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E-Paper 04_2021 Der grosse Aufbruch

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung.

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08 E-Paper 4/2021 © infarm_Market_Interior_by_xoio / Public Domain CleanTechs made in Germany – Konzepte für die Zukunft „Green Economy“ – ein weitläufiger Begriff für mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen. Umweltschutz wird immer präsenter, viele Unternehmen müssen sich daher neu positionieren. Doch welchen Anteil tragen sie wirklich bei, um die bevorstehende Klimakrise effektiv zu bekämpfen? Welchen Beitrag leisten deutsche Unternehmen dabei? Status Quo der deutschen Cleantech-Branche Eine aktuelle Studie der Fox Corporate Finance GmbH zeigt, dass die Wagniskapitalbeteiligungen in saubere Technologien innerhalb der EU 2010 eine Milliarde Euro betrugen. Im letzten Jahr konnte dieser Wert verfünffacht werden. Investitionen in nachhaltige Tech-Unternehmen boomen – Tendenz steigend. Deutschland mischt im EU-weiten Vergleich vorne mit, 197 Venture Capital-Investitionen im Jahre 2020 ergeben Platz 2 hinter Großbritannien. Die meisten deutschen Cleantechs sind im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Vor allem die Energiequelle Wasserstoff soll in Zukunft vom Staat noch stärker gefördert werden. Dadurch soll ein weiterer Schritt in Richtung klimaneutrale Wirtschaft gemacht werden, vor allem Stahlkonzerne spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese Projekte können dazu beitragen, jährlich mehrere Millionen Tonnen CO2 einzusparen. „Green Start-Ups“ – 7 Cleantech-Unternehmen im Aufwind Die Twaice Technologies GmbH aus München gilt als spannender Akteur im Bereich der E-Mobilität. 2018 gegründet, beschäftigt sich das Unternehmen mit der Entwicklung und Optimierung von Lithium-Ionen-Batterien. Mithilfe einer künstlichen Intelligenz werden Leistung und Alterung des Batteriezustandes prognostiziert. Somit können komplexe Batteriesysteme effizienter, nachhaltiger und zuverlässiger gestaltet werden. Twaice ist führender Anbieter im Bereich Batterie- Analytiksoftware für globale Unternehmen des Mobilitäts- und Energiesektors. Die Kerntechnologie der Münchner ist dabei der digitale Zwilling: Eine Software, E-Paper 4/2021

09 E-Paper 4/2021 mit welcher es gelingt, den Übergang zu einer emissionsfreien Mobilität und einer grünen Energieversorgung zu beschleunigen. Carbmee unterstützt Unternehmen mittels einer prozessorientierten Software dabei sich zu dekarbonisieren. Namhafte Unternehmer wie Gisbert Rühl oder Alexandra Morton sind an Board. Im Gegensatz zum bisherigen Anwendungsfeldern hilft carbemee insbesondere dabei, die Emissionen in der Wertschöpfungskette zu verringern anstatt die sie lediglich zu kompensieren. Dies ist insbesondere im Kontext der stetig ansteigenden C02-Preise eine wertvolle Lösung für Branchen wie die Automobil- oder Pharmaindustrie sowie den Anlagen- und Maschinenbau. Das Startup fokussiert sich gerade noch auf die DACH-Region, möchte später aber auch international expandieren. Carbmee wurde von Christian Heinrich und Robin Spickers gegründet. Das Berliner Unternehmen infarm verfolgt einen nachhaltigen Ansatz beim Konsum von Gemüse. Dafür wurde ein modulares Farming-System entwickelt, bei dem Kräuter und Salate sowohl in Supermärkten als auch an urbanen Standorten gezüchtet werden können. Eine Cloud-basierte Plattform analysiert dabei Daten bezüglich der Züchtung der einzelnen Pflanzen, wodurch die Wachstumsprozesse optimiert, angepasst und verbessert werden können. Die Kombination aus Big Data, IoT- und Cloud-Analytik beschert infarm ein rasches globales Wachstum. Mittlerweile betreiben die Berliner mehr als 570 Farmen weltweit. Neben Europa, wo sich der Großteil der Farmen befindet, konnten auch Standorte in Asien und Nordamerika vom nachhaltigen Konzept überzeugt werden. Weltmarkführer für flüssige organische Wasserstoffträger ist die Hydrogenious LOHC Technologies GmbH aus Erlangen. Die entwickelte Technologie, welche die Speicherung von Wasserstoff in Öl ermöglicht, schafft eine sichere und effiziente Handhabung in bereits vorhandenen Kraftstoffinfrastrukturen. Für Anwendungen wie der Wasserstoffbetankung, der industriellen Wasserstoffe oder der Sektorkopplung ergeben sich dadurch vielfältige Vorteile. Derzeit baut Hydrogenious im Chempark Dormagen die weltweit größte Anlage für die Einspeicherung von grünem Wasserstoff in flüssige organische Träger. Das bayerische Unternehmen konnte seine Systeme bereits in Europa und den USA etablieren und arbeitet derzeit am Markteintritt in China. Smart Home gewinnt immer stärker an Bedeutung, die dezentrale Steuerung funktioniert unkompliziert und schnell. Der Tado GmbH aus München ist es gelungen, im Bereich der smarten Thermostate sich als Markführer in Europa zu positionieren. Durch ein entwickeltes intelligentes Heiz- und Kühlsystem gelingt es, den häuslichen Energieverbrauch um bis zu 31% zu senken. Zudem sind die Produkte herstellerunabhängig, funktionieren mit allen gängigen Typen von Heizanlagen sowie mit den meisten Herstellern von Heizkörpern und Klimaanlagen. Die Steuerung des Raumklimas erfolgt dabei über die unternehmenseigene App, Anpassungen können somit ortsunabhängig eingestellt werden. Die Next Kraftwerke GmbH aus Köln betreibt eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas und gehört somit zu den führenden Anbietern im nachhaltigen Strombedarf. Gewerbliche und industrielle Stromverbraucher sowie Stromspeicher und Stromproduzenten wie Biogas-, Wind- und Solaranlagen werden über ihre zentrale Plattform vernetzt. Mit ihrer Software NEMOCS ermöglichen es die Kölner ihren Kunden, dezentrale Energieerzeuger und -verbraucher zu vernetzen und so unterschiedliche Einsatzszenarien zu realisieren. Lithium stellt den essenziellen Rohstoff für den Ausbau der Elektromobilität dar. Die Nachfrage steigt stetig und die EU unterstützt die Pläne zum Ausbau massiv. Was derzeit jedoch fehlt sind Lithium-Produktionsstätten innerhalb Europas. Zumeist wird Lithium aus China oder Südamerika importiert. Das Unternehmen Rock Tech Lithium möchte das ändern – und plant den ersten Lithium- Konverter innerhalb Europas. Der Konverterbau in Deutschland soll dazu beitragen, den Standort Europa unabhängiger zu machen und die EU bei der Erreichung der Klimaziele zu unterstützen. Rock Tech will sich in Zukunft als strategischer Partner für die Elektrofahrzeug- und Batteriespeicherindustrie positionieren und als transparenter und kostengünstiger Lithiumhydroxid-Produzent europaweit agieren. Fazit Die Cleantech-Branche boomt– das Investitionsvolumen steigt jährlich und grüne StartUps sind gefragter als je zuvor. Deutschland hat sich in Europa bereits erfolgreich positioniert und kann mit internationalen Big Playern mithalten. Bei gleichbleibender Innovationskraft und staatlicher Unterstützung wird der deutsche Cleantech-Markt auch in Zukunft weitere Bereiche revolutionieren können. ó

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