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E-Paper PT-Magazin 02 2020 Nicht aufgeben

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Krisen überwinden. Motto: Meilensteine setzen. 100-%-Finanzierung: Corona-Krisenberatung. Rechtssicherheit in der Krise: Leasing und Vergaberecht. Bauschutt-Recycler: Corona-Krise mit Strategie trotzen. 10 goldene Regeln: Für ein sicheres Home Office. Corona-bedingte Änderungen: „Großer Preis des Mittelstandes“.

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04 E-Paper 2/2020 Größtmöglicher Stresstest für die ganze Branche BVFL-Vorstand und Chef der Nürnberger Leasing gibt Einblick in Krisenmanagement © NL Die Corona-Krise trifft die Finanzbranche laut Ferdinand Dorn doppelt so hart wie die Bankenkrise 2008/09. Begründung des Inhabers der Nürnberger Leasing, die mit 50 Mitarbeitern bundesweit 3500 Kunden mit einem Finanzierungsvolumen von gut 400 Millionen Euro betreut: Die damalige Krise habe sich konzentrisch über Monate ausgebreitet, Corona habe sofort 80 Prozent aller Branchen erfasst. „Unser Kerngeschäft ist Liquiditätsmanagement. Deshalb ist die momentane Krise der größtmögliche Test für uns, Kann stolz auf ihr Corona-bedingtes Krisenmanagement binnen Tagen sein: Die Führungsmannschaft der Nürnberger Leasing (Motiv entstand vor der Krise; ganz rechts Inhaber Ferdinand Dorn). uns zu bewähren,“ sagt Dorn, zugleich Vorsitzender des Bundesverbands Finanzierung und Leasing e.V. (BVFL), in dem 170 Führungskräfte der Branche organisiert sind. Je nach Branchenausrichtung berichten LeasingGmbHs von fünf bis 20 Prozent Ausfällen von aktuellen Raten ihrer Kunden. Besonders hart betroffen sind Finanzierer in Gastronomie, Tourismus, Kfz- Zulieferung, Logistik oder Event mit Ausfällen bis 100 Prozent. Dorn gibt ein Beispiel: Wenn ein Händler bis Februar zehn Prozent online und 90 Prozent stationär gemacht hat, habe sich zwar dessen Online-Umsatz mittlerweile verdoppelt oder verdreifacht, der Umsatzeinbruch liege aber bei 70 bis 80 Prozent. Bei vielen Firmen seien Lieferketten zusammengebrochen und Finanzreserven schmelzen. Dorn: „Das sind alles Parameter, auf denen Finanziers ihre Bonitäten und Konditionen gesichert haben.“ Diese Zahlen müssten nach der Krise ganz neu betrachtet werden, um schnell wieder in geordnetes Wirtschaften zu kommen. In seiner eigenen Firmengruppe, die seit 25. März je im wöchentlichen Wechsel für das halbe Team Homeoffice und für die zwölf Vertriebsleute teils Kurzarbeit eingeführt hat, wurde mit allen Kunden gesprochen, die die Rate ausgesetzt haben. Der Inhaber: „Wir haben sofort jeden Fall einzeln betrachtet und mit jedem geredet.“ Innerhalb der Branche liege er „deutlich am unteren Limit der Ausfälle“, die er zudem dadurch senkt, dass er betroffenen Kunden schuldenfreie Reisebusse, Yachten oder Maschinen abkauft, die diese nun zurückleasen und mit dieser Liquidität die seitherigen Leasingraten bedienen. Der 56-Jährige: „Andere Kunden konnten noch gut ihre Aprilraten zahlen.“ In allen Fällen gehe es um die mittelfristige Liquiditätsplanung. Am Factoring, das die Franken auch anbieten, sei das Interesse „aktuell gigantisch“. Dabei überträgt der Kunde seine Inhaber Ferdinand Dorn: „Diese Situation war die extremste Weiterbildung für unsere Belegschaften in Echtzeit.