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PT-Magazin_06_2016

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Wirtschaft

Wirtschaft PT-MAGAZIN 6/2016 © Jan Kobel 54 Bauten für die Ewigkeit Ein Plädoyer für ökologisches Bauen mit Lehm und Holz. Keine Bauweise hält länger, keine Bauweise ist flexibler in der Nutzung und sie fasziniert die Menschen weltweit. Wir sprechen von Fachwerk. Fachwerk besteht aus einem tragenden Holzgerüst und Füllungen, den Gefachen. Sie haben dem „Fachwerk“ seinen Namen gegeben, ebenso wie der „Wand“, in der sich Strohlehm um das Holzflechtwerk „windet“. Entwickelt im 13. Jahrhundert gibt es bis heute unter den mehr als zwei Millionen Gebäuden allein in Deutschland eine nennenswerte Anzahl von Häusern, die seit 750 Jahren durchgängig bewohnt und genutzt werden. Diese Häuser erzählen Geschichten. Unsere moderne Bauweise aus Stahl und Beton hat nicht einen Bruchteil dieser Perspektive. Fachwerkhäuser funktionieren seit Jahrhunderten und allein das qualifiziert sie für eine lange Nutzung auch in Zukunft. Eine der spezifischen Bauphysik dieser Gebäude entsprechende Sanierung ist ein attraktives und lohnendes Geschäft. Beispielhaft illustriert schildern wir die Geschichte und die hohe Qualität dieser Baukonstruktion am preisgekrönten Stadthaus in Arnstadt. Das Gebäude hat in fünf Jahrhunderten mehr als 10 sehr verschiedene Nutzungen erfahren und ist heute als kleines Ökohotel so attraktiv wie eh und je. Fachwerk Wenn wir von Fachwerk reden (siehe oben), dann reden wir nie von reinen Holzhäusern, die haben nämlich kein Gefach. Mehrheitlich wurden die Gefache aus Stroh-Lehmgemisch auf einem hölzernen Flechtwerk errichtet. Selten gab es auch schon von Beginn des Fachwerkbaus die Nutzung von getrockneten Lehmsteinen und auch mit gebrannten Ziegeln wurde gearbeitet, wenn man sich diese leisten konnte und wenn sie verfügbar waren. Es gibt Steinhäuser mit Fachwerkanteilen und pure Fachwerkhäuser. Fachwerk ist eine mitteleuropäische Spezialität und den größten Schatz existierender Fachwerkbauten gibt es in Deutschland. Von hier aus haben frühe Auswanderer die Technik auch nach Amerika mitgenommen. Fachwerk entstand überall dort, wo Bauholz günstig zu beschaffen war, sei es aus dem Wald vor der Tür oder auf Flüssen geflößt. Vorort musste es Lehm geben, das ist der zentrale Grund für die Bauweise in weiten Teilen Mittel- West und Nordeuropas. Die verwendete Holzart richtete sich nach der Verfügbarkeit, es wurde frisch (nicht getrocknet) verarbeitet, abgebrochene Gebäudeteile wurden oft integriert. Fachwerkbau ist wohl die einzige Bauweise der Welt, der seit seiner „Erfindung“ im 13. Jahrhundert auch als Profanbau vielfach seit Jahrhunderten durchgängig bewohnt wird und der geeignet war, alle Veränderungen seiner Bewohner mitzumachen. Selbst Steinhäuser schaffen es nicht in so großer Zahl, weil ihre partielle Renovierbarkeit schadhafter Teile weit schwieriger ist, als das bei einer Fachwerkkonstruktion der Fall ist. Auch das ist ein Argument für Fachwerk. Die Flexibilität und die Haltbarkeit von Fachwerkgebäuden lassen modernes Bauen alt aussehen. Kaum ein modernes Objekt aus unseren zeitgenössischen Baustoffen hat die Chance, die nahezu unbeschränkte Haltbarkeit von Holz und Lehm zu überleben. So sind Fachwerkbauten ökologisch und ökonomisch keine nostalgische Bauweise der Vergangenheit, sondern sie haben bei guter Pflege eine lange Zukunft. Pfarrhof 1 Das unser Beispielobjekt Geschichte hat, davon zeugt schon seine Adresse Pfarrhof 1. Das Haus in Arnstadt ist dem Autor gut bekannt und es ist vergleichsweise gut dokumentiert (u.a. Wikipedia, Stadthaus Arnstadt). Die Bauleute und Eigentümer sind Judith Rüber und der Fotograf Dr. Jan Kobel. Sein hervorragender Bildfundus rundet die Quellenlage ab. Heute beherbergt das Objekt ein Hotel für Individualisten und Liebhaber ökologischen Komforts und gesunder sowie genussvoller Lebensweise (www. stadthaus-arnstadt.de).

