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P.T. MAGAZIN 06/2012

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

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Gesellschaft Das Mephisto-Prinzip Hongkong verdankt seinen Aufstieg staatlichem Desinteresse Der junge britische Kolonialoffizier John Cowperthwaite machte sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Weg nach Südostasien. Er war vom britischen Empire abgeordnet worden, die Beamten in Hongkong beim Aufbau einer Verwaltung zu beraten. Die Stadt empfing ihn mit schwüler, stinkender Hitze; auch was er sah, dämpfte seine Euphorie: Infrastruktur und Wirtschaftsleben waren von der japanischen Besatzungsmacht gründlich ruiniert worden. Zu allem Überfluss wurde die Stadt vom kommunistischen Festland her durch Flüchtlingswellen überrannt. Der Lebensstandard entsprach in etwa dem von Ghana. Doch Hoffnungen auf Entwicklungshilfe und Kredite brauchte sich niemand zu machen: England hatte mit sich selbst genug zu tun. Alle Weichen für Armut, Elend und Ausbeutungen waren somit gestellt. An den Aufbau eines Sozialsystems dachten die Engländer noch nicht einmal im Traum. Motto: Was geht uns die Armut von Chinesen an? Cowperthwaite unternahm in seinem neuen Amt, was ihm am einfachsten schien: nichts. Das Erfolgsrezept Doch alsbald machte er eine überraschende Feststellung: Die chinesische Bevölkerung wusste sich ganz gut ohne Ratschläge oder Vorschriften der Engländer zu helfen. Es ging wirtschaftlich deutlich bergauf. Cowperthwaite wurde dafür mit dem Aufstieg zum leitenden Sekretär für die Finanzen der Stadt belohnt. Er fasste den klugen Entschluss, sein Erfolgsrezept beizubehalten: Er tat auch weiterhin nichts. Nur die absolut nötigsten Rahmenbedingungen wurden geschaffen: ordentliche Gerichte, Vertragsrecht, ein paar einfache Gesetze, eine strenge, nicht allzu korrupte Polizei. Cowperthwaite vermied strikt bürokratische Einmischungen in das Wirtschaftsgeschehen. Er untersagte seinen Beamten sogar, das Bruttosozialprodukt zu ermitteln, weil er befürchtete, die Zahlen könnten Neid erwecken oder sonst wie Arbeit machen. Er verzichtete auf Zölle und interessierte sich nicht dafür, wie viel Geld ins Land kam oder hinausging. Glücksfall Desinteresse Weil er die Menschen einfach machen ließ, stieg Hongkong auf. Selbst die sich überlegen dünkende Kolonialmacht Großbritannien wurde von Hongkong abgehängt und folgt abgeschlagen. Die Leistung Hongkongs kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Von seinen Bewohnern abgesehen, besitzt die 6 P.T. MAGAZIN 6/2012

(Foto: trvlto/flickr.com) Stadt keine Rohstoffe, selbst Wasser muss importiert werden. Es herrscht außerdem große Enge, in Hongkong leben auf einem Quadratkilometer rund 6.500 Menschen. Das „Laisser-faire“ („Machenlassen“) der Engländer, ursprünglich aus schnödem Desinteresse geboren, erwies sich für die Hongkong-Chinesen somit als historischer Glücksfall. Für historisches Pech sorgten die Engländer bei sich selbst: Sie gingen nach dem Krieg mit großem Einsatz daran, ihre heimatliche Wirtschaft und Industrie durch staatliche und gewerkschaftliche Fürsorge zu vernichten, was weitgehend von Erfolg gekrönt war. Nur zwei einfache Steuern Ganz anders in Hongkong: Hier gab es nur zwei bescheidene und einfach zu erhebende Steuern: 15 Prozent auf das Bruttoeinkommen des Einzelnen und 16,5 Prozent auf Unternehmensgewinne. In Hongkong gingen nicht einmal 18 Prozent des Bruttoinlandsproduktes durch staatliche Hände. Die Einnahmen genügten für den Bau von Straßen, eine bescheidene Infrastruktur und Schulen. Die Bildungseinrichtungen erfreuten sich größten Zuspruches, weil die Jugend wusste: Ohne Abschluss landest du auf der Straße. Hongkong gab nicht einmal 1,2 Prozent seines Staatshaushaltes für Sozialhilfe oder Subventionen nichtprofitabler Betriebe aus. Nicht erstrebenswert Die Stadt ist kein Hort der Gleichheit, die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind sogar riesig. Die sozialen Verhältnisse in Hongkong erscheinen aus europäischer Sicht nicht unbedingt erstrebenswert. Ganz anders liegt der Fall aus der Sicht armer Länder, die 1950 in einer vergleichbaren Position starteten. Auch die untersten Schichten Hongkongs genießen verglichen mit anderen Entwicklungs- und Schwellenländern mehr Wohlstand und Freiheitsrechte. Die meisten mit hohem moralischem Anspruch gestarteten Favoriten der Dritte-Welt- Bewegung in Asien, Afrika und Lateinamerika hinterließen bestenfalls Armut, schlimmstenfalls sogar Hunger, Krieg und Völkermord - und dies trotz gigantischer Summen westlicher und östlicher Entwicklungshilfe. Liebe deinen Nächsten Fürsorge, die sich darin erschöpft, nichts zu tun, mag einen schlechten Ruf besitzen, aber sie funktioniert. Dies beweist der Vergleich der Hongkong-Chinesen mit ihren ebenso intelligenten, geschäftstüchtigen und fleißigen Brüdern und Schwestern auf dem chinesischen Festland. Getreu dem Motto „Liebe deinen Nächsten“ wurde diesen jegliche Eigeninitiative von einer bürokratischen Planwirtschaftsmaschinerie ausgetrieben. Allein die Kollektivierung der Landwirtschaft Ende der fünfziger Jahre, der so genannte „Große Sprung nach vorn“, endete mit über zwanzig Millionen Hungertoten. Das Nichtstun ist schwer Die Erfolgsgeschichte von Hongkong gilt heute als Lehrbuchbeispiel für die segensreiche Wirkung staatlichen „Laisser-faire“ und die Eigendynamik nur wenig regulierter Gesellschaften. Doch die Tugend des Machenlassens ist unter den Bürokraten und Politikern erstaunlich unterentwickelt. Gerade 6/2012 P.T. MAGAZIN 7

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