“ Forderung an den Factoringgeber, der eine gestellte Rechnung je nach Zahlungsziel mit Abschlag sofort begleicht und seinerseits deren Bezahlung 30, 60 oder 90 Tage später erhält. In der aktuellen Krise bewähre sich die Innovationskraft seiner Firma, so Dorn. Dank eines hohen Digitalisierungsgrads aller Prozesse und solider IT-Infrastruktur habe seine Organisation binnen 48 Stunden auf die Krise reagiert und sei trotz 15 Prozent Reibungsverlust handlungsfähig geblieben. Auch die generalistische Firmenkultur habe sich bewährt, um binnen Stunden Teams virtuell neu zusammenzusetzen. Weil mit Stundungen üblicherweise nur ein Mitarbeiter befasst ist, seien binnen Tagen alle befähigt worden, damit qualifiziert umzugehen, die Informationen transparent zu dokumentieren und die Kunden zu beraten wie sie liquide bleiben. Der Chef gibt ein zweites Beispiel: Macht im Alltag das „Sale lease back-Verfahren“ (SLB) bei den Franken maximal ein Prozent ihrer Aktivitäten aus, waren es nun in der Akutphase 30 Prozent. Dorn ist dankbar, den Stresstest bestanden zu haben – mit Einsatz von mehr Fremd- und Eigenkapital. „Wichtig war und ist, extrem schnell mit ruhiger Hand effektiv zu reagieren,“ sagt der Profi, der Ende März eine erste Video-Telko mit allen 50 Mitarbeitern bundesweit hatte, bei der auch gelacht wurde ob der neuen Kommunikation. Der BVFL-Vorstand: „Diese Situation ist die extremste Weiterbildung für alle Belegschaften in Echtzeit.“ Sie hat in seiner Firma offengelegt, was sich bewährt und wo nachjustiert wird. Etwa bei Medienbrüchen, die erst im Homeoffice auffallen. ó www.nuernberger-leasing.de Autor: Leonhard Fromm © NL E-Paper 2/2020

05 EDITORIAL Nicht aufgeben! Corona hat nicht die erste Krise in Deutschland ausgelöst, und mit Sicherheit auch nicht die letzte. Jede Krise ruiniert Arbeitsplätze, Betriebe, Unternehmerfamilien. Der German Mittelstand als Ganzes hat aber stets überlebt. Ein Beispiel dafür ist ein Unternehmen aus Aue im sächsischen Erzgebirge, das seit fast 140 Jahren Textil-Geschichte schreibt, obwohl es immer wieder unverschuldet vor dem Aus stand. 1882 gründete der ortsansässige Müllersohn Alwin Bauer gemeinsam mit einem Berliner Kaufmann eine Baumwollweberei und beschäftige 25 Jahre später mehr als 700 Mitarbeiter. Dann kam der 1. Weltkrieg. 2015 übernahm Alwins 35jähriger Sohn Curt Bauer den Betrieb und führte u. a. die Betriebskrankenkasse und betriebliche Altersversorgung ein. Schon 2018 folgten die Revolution und die Weimarer Republik, 1923 die Hyperinflation und 1929 die vom New Yorker Börsencrash ausgelöste Weltwirtschaftskrise, 1933 die Machtergreifung der Nazis und das „3. Reich“, 1939 der 2. Weltkrieg. Als Hitler die Werkhallen zur Rüstungsproduktion brauchte, musste Curt Bauer Hunderte Webstühle abbauen. Als er gegen unmenschliche werdende Arbeitsbedingungen protestierte, wurde er 1943 verhaftet, am NS-Volksgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt und 64jährig im Jahr 1944 in den Freitod getrieben. Bei Kriegsende konnten seine Witwe Margarete und die beiden Söhne Wolfgang und Alexander nur 45 von ehemals 640 Webstühlen und 125 von ehemals 700 Arbeitsplätzen retten. Zwar wurde der Betrieb als Opfer des NS-Regimes nicht sofort von den sowjetischen Besatzern 1945 enteignet. Aber 1953 fingierte der DDR-Fiskus angebliche Steuerschulden. Die fast 70jährige Margarete und ihr Sohn Alexander kamen ins Zuchthaus. Nur Wolfgang konnte rechtzeitig nach Westdeutschland fliehen. Am 17. Juni 1953 erzwang der Volkszorn die Freilassung und die Erlaubnis, weiter zu produzieren. 