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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Weltneues Flächenheizmodul: ersetzt Energiefresser Heizpilz. Digital Insights: Mit Kundenzentrierung neu durchstarten Silodenken überwinden. Berberin: Pflanzenstoffe als Geschäftsidee: Berberin. Erfolgsfaktor: Intercultural User Interface Design.

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08 E-Paper 10/2020 Silodenken überwinden Interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert Produktivität der Mitarbeiter und Zufriedenheit der Kunden Mit viel Mühe und Konsequenz haben Firmenlenker in den zurückliegenden Jahrzehnten daran gearbeitet, die funktional orientierten Abteilungen ihrer Unternehmen immer effizienter und effektiver zu machen. Das ultimative Ziel schien lange Zeit dann erreicht, wenn die einzelnen Bereiche möglichst autark jeweils das taten, wozu sie eingerichtet worden waren: Die Produktion etwa konzentrierte sich auf das Erreichen von Stückzahlen, der Einkauf um die günstigsten Einkaufskonditionen und die IT darum, dass die immer weiter sinkenden Budgets eingehalten werden konnten. „Wen kümmert, woran es in anderen Bereichen hapert, solange wir die Ziele unserer Abteilung erreichen?“, lautete die Devise. Top Manager, die ihren Betrieb in derart voneinander getrennten Einheiten organisiert und optimiert haben, stellen früher oder später fest, dass Abteilungsdenken Kooperationen hemmt, die Gesamtkosten erhöht und den Fortschritt behindert. Es sollte also im ureigensten Interesse des Top Managements sein, dieses sogenannte Silodenken aufzubrechen und mit einer neuen, cross-funktionalen Unternehmensorganisation in eine erfolgreiche Zukunft zu starten. Silodenken bedeutet starkes Abteilungsdenken und -handeln. Es wird nicht an einem Strang gezogen, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten oder Unternehmensziele zu erreichen. Beim Abteilungsdenken handelt es sich um ein vielfach unterschätztes Phänomen, das unnötig viele Barrieren aufbaut, die ihrerseits den Unternehmenserfolg sabotieren. Je mehr sich diese Erkenntnis durchsetzt, umso lauter werden die Rufe nach einem Aufbrechen festgefahrener Strukturen. Nur, wer Silos abbaut, kann sich ganzheitlich auf den Kunden fokussieren und eine schnelle und flexible Abwicklung der Geschäftsprozesse realisieren. Gleichzeitig können nur so die Effektivität und die Effizienz des Unternehmers langfristig gesteigert werden. Dazu aber bedarf es des Mutes, festgewachsene Strukturen, die man in den zurückliegenden Jahrzehnte teilweise massiv gepusht hat, wieder abzuschaffen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit durch die Einführung neuer Methoden und Organisationsformen zu fördern. Manager, die in ihrem Unternehmen den Umbruch erfolgreich meistern wollen, müssen sich von einer ganzen Reihe von Maßnahmen trennen, die in der Vergangenheit nur vermeintlich zielführend waren. Dazu zählt etwa die Zugriffsbeschränkung einzelner Abteilungen auf Informationen der jeweils anderen Berei- E-Paper 10/2020

