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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Zwei Querdenker legen

Zwei Querdenker legen nach Wirtschaft PT-MAGAZIN 4/2016 34 Das dritte Buch von Weik und Friedrich ist da. Es trägt den Titel „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“. Die beiden Ökonomen, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich haben eben ihr drittes Buch veröffentlicht. Sie möchten aufklären und Fehler unseres Systems offen beim Wort nennen. Ihre zwei vorherigen Bücher liefen wie geschnittenes Brot. Dr. Helfried Schmidt, Chefredakteur des PT-Magazins, traf in einem exklusiven Interview auf die beiden Querdenker. Dr. Schmidt: Sie stehen doch sicher auf der schwarzen Liste von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble? Matthias Weik: (Mit einem Lächeln.) Wie meinen Sie das? Dr. Schmidt: Weil Sie den Euro, den die beiden nach wie vor als „alternativlos“ retten wollen, in Bausch und Bogen verreißen. gal, Spanien und Italien mit Drachme, Escudo, Peseta und Lira wesentlich besser als heute mit dem Euro. Die Länder hatten einerseits eine wesentlich niedrigere Arbeitslosen- und Verschuldungsquote und andererseits eine wesentlich höhere Industrieproduktion. Heute liegen die Länder wirtschaftlich gesehen am Boden und wir opfern eine ganze Generation in Südeuropa, um ein gescheitertes Währungsexperiment am Leben zu erhalten. Dennoch können die Länder sich günstiger verschulden denn je – das ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn. Wir können nur hoffen, dass Frau Merkel und Herrn Schäuble bewusst wird, dass Geld, das man retten muss, kein Geld ist und man nicht Schulden mit immer neuen Schulden bezahlen kann. dass unser Geld- und Finanzsystem sich im Endstadium befindet. foto by christian stehle Matthias Weik: Ja, das kann gut sein. Im Gegensatz zu Merkel und Schäuble sind wir eben keine Dogmatiker sondern Realisten. Es wird jedoch der Tag kommen, an dem die beiden erkennen werden, dass nichts alternativlos ist und der Euro Europa nicht eint, sondern trennt und unseren Wohlstand vernichtet. Keine Währungsunion hatte bisher bestand. Der Euro ist gerade mal süße 15 Jahre jung, liegt aber schon seit mehreren Jahren auf der Intensivstation und wird nur mit enormen Geldspritzen künstlich am Leben erhalten. Dr. Schmidt: Können Sie ein Beispiel geben? Marc Friedrich: Vor der Einführung des Euros ging es den Ländern Südeuropas wie beispielsweise Griechenland, Portu- Dr. Schmidt: Ihr prägendes Erlebnis war 2001 der Staatsbankrott in Argentinien. Aber man kann doch das unterentwickelte Argentinien auch im Crash nicht mit dem Musterschüler Deutschland vergleichen, oder? Marc Friedrich: Die Symptome sind immer gleich und die Parallelen momentan erschreckend. Die Auswirkungen sind auch immer dieseleben. Nicht der Staat geht Pleite sondern die Bürger. Man sollte sich folgendes vor Augen führen: Deutschland ist seit Jahren Exportweltmeister, hat Rekordsteuereinnahmen und eine Rekordbeschäftigungsquote und trotz allem schaffen wir gerade mal eine „schwarze Null“ und können keinen Cent Schulden zurückzahlen. Wie können wir es dann von den Krisenländern erwarten. Das sollte uns verdeutlichen, Dr. Schmidt: Was genau ist neu an Ihrer Aussage, dass dominierender Finanzkapitalismus „ganz schlechter Kapitalismus“ sei? Sagen das nicht fast alle linke und rechte Gegenwarts- und Kapitalismuskritiker von Sahra Wagenknecht bis Heiner Geissler? Matthias Weik: Uns geht es darum, auf die brenzlige Lage aufmerksam zu machen, die sich immer weiter zuspitzt. Durch die Deregulierung im Finanzbereich wurde ein Dauerkrisenmodus gestartet der nicht mehr aufzuhalten ist. Eine Krise nach der anderen bricht über uns herein. Wir sagen, dass Krisen sogar gewollt sind. Noch nie wurden die Reichen in wenigen Jahren reicher und noch nie konnten unter dem Schutzmantel der Krise demokratisch fragwürdige Gesetze und Rettungspakete verabschie-

