der beruflichen Selbstständigkeit aus. © Pixabay E-Paper 3/2020

13 Unternehmertum E-Paper 3/2020 Nicht nur aufgrund der Coronakrise, auch zuvor wurde über Defizite in Sachen Unternehmertum in Deutschland diskutiert. Die Statistiken weisen seit langem ein rückläufiges (allenfalls auf niedrigem Niveau sich stabilisierendes) Interesse an der beruflichen Selbstständigkeit aus. Wenn schon gründen, dann geschieht dies doch stetig mehr im Nebenerwerb, echte Vollblutunternehmer*innen wurden und werden zunehmend Mangelware. Nebst (insbesondere vor) der Coronakrise hatte dies unter anderem konjunkturelle Effekte bei einem in vielen Regionen leergefegten Arbeitsmarkt. Hinzu kommen Defizite bei der Vermittlung von unternehmerischem Denken in Schulen und Hochschulen. Studien zeigen, dass bspw. die Gründungsneigung bei jungen Menschen in anderen Staaten weit vor der in Deutschland liegt. Und ist der Wille doch vorhanden in Sachen Existenzgründung, kommen neue Hürden auf die Mutigen zu, sei es bei infrastrukturellen Anforderungen wie der Digitalisierung oder eben dabei generellen bürokratischen Herausforderungen. Trend zu weniger Unternehmertum ist fatal Dieser Trend zu einem Weniger an Unternehmertum ist fatal. Nicht nur sorgen neue Unternehmen für Wettbewerb auf den Märkten, bieten quasi einen Ansporn für etablierte Betriebe, sich stetig zu hinterfragen und hierdurch zu verbessern. Auch die Umsetzung von Innovationen, neuen Produkten und Dienstleistungen oder schlicht die Magnetwirkung von Regionen mit einem echten „Gründerspirit“ auf junge Menschen, die zurzeit ihren Lebensmittelpunkt wählen (und somit in die Zukunft eines Standortes), ist zu beachten. Und eines darf man bei allem nicht vergessen: der demografische Wandel macht auch vor der heutigen Unternehmer*innen- Generation nicht halt. Alterungsbedingt stehen in den nächsten Jahren massive Veränderungen mit Blick auf den Generationswechsel an. Laut letztem DIHK- Nachfolgereport 2019 steigt über die Jahre nicht nur kontinuierlich die Anzahl der potenziell Nachfolgersuchenden an, zugleich berichtet über die Hälfte, beim Erstkontakt zu einer IHK noch keinen Nachfolger gefunden zu haben 1 . Dies ist fatal. Scheitern Unternehmensnachfolgen, erodiert der Mittelstand, mit allen Konsequenzen für die Resilienz des Wirtschaftsstandortes, für Beschäftigte, Kommunen. Die Politik hat das Thema erkannt. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landespolitikebene werden Schritte initiiert, um mit Stakeholdern wie Bildungseinrichtungen, Kammern, Verbänden etc. die Weichen für die Unternehmergeneration von morgen zu stellen. Stellvertretend genannt sei zum Beispiel die Initiative Gründerland Bayern im Freistaat. Gesellschaftsvertrag mit Gründer-Bafög? Aber: Warum nicht weit gefasster denken? Warum nicht innovativer denken? Warum nicht zum Beispiel über eine Art Gesellschaftsvertrag für Unternehmertum nachdenken? Was ist gemeint? Von einer lebhaften Unternehmenslandschaft – letztlich auch getragen mit Blick auf den (hypothetischen) Erfolg dabei, die Herausforderung Generationenwechsel im Mittelstand der nächsten Jahre zu meistern – profitiert die Gesamtgesellschaft: Arbeitnehmer arbeiten (insofern gewünscht) auch zukünftig bei ihren Betrieben, Unternehmer*innen finden leichter den oder die Richtige bei der Übergabe des Chef*innensessels, Standorte wahren ihre Attraktivität, die Volkswirtschaft wahrt ihren Wettbewerbsvorteil im Sinne eines starken und breit aufgestellten Mittelstands. Wie könnte das ganze umgesetzt werden? Ein „Bafög“ für Existenzgründer könnte solch ein Baustein sein. Wie aktuell im Studium üblich könnte doch denkbar sein, dass neue Selbstständige mit Beginn ihrer Tätigkeit einen bspw. monatlichen Zuschuss beziehen, der Liquidität zu Beginn schafft und somit Handlungsfähigkeit. Ein ähnliches Konstrukt stellt bekanntlich der Gründungszuschuss aus der Arbeitslosigkeit heraus dar (dort mit dem Ziel, den Menschen eine Einkommens- und Beschäftigungsalternative zu schaffen). Dieser Zuschuss an alle Gründer könnte dann zu späterem Zeitpunkt mit etwaigen Gewinnen in Teilen rückerstattet werden. Insofern der Gründer oder Betriebsübernehmer erfolgreich ist, stellt dies kein Risiko dar. Scheitert er, handelte es sich um eine staatliche Transferleistung, wie sich ebenda in den aktuellen arbeitsmarktpolitischen Instrumentarien bereits etabliert ist. Wäre das eine Idee? Ohne Zweifel, die Herausforderungen sind enorm. Eine solitäre Lösung zur Bewältigung in Sachen Unternehmertum von morgen lässt sich – nicht zuletzt in oder nach der aktuellen Coronakrise – wäre vermessen. Aber vielleicht könnte ein von einer breiten gesellschaftlichen Schicht – auch generationenübergreifend gedacht – ein weiterer Baustein sein, über den es sich konkret nachzudenken lohnt. Dagegen spricht doch eigentlich nichts, oder? ó 1 DIHK (2019): DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2019, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) e.V., DIHK: Berlin. Über den Autor Dr. Sascha Genders, LL.M. Eur., ist Bereichsleiter Standortpolitik, Bereichsleiter Existenzgründung und Unternehmensförderung, IHK Würzburg-Schweinfurt.

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