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Buch 25 Jahre Großer Preis des Mittelstandes

Großer Preis des Mittelstandes, 25 Jahre

1995 – 2000 Idee und

1995 – 2000 Idee und Start 18 Offenbar würde der Entertainer Gunther Emmerlich den Preis aus „weißem Gold (Porzellan)“ am liebsten selbst behalten. 600 Gäste folgten der Einladung zur Preisverleihung 1996. Da gab es viel zu tun für das Personal im Treff-Hotel Leipzig-Paunsdorf. „Als Unternehmer müssen Sie doch täglich Risiken eingehen!“, antwortete ihm Petra Tröger. „Entscheiden Sie sich! Eines kann ich Ihnen versprechen: Sie bekommen einen attraktiven gemeinsamen Ballabend. Gönnen Sie Ihrer Mutter und Ihren Mitarbeitern etwas Gutes, damit die sich noch stärker mit Ihrer aufstrebenden Firma identifizieren. Bereits die Nominierung für diesen Preis ist eine Auszeichnung, die nur wenige erhalten. Und die Kontakte zu anderen erfolgreichen Unternehmen, die Sie an diesem Abend gewinnen können, sind der eigentliche Gewinn.“ Die meisten Teilnehmer dieser Abende verzichten auf solche Fragen und gönnen sich bewusst auch die Spannung, bis zuletzt nicht zu wissen, wie die Jury entschieden hat. Sie sind zu Recht selbstbewusst genug, um weder neidisch noch hämisch reagieren zu müssen, wenn sie selbst nicht unter den Preisträgern sind. Sie sind souverän genug, um zu wissen, dass der eigentliche Gewinner des jährlichen Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ der unternehmerische Mittelstand als Ganzes und damit auch jeder einzelne Unternehmer ist. „Mitleid bekommt man geschenkt – Neid muss man sich verdienen“, sagt ein altes Sprichwort. Das gilt auch für die Preisträger des Wettbewerbes „Großer Preis des Mittelstandes“. In den allermeisten Fällen erfuhren die Preisträger jedoch ehrliches Mit-Freuen, ehrliche Begeisterung, Kraft und motivierende Anerkennung. Einige von ihnen wurden vom Fernsehen zu Talkshows eingeladen, andere bat man, Ehrenämter zu übernehmen. Viele erhielten Glückwunschschreiben von ihren Kommunen, Kammern, Landesregierungen. Repräsentativ für den Mittelstand Was den Initiatoren anfangs vorschwebte, ist Realität geworden. Der „Große Preis des Mittelstandes“ hat sich zu einer geachteten Auszeichnung entwickelt. Die Preisträger jedes Jahres repräsentieren die ganze Breite des unternehmerischen Mittelstandes. Alle Branchen, vom Baubetrieb über den Einzel- und Großhandel bis zur Hightech-Schmiede sind vertreten, ebenso alle Rechtsformen von der Einzelfirma über GmbHs und Genossenschaften bis zur Aktiengesellschaft. Es sind kleine Firmen mit nur zehn bis 20 Mitarbeitern dabei, und große Mittelständler, die über 1.000 Arbeitsplätze aufgebaut haben. Existenzgründer, die mindestens drei Jahre Marktbewährung hinter sich haben müssen, finden sich unter den Preisträgern genauso wie über 100 Jahre alte Unternehmen, die – sich ständig erneuernd – alle Kriege, Krisen und den Wechsel von Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen überleben konnten. 1999, zehn Jahre nach dem Fall der Mauer, im 50. Jahr der Bundesrepublik, fanden die fünften Oskar-Patzelt- Stiftungstage statt. Und zwar erneut mit Innovationen. Die Resonanz auf den Wettbewerb war ungebrochen hoch und weiter wachsend. Im Kuratorium der Oskar-Patzelt-Stiftung wurde deshalb entschieden, den Wettbewerb und die Auszeichnungsgalas um eine Landesebene zu erweitern. Deshalb gab es von nun an nicht nur einen, sondern gleich vier Preisverleihungen und Mittelstandsbälle. Fortan gab es Gala- Abende auf Länderebene und einen abschließenden Bundesball. Sonderpreise für Rahmenbedigungen So wie der Mittelstand nicht ohne Banken existieren kann, braucht er auch auf kommunaler, auf Landes- und bundespolitischer Ebene gesunde Rahmenbedingungen. Um diese Rahmenbedingungen wird in Deutschland seit jeher eifrig diskutiert und bisher noch immer viel zu wenig gehandelt. Seit 1999 sucht die Oskar-Patzelt-Stiftung daher nach Persönlichkeiten, die sich auf bundespolitischer Ebene besonders engagiert für mittelständische Interessen, für die Sicherung der Existenz- und Wachstumsbedingungen mittelständischer Unternehmen einsetzen. Als erster Politiker erhielt der damalige FDP-Generalsekretär Dr. Guido Westerwelle 1999 diesen Sonderpreis. Auch die Oskar-Patzelt-Stiftung selbst erweiterte ihre Arbeitsstrukturen. Der Unternehmerbeirat und ein Wissenschaftlicher Beirat wurden eingerichtet. Und auf der Ebene der regionalen Servicestellen wurde mit jährlichen Workshops für nominierte Unternehmen begonnen. Der thüringische Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel zitierte 1999 in seinem Grußwort Winston Churchill: „Manche sehen im Unternehmer einen räudigen Wolf, den man erschlagen muss. Andere sehen in ihm eine Kuh, die man immer melken kann. Und nur wenige erkennen in ihm den Gaul, der den Karren zieht. Ich bekenne“ setzte Vogel fort, „ich gehöre der dritten Gruppe an. Deshalb bin ich heute Abend hier!“ Mit der Auszeichnung hervorragender Unternehmen den Mittelstand als Ganzes zu ehren, ihm einen Großen Preis zu widmen, das stieß auch in weiteren Bundesländern zunehmend auf Resonanz. Im Jahr 2000 wurde stellvertretend für die alten Bundesländer die Reaktion in Hessen getestet. Auf nach Hessen Wer Unternehmen für den Wettbewerb nominiert, verknüpft auf einfachste Weise Wirtschaftsförderung mit Regionalmanagement. Die Nominierungen sind ein Instrument der Öffentlichkeitsund Führungsarbeit gegenüber der Man sieht es den Gesichtern an: Preisverleihungen der Oskar-Patzelt-Stiftung sind einfach zauberhaft! Wirtschaft, den Medien, der Bevölkerung und den eigenen Mitarbeitern. „Gesunder Mittelstand – Starke Wirtschaft – Mehr Arbeitsplätze“. Das ist die Botschaft, die die Oskar-Patzelt- Stiftung popularisiert. Nicht nur auf Bundesebene, auch auf kommunaler Ebene ist die Ermutigung zu mittelstandsfreundlichem Handeln notwendig. Erstmals im Jahr 2000 wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ ein Bürgermeister oder Landrat gesucht, der in seinem Verantwortungsbereich durch besonders mittelstandsfreundliche Politik den Unternehmens- und Arbeitsplatzbestand sichern und vermehren konnte. Der erste Preisträger dieses Sonderpreises war Siegfried Deffner, damals Bürgermeister der bayerischen Stadt Gersthofen. Durch permanente und sensible Mittelstandspolitik befreite er die Stadt aus der Abhängigkeit eines Großbetriebes, stoppte den Wegzug seiner Bürger und erreichte stattdessen ein ständiges Wachsen der Einwohnerzahl. Die Stadtkasse war gut gefüllt. „Die Stadt ist ein Unternehmen, und die Bürger sind die Aktionäre.“ 19

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