foto by christian stehle Die beiden Bestsellerautoren Matthias Weik und Marc Friedrich haben gerade ihr neues Buch „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ veröffentlicht. det werden. Der perfekte Raubzug! Haltlose und zum Teil auch kriminelle Spekulation hat nicht erst seit 2008, sondern über mehrere Dekaden ein nachhaltiges Wirtschaften im Interesse der Menschen verdrängt. 0,1 Prozent der Weltbevölkerung besitzen über 80 Prozent des weltweiten Finanzvermögens. Dies ist nicht bloß ›ungerecht‹ – was eher ein moralisches (und damit tendenziell unlösbares) Problem wäre sondern brandgefährlich. Durch die außerordentlich ineffiziente Allokation von Kapital entstehen Armut und vor allem Krisen. Finanzkapitalismus ist schlicht und einfach ganz schlechter Kapitalismus, denn er verteilt das globale Investitionskapital, die Mittel zur Finanzierung aller öffentlichen Güter, sowie die verfügbaren Einkommen auf die denkbar schlechteste Weise. Über neun Zehntel des Geldes auf der Welt kursieren ausschließlich innerhalb des Finanzsektors. Es ist in einem Maße, das selbst Marx sich in seinen kühnsten Albträumen nicht hätte ausmalen können, »Geld heckendes Geld«. Ohne längere Umwege in die Realwirtschaft von Gütern und Dienstleistungen produziert es in der Sphäre reiner Spekulation regelmäßig Klumpenrisiken und Kreditblasen gigantischen Ausmaßes. Gewiss, das macht wenige Reiche auf dem Papier zunächst reicher. Einige geradezu pervers reich. Dr. Schmidt: Wieso sollte es die Aufgabe des Kapitalismus sein, „Wohlstand fair und nachhaltig zu verteilen“? Ist es nicht vielmehr so, dass die Verteilung originäre Aufgabe der Gesellschaft ist? Und ist es nicht so, dass es keinem Wirtschaftssystem gelungen ist, soviel zum Verteilen zu produzieren wie dem Kapitalismus? Marc Friedrich: Wir sind überzeugte Kapitalisten. Ohne Zweifel, hat kein System so viel Wohlstand auf die Welt gebracht wie der Kapitalismus. Vor 1800 lebten über 80 Prozent der Menschen in Armut und wurden oftmals keine 40 Jahre. Seitdem ging es permanent aufwärts. Das Problem ist, dass der pervertierte Finanzkapitalismus den Realkapitalismus gekapert hat und aussaugt. Wenn wir jetzt nicht eingreifen, wird das System gegen die Wand fahren und in einem Riesendesaster enden. Ein jedes System muss einen Mehrwert für die breite Masse liefern sonst schafft es sich selber ab bzw. wird von der unzufriedenen Mehrheit abgeschafft. Wessen Aufgabe sollte es denn sein? Welcher Gesellschaft? Ohne Zweifel ist es Aufgabe des Staates, dass jeder seine Steuern bezahlt – auch internationale Großkonzerne – und das Steueroasen endlich ausgetrocknet werden. Matthias Weik: Zweifellos produzieren wir unvorstellbar viel zum Verteilen. Dennoch verteilen wir offensichtlich immer weniger. Acht Jahre nach der Lehman-Pleite ist definitiv klar: Die Ultrareichen sind die ganz großen Gewinner des auf Pump erreichten Aufschwungs. Die derzeit reichsten 62 Menschen der Welt, besitzen zusammen genauso viel wie die 3,5 Milliarden ärmsten Menschen – das ist absolut irrsinnig. 2010 besaßen 388 Menschen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, 2014 waren es noch 80. Die vier erfolgreichsten Hedge- Fonds-Manager verdienten im Jahr 2015 zusammen 6,1 Milliarden Dollar. Auch in der absoluten Reichen-Champions- League zeichnet sich ab, dass sich immer mehr Reichtum in den Händen immer weniger Menschen befindet. Die 62 Hyperreichen konnten ihren Wohlstand innerhalb der letzten fünf Jahre um knapp 500 Milliarden Dollar auf 1,76 Billionen Dollar steigern, das sind 1,61 Billionen Euro. Das heißt, dass die 53 Männer und neun Frauen heute 44 Prozent mehr haben als vor noch fünf Jahren. Obwohl die Bevölkerung seit 2010 um 400 Millionen Menschen gewachsen ist, schrumpfte das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung in diesem Zeitraum um etwa eine Billion US-Dollar. Dies entspricht einem Rückgang von 41 Prozent. Viele haben durch die Krise ihre Häuser, Wohnungen, ihr Erspartes und ihre Arbeit verloren. Mit Recht können wir behaupten, dass der Titel unseres 2012 erschienenen Buches »Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden« noch immer brandaktuell ist. Dr. Schmidt: „Warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ ist der Untertitel Ihres Buches. Wen meinen Sie mit „wir“? Die 5,8 Millionen Menschen, die auf irgendeiner Ebene des Staats beschäftigt sind oder die 4,3 Millionen Selbständigen? ˘ Wirtschaft PT-MAGAZIN 4/2016 35

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