1955 war die Belegschaft auf 1.000 Mitarbeiter gewachsen – viel zu viel für sozialistische DDR-Verhältnisse. 1955 wurde dem Unternehmen eine staatliche Beteiligung aufgezwungen, 1972 wurde es endgültig verstaatlicht. Obwohl Alexander „seinem“ Betrieb als angestellter Direktor treublieb, konnte er den planwirtschaftlichen Verschleiß der materiellen Substanz nicht verhindern. 1990 brach die DDR zusammen. Erneut standen 700 hochqualifizierte Mitarbeiter vor dem Aus. Erst nach zwei Jahren genehmigte die Treuhand 1992 die Reprivatisierung an Alexanders Söhne Gert und Michael Bauer. Sie investierten in neue Maschinen, begründeten eine neue Erfolgsära und Impressum: epaper 2/2020 © 2020 OPS Netzwerk GmbH Melscher Str. 1, 04299 Leipzig, Tel. 0341 240 61 - 00 www.pt-magazin.de E-Mail: redaktion@op-pt.de Geschäftsführer: Petra Tröger, Dr. Helfried Schmidt gewannen 1998 den „Großen Preis des Mittelstandes“. Nur wenige Jahre später richtete das Jahrhundert-Hochwasser von 2002 neun Millionen Euro Schaden an. Wieder musste neu aufgebaut werden. Dann traf 2008 die Weltfinanzkrise das Unternehmen, das sechzig Prozent seiner Produkte in viele Länder der Welt exportiert. In der Laudatio von 1998 hieß es: „Diese Firma schrieb über … Textilgeschichte. Sie überlebte Weltkriege, Weltwirtschaftskrisen, 40 Jahre Sozialismus und Enteignung und den Niedergang der europäischen Textilindustrie. Heute ist sie auf dem westafrikanischen Markt mit glänzenden Damasten ebenso vertreten wie sie treffsicher internationale Airlines, Hoteliers und Gastronomen beliefert. Die Bett- und Tischwäsche sind Textilien von Welt. Und wir wissen, sie haben noch einiges in der Schublade.“ Dem ist – auch in Zeiten von Corona-Pandemie und Shutdown - nichts hinzuzufügen. Ihr Helfried Schmidt Das PT-Magazin ist das offizielle Magazin des Wettbewerbes „Großer Preis des Mittelstandes“ der Oskar-Patzelt-Stiftung, eingetragen im Stiftungsregister des Regierungsbezirkes Leipzig unter Nr. 2/1998. Alle Angaben ohne Gewähr. Premier-Finalist 2019 99974 MÜHLHAUSEN Langensalzaer Landstr. 39 Tel.: (03601) 433-3 Fax: (03601) 433-555 99091 ERFURT Alte Mittelhäuser Str. 15 Tel.: (0361) 7 30 31-0 Fax: (0361) 7 30 31-18 98544 ZELLA-MEHLIS Gewerbestr. 2 Tel.: (03682) 45 99-0 Fax: (03682) 45 99-22 07751 JENA Zöllnitz Stadtrodaer Landstr. 3 Tel.: (03641) 62 05 24 Fax: (03641) 62 05 26 34260 KASSEL-Kaufungen Industriestraße 14 Tel.: (05605) 30 51-0 Fax: (05605) 30 51-25 95030 HOF An der Hohensaas 3 Tel.: (09281) 7 69 15-0 Fax: (09281) 6 27 09 99819 EISENACH-Krauthausen Am Marktrasen 2 Tel.: (03691) 7 25 81-0 Fax: (03691) 7 25 81-26 99734 NORDHAUSEN Herforder Str. 96 Tel.: (03631) 61 56 10 Fax: (03631) 60 01 24

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