09 Über den Autor Seit rund einem Vierteljahrhundert ist Mathias Hess in der digitalen Welt unterwegs – in nationalen mittelständischen Unternehmen und in internationalen Großkonzernen, als CIO und IT-Leiter sowie in verantwortlichen Management-Positionen bei IT-Service-Providern. Er kennt alles, was das moderne IT-Umfeld beim Thema Digitalisierung als Chancen, aber auch an Risiken zu bieten hat. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Projektmanagement, sowohl mit der Einführung neuer Anwendungen und Prozesse (ITIL) als auch in der Umsetzung von Outsourcing-Projekten und komplexen Offshore-Leistungen. Im Rahmen seiner Tätigkeit trägt er oft auch Verantwortung für das Change-Management, was immer mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor in vielen Projekten wird. Mathias Hess ist begeisterter Chancen-Nutzer und Digitalisierungsoptimist. Die IT sieht er zukünftig immer weniger als Kostenoptimierer, sondern vielmehr als treibenden „Business Enabler“. Matias Hess ist Interim Manager und professioneller Vortragsredner. Seine Themen sind Innovation, Führung, Agilität und Change-Management. E-Paper 10/2020 che. Es versteht sich von selbst, dass niemand wirklich auf kreative Weise Ideen für innovative Verbesserungsprozesse entwickeln kann, wenn ihm der Blick aufs große Ganze fehlt. Dies ist zudem nur dann möglich, wenn die Mitarbeiter der einzelnen Abteilungen auch untereinander vernetzt sind. Um die fachübergreifende Zusammenarbeit zu optimieren, sollte auch die räumliche Trennung der Abteilungen aufgehoben werden. Gleiches gilt für den internen Wettbewerb und die individuelle bzw. silobezogene Incentivierung. Die verschiedenen und zumeist widersprüchlichen Ziele der verschiedenen Abteilungen sind sicherlich einer der Hauptgründe, warum häufig die Zusammenarbeit nicht funktioniert. Ziel sollte vielmehr sein, dass sich die Angestellten als Teil eines großen Teams verstehen, das sich gemeinsam dafür einsetzt, das Unternehmen voranzubringen. Um diesen Gedanken auch nach außen zu transportieren, sollten Abteilungsbezeichnungen auch von Visitenkarten und aus der Signatur verschwinden. Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern, sollten Mitarbeiter, die die gleichen Kunden haben, in regelmäßigen Meetings zusammenkommen, um sich auszutauschen, gemeinsame Ziele zu definieren und Lösungen für etwaige Probleme zu erarbeiten. Für die Arbeit in cross-functional Teams muss den Mitarbeitern auch ausreichend Zeit eingeräumt werden. Um Mitarbeiter verschiedener Bereiche miteinander bekannt zu machen und den interdisziplinären Austausch zu fördern, können gezielt Aktionen gestartet werden – etwa ein „Mystery Lunch“, bei dem Mitarbeiter zufallsgesteuert mit Mitarbeitern aus anderen Abteilungen essen, um sich kennenzulernen. Damit jeder weiß, was der andere tut und wohin das Unternehmen insgesamt steuert, empfiehlt sich die Einführung eines Unternehmens-Wikis oder eines Social Intranets, auf das alle Mitarbeiter zugreifen können. Die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist oftmals die Lösung eines Problems – vorzugsweise die eines Kundenproblems. Abteilungsgrenzen geraten sehr schnell in Vergessenheit, wenn Mitarbeiter die Erfahrung machen, gemeinsam mit anderen Kollegen eine effektive Lösungsstrategie entwickelt und so zum Erfolg des Unternehmens beigetragen zu haben. Als konkrete Vorgehensmethode eignet sich in vielen Fällen der „5 x 5 Teamworkshop“. Bei diesem dürfen fünf Personen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen in fünf Tagen fünf Geschäftsexperimente mit einem Budget von fünftausend Euro entwerfen. Die Umsetzung darf nicht länger als fünf Wochen dauern. Ziel des Workshops sollte sein, erhebliche Einsparungspotentiale zu identifizieren oder entsprechendes Wachstum zu generieren. Haben sich die interdisziplinären Teams unternehmensintern erfolgreich aufgestellt und einen konstruktiven Weg der Zusammenarbeit gefunden, kann man noch einen Schritt weitergehen und auch Kunden und Lieferanten mit dazunehmen. Dazu werden die bestehenden Teams um die entsprechenden Mitarbeiter von Lieferanten und Kunden erweitert. Etwaige Probleme oder Ziele können so aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und gemeinsam eine möglichst effektive Lösungsstrategie entwickelt werden. Insgesamt kann festgehalten werden, dass durch die Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit nicht nur die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter, sondern auch die Zufriedenheit der Kunden deutlich gesteigert werden kann. ó

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