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P.T. MAGAZIN 06/2014

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Ziel verfehlt Mit seiner

Ziel verfehlt Mit seiner Berichterstattung über die Ereignisse in der Ukraine wollte das Nachrichtenmagazin „Monitor“ einen Volltreffer landen, doch der Schuss ging vollends daneben Grafik: J. Schulz / OPS Netzwerk GmbH Gesellschaft 10 Krieg in Europa. Die Ereignisse in der Ukraine lassen die deutsche Öffentlichkeit zunehmend ratlos zurück. Doch nicht nur der Informationskampf zwischen Moskau und Kiew ist dafür verantwortlich … auch deutsche Medien haben sich eingeklinkt. Das ARD-Politmagazin MONITOR, bekannt für Skandalberichte, veröffentlichte am 10. April 2014 eine Aufsehen erregende Reportage. Tenor: Während der Revolution auf dem Kiewer Maidan im Februar habe „möglicherweise“ eine dunkle Verschwörung stattgefunden … für die 104 getöteten Demonstranten sei nicht nur der damalige Präsident Janukowitsch verantwortlich, da es „zahlreiche Hinweise gibt, die in Richtung Opposition weisen“. Feuer aus den eigenen Reihen? Eine Operation unter falscher Flagge? Die Schuldfrage zum Blutvergießen bleibt für die historische Aufarbeitung bedeutend, da der sich anschließende Sturz der alten Regierung am 22. Februar 2014 den Beginn des innerukrainischen Zerwürfnisses markiert. Schusskanäle nicht richtig analysiert Alle politischen Akteure und Medienvertreter haben großspurig erklärt: „Die Sache muss aufgeklärt werden, die Täter vors Gericht!“ Doch geschehen ist bis heute nichts. Zehn Wochen Recherche auf dem Maidan wird es dauern, um die Ereignisse im Detail zu rekonstruieren. Doch für die Ergebnisse interessieren sich die zuvor moralisierenden Ankläger aus dem Fernsehen dann nicht mehr – der Fokus ist auf neue, Aufsehen erregende Tatorte weitergewandert. Spurensuche auf der Fährte der Spurensucher. In der MONITOR-Sendung mit dem Titel „Todesschüsse in Kiew – wer ist für das Blutbad vom Maidan verantwortlich“, ist die ARD-Fernsehmannschaft nachts hinter dem „Hotel Ukraina“ im Zentrum der Hauptstadt auf Erkundungstour. Hier prallten Polizei und Demonstranten damals aufeinander. Der ukrainische „Waffenexperte Sergej“ präsentiert im Film die Streifschüsse an den Bäumen neben der Institutskaja- Straße. O-Ton: „Er zeigt uns mit einem Laser, dass es nicht nur Schusskanäle aus Richtung der Regierungsgebäude gibt. Einige Kanäle in den Bäumen deuten in die entgegengesetzte Richtung, wenn man durch Austrittsloch und Einschussloch leuchtet, oben ins Hotel Ukraina, damals die Zentrale der Opposition.“ Was Herr Sergej tatsächlich äußert, ist nicht zu hören. In jedem Fall ist die Behauptung jedoch unzutreffend: Kleines Eintrittsloch, ausgefranster Austritt – letztere zeigen unisono in Richtung Hotel. Und mithilfe eigenen Ausleuchtens sind selbst die Einschläge in der Wand auszumachen. Insgesamt 28 Treffer sind in der näheren Umgebung zu sehen – 27 von ihnen verweisen auf die Polizei als Urheber, auch der von MONITOR präsentierte Schusskanal. In den getroffenen Metallpfählen entlang der Straße sind die Durchmesser einiger frontal aufgeschlagenen Projektile gut abzulesen: Zwischen 9 und 15 mm, in der Regel 12,5 mm. Nur ein einziges durchschlug den Metallrahmen auf beiden Seiten. Durch das Loch in etwa zwei Metern Höhe ist die Herkunft zu erblicken: Der Abschuss erfolgte vom Balkon der Nationalbank, 140 Meter weiter. Einzig ein drei mal sieben Zentimeter weites Loch in einer Kastanie auf der anderen Straßenseite weist auf die Opponenten – höchstwahrscheinlich ein Treffer mit einem im Ostblock populären Kaliber-12-Bleigeschoss eines Jagdgewehrs. Mithilfe eines Lichtzeigers (Laserdiode) ist der Ursprung erkennbar: Aus der Richtung des Hotels, allerdings vom Boden, wo die mit Schutzschilden bestückten Aktivisten hockten. Hier setzt MONITOR mit seiner Argumentation fort, und zeigt Ausschnitte aus einem „Video, das augenscheinlich beweist, dass der Oppositionelle mit dem Metallschild von hinten getroffen wird“ – also aus dem „Hotel Ukraina“. Carsten Bothe, früher Ausbildungsoffizier bei der Jägertruppe der Bundeswehr, kommentiert auf Nachfrage: „Daran wie ein Getroffener fällt, kann man nicht die Herkunft des Schusses ablesen.“ Selbst Blut spritze für normal in beide Richtungen. Im von MONITOR gezeigten Filmbeitrag sei jedoch zu erkennen, dass das Projektil „eindeutig von vorne“ gekommen sei – und das anhand des Trichters im Metallschild. Auf dem Maidan findet sich dazu keine einzige Schutzplatte mit einem „Innen-Treffer“. Auch die im Bericht gezeigten Fotos von Maidan- Aktivisten „mit professionellen Waffen“ lässt Bothe nicht gelten: Es handele sich um Luftgewehre, „das ist Kinderspielzeug, hier frei ab 18 Jahren, damit kann man keinen Menschen erschießen, die haben selbst in der Export-Version nur rund 35 Joule Energie, für den menschlichen Körper braucht man 80 bis 200 Joule.“ Des Rätsels Lösung – Metallkugeln, keine Projektile, verletzten zahlreiche Polizisten Ungenaue Übersetzung führte in die Irre Unwissenheit und schlechte Recherche sind das eine. Bewusste Desinformation das andere. Besuch im „Krankenhaus Nr. 6“ von Kiew. Offiziell arrangiert werden konnte das Treffen mit Dr. Oleksander Lisowoi nicht. Die Behörden lassen Journalisten mit Nachfragen nach den Februarereignissen mittlerweile im Regen stehen. Es gelingt, den Arzt nach Feierabend abzupassen. Er erinnert sich an die Filmaufnahmen mit der deutschen Fernsehmannschaft in der Abteilung. Doch dass er „einer der wenigen Ärzte, der die Verwundeten beider Seiten versorgt hat“ wäre, dementiert er sofort. Am 20. Februar, dem blutigen Donnerstag, habe er ausschließlich Polizisten behandelt, sagt Dr. Lisowoi. Eine P.T. MAGAZIN 6/2014