Das Stadthaus Arnstadt ist ein denkmalgeschütztes Ensemble der ehemaligen Möller’schen Handschuhfabrik, einem Fachwerkhaus von 1582/1697 und einem Fabrikgebäude von 1903. Die Gebäude liegen am Pfarrhof 1 im historischen Kern der Bachstadt Arnstadt direkt gegenüber dem ehemaligen frühgotischen Franziskanerkloster, heute Oberkirche. In den Stadthäusern der Handwerker, Händler oder Ackerbürger der gewachsenen Europäischen Stadt des Mittelalters, der Renaissance und des Barock fielen Arbeiten, Wohnen, öffentliche Funktionen und Logis in der Regel zusammen. Nach einer Epoche der industriellen Nutzung knüpfen die heutigen Nutzer wieder an diese Funktionsvielfalt an und bringen das auch mit dem Namen Stadthaus Arnstadt zum Ausdruck. Baugeschichten Über einem wahrscheinlich bis zu 150 Jahre älteren, großen Gewölbekeller entstand 1582 nach einem verheerenden Stadtbrand ein dreigeschossiges Fachwerkhaus im Stil der Renaissance mit einer großen und hohen Eingangshalle mit kassettierter Decke, einer repräsentativen Bohlenstube und mit Blumenornamentik bzw. Diamantmuster bemalten Decken im 1. Obergeschoss. Der Bauherr war Cuntz Friedrich, in den Quellen als Ökonom bezeichnet, wie man damals die Landwirte nannte. Im Portal des Kellerabgangs sind seine Initialen zusammen mit dem Steinmetzzeichen und dem Erbauungsjahr verewigt. Das Gebäude, seine Details und seine Geschichte sind exemplarisch für Bauweise und Nutzung, die seit dem 13. Jahrhundert Mitteleuropa erobert. Der Autor sucht noch nach der Antwort auf die Frage, warum erst im 13. Jahrhundert der Fachwerkbau der uns bekannten Art auftaucht. Schließlich hat die Menschheit Zeit ihrer Existenz mit Holz und Lehm gebaut und Pfostenbauten waren vor Beginn der Fachwerkära weit verbreitet. Hier werden Pfosten in die Erde gesteckt, die der Konstruktion den Halt gaben. Das ist auch der Grund dafür, warum keine historischen Pfostenhäuser erhalten sind. Das Tragwerk verrottet, die Häuser fallen zusammen und die Baustoffe Holz und Lehm gehen wieder in den Kreislauf © Jan Kobel alles irdischen ein. Erst mit dem Beginn des Fachwerks mit der in sich stabilen Holzständerkonstruktion die in der Regel auf einem Fundament aus Stein steht hat sich das gravierend geändert. Diese Bauweise wurde zur haltbarsten und flexibelsten Bauweise überhaupt, flexibel in allen Bedeutungen des Wortes, wie noch gezeigt werden wird. Stockwerkbau Das Stadthaus in Arnstadt ist ein Stockwerkbau, der sich seit dem frühen 16. Jahrhundert mehr und mehr durchsetzt. © Claytec Willhardt Brandgefährdete Dächer beim mittelalterlichen Fachwerkbau (LVR-Freiluftmuseum Kommern) Beim Stockwerkbau haben die Ständer nur die Höhe einer Etage und werden durch ein Rähm (einen Querbalken) abgeschlossen. Der Stockwerkbau hat den bis dahin verbreiteten Geschossbau abgelöst, bei dem die Ständer der Außenwand vom Gebäudesockel bis zum Dachansatz reichen. Die Balkenlagen sind eingeschossen, sie sind in die Ständer eingezapft. Der Geschossbau erinnert noch an die Tradition Pfostenbauten, denn hier wie dort war die Höhe der Gebäude durch die Länge der verfügbaren Baumstämme begrenzt. Das hat sich mit dem Stockwerkbau geändert, es konnte kürzeres Bauholz verwendet werden und die Gebäude konnten viele Etagen bekommen. Noch heute stehen aus dieser Zeit viele Häuser mit fünf und mehr Geschossen. Einen wesentlichen Teil ihrer Flexibilität erhalten Fachwerkhäuser durch ihre Konstruktion eines in sich geschlossenen statischen Verbundes. Alle Holzteile werden miteinander verzapft und die Zapfen mit Holznägeln gesichert. Das bringt Stabilität und gleichzeitig eine dem Material adäquate Beweglichkeit, einerseits für das meist ungetrockenet verarbeitete Holz, andererseits um der heterogenen Konstruktion die Möglichkeit zur Ausdehnung zu geben. An die Haltbarkeit dieser Konstruktion reicht kein moderner Balkenschuh der Welt heran. Fachwerkhäuser sind damals wie auch heute im zeitgenössischen Holzständerbau Bausätze. Alle Ständer, Rähm und Bänder wurden historisch auf einem Abbundplatz bearbeitet und auf Länge gebracht. Alle Teile wurden mit so genannten Abbundzeichen ˘ Wirtschaft PT-MAGAZIN 6/2016 55

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