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P.T. MAGAZIN 06/2012

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

„monstre de

„monstre de Frankfurt“ Mit der Euroeinführung schien die Geschichte der Bundesbank besiegelt zu sein. Doch Totgesagte leben manchmal länger. Gesellschaft Deutsche Bundesbank vom MAIN TOWER aus gesehen (Foto: Wikimedia/cc-3.0/Dontworry) 1996 erlebte ich den damals 90-jährigen Börsenguru André Kostolany. Er konnte zwar nur noch langsam mit dem Stock zum Podium gehen, aber dann begeisterte er mit seinen markigen Sprüchen das Publikum. „Ich werde immer wieder gefragt, ob es einen Euro geben wird. Die Antwort ist: Nein! Und zwar deshalb, weil keiner der Banker in den nationalen Zentralbanken seinen Job verlieren will!“ Der Guru irrte Wie so oft in seinem Leben irrte Kostolany. Noch in seinem Todesjahr 1999 wurde die Europäische Zentralbank gegründet. Damit war scheinbar die Existenz der nationalen Notenbanken besiegelt. Die Deutsche Bundesbank verlor ihre Gestaltungshoheit und die Deutungshoheit darüber, was eine gute Währungspolitik ist. Aber eben nur scheinbar. Der ehemalige Financial-Times-Korrespondent David Marsh, profunder Kenner der Materie, schrieb in einem Handelsblatt- Special am 7. September diesen Jahres: „Jetzt wird sich das alte, nur scheinbar auseinandergefallene Reich des deutschen Geldwesens wieder zurückmelden. Für die einen ist es ein Schreckgespenst, für die anderen ein Hoffnungsschimmer, vielleicht aber auch die logische Folge der jetzigen europäischen Geldpolitik: Die Bundesbank wird wieder auferstehen.“ Das entspricht dem Selbstverständnis des 44-jährigen Chef-Bundesbankers Jens Weidmann. Im Bundesbank-Magazin im Sommer definierte er den eigenen Anspruch: „Ich [würde] nicht sagen, dass wir ,nur' eine von 17 Notenbanken sind. Wir sind die größte und wichtigste Notenbank im Euro-System und haben auch einen weiter gehenden Anspruch als manch andere Notenbank im Euro- System." Standhaftes „NEIN“ Denn Weidmann hat sich mit seinem „NEIN“ zum Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder durch die Europäische Zentralbank EZB zwar scheinbar in eine Minderheitenposition manövriert. Doch „Die Hauptcharakterzüge der von den Franzosen einst als "monstre de Frankfurt" gefürchteten Institution erweisen sich als erstaunlich widerstandsfähig. Die Zuspitzung der Euro-Krise, die Balkanisierung der europäischen Bankenmärkte und die Wiederentdeckung der Inflationsgefahr verleihen der Bundesbank neue Kraft.“ prognostiziert Marsh. Frankreich misstraute der Deutschen Bundesbank seit jeher. Marsh zitiert als Beleg den damaligen Vizepräsidenten der Bundesbank Otmar Emminger: „Die Franzosen [wollen] unter allen Umständen die ihnen unheimliche deutsche Währungspolitik möglichst bald an die Kette legen ... All dies wird letzten Endes in der Praxis doch darauf hinauslaufen, dass ... die Inflation monetaristisch harmonisiert wird.“ Offizielle Schriften der Banque de France polemisierten in den 70er-Jahren gegen „die Tyrannei der D-Mark“. Französischer Widerstand Die politische Unabhängigkeit der Bundesbank war weltweit einmalig. Ihre Erfolge bei der Stabilisierung der D-Mark konnten sich nach zwei Hyperinflationen im Deutschland des 20. Jahrhunderts sehen lassen. Der ehemalige Präsident der EU-Kommission Jacques Delors bewunderte: „Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank.“ Das gefiel nicht jedem. Der französische Sozialist Francois Mitterand hatte seine Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung von der Einführung einer Gemeinschaftswährung abhängig gemacht. Aber er wollte sie nicht am Modell der Bundesbank ausgerichtet wissen: „Die Bundesbank ist gänzlich der Einflussnahme der Regierung entzogen ... Dass die Notenbank in Ermangelung einer politischen Behörde über souveräne Macht verfügt, halte ich für gefährlich. Das Europäische Währungssystem ist bereits eine deutsche Zone. Über unsere Volkswirtschaft hat die Bundesrepublik Deutschland keine Verfügungsgewalt. Mit der [Europäischen] Zentralbank hätte sie sie.“ Mitterand hatte Recht. Wer das „Primat der Politik“ über das Grundgesetz stellen wollte, der konnte bei der Bundesbank nicht punkten. Für sie ging Geldwertstabilität immer über Regierungsstabilität. Wie Marsh schreibt, verloren drei Kanzler der Nachkriegszeit ihr Amt aufgrund kreditpolitischer oder geldwertstabilisierender Maßnahmen der Bundesbank: Ludwig Erhard (1966), Kurt-Georg Kiesinger (1969) sowie Helmut Schmidt (1982). Kohl contra Pöhl Natürlich konnte diese stete Auseinandersetzung zwischen Bundesbank und 10 P.T. MAGAZIN 6/2012