Über den Autor Billy Six ist freier Journalist und Buchautor. Als Korrespondent ist er vor allem in Nahost unterwegs. In Syrien wurde er im Dezember 2012 von der Assad-Armee zusammen mit seinem Dolmetscher festgenommen und saß für zwei Monate in Haft. Krankenschwester und ein Wachmann bestätigen das: „Die Sicherheitskräfte haben hier alles abgesperrt, das wäre für einen verletzten Maidanler nicht sicher gewesen.“ Sein Wissen über die Wunden von Demonstranten, so Dr. Lisowoi, habe er von früheren Studienkollegen, die ihm entsprechende Fotos gezeigt hätten. Autorädern. Maidan-Techniker Sergej Sacharow, gelernter Elektriker, berichtet: „Zuerst haben wir einfach Schwarzpulver verpackt, gezündet und auf die Polizei geworfen. Als die auf die Idee gekommen sind, an ihre Lärm- und Blendgranaten Schrauben mit Klebeband anzuheften, und unsere Leute schwere Verletzungen davongetragen haben, sind wir dazu übergegangen, die Metallkugeln mit Klebeband an unsere Bomben zu befestigen“, so der Mann im gestandenen Durchsiebte Schutzschilde der Maidanler – kein einziger Treffer kam von hinten aus den eigenen Reihen Alter. „Je mehr Klebeband, desto mehr knallt es“, sagt Sergej. 30 bis 40 Meter weit habe ein kräftiger Mann diese Pakete schmeißen können … und wem das nicht gelang, dem seien die eigenen Wurfgeschosse um die Ohren geflogen. Dies ist auch der Grund dafür, dass diese „Kugeln“ in den Körpern beider Seiten gefunden wurden. Von einer „dritten Kraft“, die in beide Seiten geschossen habe, um die Unruhen anzuheizen, kann keine Rede sein. „Nirgendwo ein Scharfschütze gefunden“ Waffenkenner Carsten Bothe weist darauf hin, dass Ärzte im Falle eines Todesschusses durch Scharfschützen keine Projektile im Opfer gefunden hätten: „Die durchschlagen die Körper bis weit über 1.000 Meter Entfernung.“ Zeitzeugen, die von „Söldner(n), also auf jeden Fall Profis“ sprechen, die vom „Hotel Ukraina“ aus in die Menge geschossen hätten, wie es bei MONITOR heißt, sind in Kiew leicht zu finden. Beweise hat keiner von ihnen. „Deshalb“, so die stellvertretende Vertriebschefin Elena Korneva im Namen der Hotel-Leitung, „haben die Maidan-Kräfte auch sofort einen Raum nach dem anderen untersucht, zusammen mit unserem Direktor. Da wurde nirgendwo ein Scharfschütze gefunden.“ Ende einer Legende. ■ Billy Six P.T. MAGAZIN 6/2014 Der MONITOR-Schusskanal – das Projektil kam eindeutig nicht vom Hotel „Und da gab es Übereinstimmungen, was die Wunden angeht.“ Allerdings ist bereits in der von MONITOR ausgestrahlten Version zu hören, dass der Mediziner nicht von Projektilen, „pula“, spricht, sondern von „metallitschiskije schariki“, also metallischen Kugeln. Worum es sich dabei handelt, lässt sich bei Nachforschungen auf dem Maidan schnell herausfinden: Wälzkörper eines Kugellagers, entnommen aus alten Einschüsse am Laternenpfahl – alle aus Richtung Polizei Fotos: © Billy Six „Dass die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zur Ukraineproblematik auch weiterhin mit Vorsicht zu genießen ist, belegt die „Tagesthemen“-Sendung vom 20. Mai 2014. In einem Bericht über den Tod zweier Anwohner in Krasnoarmeysk wurden fälschlicherweise die pro-russischen Separatisten als Verantwortliche benannt. Erst durch Eingaben von ARD-Zuschauern wurde der Fehler aufgedeckt, für den Tagesthemen-Moderator Thomas Roth in der Sendung am 01.Oktober 2014 offiziell um Entschuldigung bat. Im Zuge der wachsenden Kritik der Zuschauer an der ARD-Berichterstattung, hat sich auch der ARD-Programmbeirat mit dem Problem befasst und bewertet zahlreiche Beiträge aus der Krisenregion als „einseitig“, „mangelhaft“ oder auch „tendenziös“. Die ARD räumt offiziell Mängel ein, gibt aber zu bedenken: „Die Kriegsberichterstattung bleibt eine der schwierigsten journalistischen Herausforderungen.“

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