David Marsh ■ Der ehemalige Financial-Times- Korrespondent David Marsh kennt alle Bundesbankpräsidenten der letzten 30 Jahre persönlich. Im Handelsblatt veröffentlichte er am 7.9.2012 den mehrseitigen Essay „Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg der Deutschen Bundesbank“. (Foto: Privat) Politik nicht immer erfolgreich sein. 1990, nachdem Frankreich und die anderen Alliierten der Wiedervereinigung zugestimmt hatten, ging es um die Frage der Einführung der D-Mark in der DDR. Bundeskanzler Helmut Kohl wollte Wählerstimmen und favorisierte daher einen „politisch korrekten“ Wechselkurs zwischen D-Mark und Ostmark. Bundesbankchef Karl Otto Pöhl und sein damaliger Vize Helmut Schlesinger wussten, dass damit zwar aktuell das Vermögen der Ostdeutschen „geschont“ würde, aber die Wirtschaft überfordert werden würde. Denn die Reste der DDR-Industrie würden zusammenbrechen. Auf den Westmärkten waren diese Betriebe meist wettbewerbsunfähig. Und ihre bisherigen Kunden in den osteuropäischen Märkten konnten nicht in harter D-Mark zahlen. Ohne Kunden mussten die Betriebe Pleite gehen. Dennoch setzte sich Kohl durch. Pöhl trat später zurück. Die Geschichte gab ihm Recht: Tausende vermeidbarer Konkurse mit circa eine Million zusätzlicher Arbeitsloser und volkswirtschaftlichen Folgekosten in Höhe von Dutzenden Milliarden D-Mark hätten in der ehemaligen DDR verhindert werden können, wäre die Politik damals dem Rat der Bundesbank gefolgt. Bezahlt werden muss immer „Es gehört zur Wahrheit“, schreibt Marsh im Handelsblatt, „dass die Bundesbank trotz glänzenden Prestiges verschiedentlich in die falsche Richtung gelaufen ist. Der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer (1993-99) etwa hatte zwar in zahlreichen Reden vor der Einführung des Euros auf schwierige Anpassungen für Problemländer hingewiesen, die ihre Kosten nach dem Festlegen der einheitlichen Wechselkurse innerhalb der Euro-Staaten nicht unter Kontrolle halten könnten. Niemand in der Bundesbank besaß jedoch die notwendige Fantasie zu konstatieren, dass solche Entwicklungen zu Staatsbankrotten führen könnten, die das Schicksal Deutschlands als wichtigstes Gläubigerland direkt betreffen würden. … Die finanzpolitischen Risiken der wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen Staaten wie Griechenland und Spanien auf der einen Seite und Deutschland oder den Niederlanden auf der anderen Seite einer Währungsunion wurden lange Zeit auch von der Bundesbank und ihren leitenden Köpfen nicht für wichtig gehalten. Vergessen wurde, dass die Leistungsbilanzdefizite der Problemländer irgendwann und von irgendwem finanziert werden mussten. Otmar Issing … der als erster EZB-Chefökonom seine Stelle bereits 1998 antrat, verbarg einige Jahre seine naturgemäße Skepsis über das Experiment der Währungsunion und entdeckte sie erst wieder, nachdem er in den Ruhestand getreten war. Da war es zu spät.“ Die Zukunft ist immer offen. Niemand weiß, welche heute unvorhersehbaren Ereignisse und Entwicklungen morgen schon den Lauf der Dinge ändern können. Doch für geldpolitische und währungsstabilisierende Maßnahmen, inflationäre wie deflationäre Entgleisungen der Wirtschaftssysteme zu vermeiden, ist eine starke Bundesbank mit einem mental in sich ruhenden, geradlinigen, wertkonservativen, top ausgebildeten und strategisch wie taktisch klugen Jens Weidmann an der Spitze eher eine Gewähr als ein gelddruckender politisch korrekter EZB-Chef. ■ Helfried Schmidt Neues Produktions- und Kompetenz-Center für Naturstein in Köhra Showroom Qatar „Germany hawks by Saxony“: Fusion von 6 Firmen unterschiedlicher Gewerke, welche Ihre Leistungen im arabischen Raum anbieten Bearbeitung und Lohnschnitt von: Natur- und Kunststein, Stahl, Edelstahl, Glas, Keramik, Kunststoff u.v.m. Preisträger 2012 Stein-Wegener GmbH – Schmiedestr. 36c – 04683 Belgershain/Köhra Tel.: 0342 93/47 47 0 – Fax.:0342 93/32 48 5 – stein-wegener@t-online.de 6/2012 – www.stein-wegener.de P.T. MAGAZIN 11

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