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PT-Magazin 05 2020

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Meilensteine.

06 Gesellschaft Gehirn

06 Gesellschaft Gehirn 4.0 oder Generation Unser analoges Hirn in digitalen Zeiten – eine Annäherung © www.piqsels.com Ob selbstverständliche Standards oder neue Angebote – wie wir sie gerade alle erleben – zu virtuellem Teamwork oder digital classrooms: Was macht das mit unserem Gehirn? Stichworte wie “digitale Demenz” machen die Runde. Angeblich ist unsere Konzentrationsspanne geringer als die eines Goldfischs. Das Rad zurückdrehen möchte niemand. Was bleibt, sind allerdings wichtige Fragen: „Wie gehen wir am besten mit der Digitalisierung um, damit wir davon profitieren können?“ und „Gibt es die Möglichkeit, nicht trotz, sondern durch digitale Tools schneller, konzentrierter – und ausgeglichener im Sinne der Work-Life-Balance – zu sein?“ Dieser Beitrag soll den Einfluss der Digitalisierung auf das Gehirn – aus neurowissenschaftlicher Sicht – beleuchten. Früher war alles ... einfach anders! Erinnern Sie sich noch an die ausufernden Urlaubserzählungen von Freunden mit Dias? Diese Teile, die man als Vorbereitung mühsam eingerahmt hat und die rettungslos durcheinander waren, wenn die Box einmal runtergefallen ist. Gut für den, der die Dias vorher durchnummeriert hatte. Heutzutage ist das nicht mehr vorstellbar – wir sind im Zeitalter der Digitalisierung angekommen. zurechtkommen? Dazu ist es wichtig, einige Basics über das Gehirn zu kennen: Prinzipiell ist unser Gehirn extrem wandelbar und anpassungsfähig. Es ist zu grandiosen Leistungen fähig, wenn es richtig benutzt wird. Wichtig dafür ist erst einmal die Grundversorgung: Die richtigen Nährstoffe und genügend Flüssigkeit. Ausreichend Getränke über den Tag verteilt und eine ausgewogene Ernährung stellen die wichtige Basis für einen konzentrierten und fokussierten digitalen Alltag dar. Wenn unser Gehirn gut funktioniert, schüttet es Botenstoffe und Hormone in den richtigen Maßen aus, um uns am Leben zu erhalten und uns mit unserer Umwelt interagieren zu lassen. So sorgt zum Beispiel Serotonin dafür, dass wir uns wohl fühlen und guter Stimmung sind. Wenn wir ins Tun kommen wollen, brauchen wir Dopamin, dessen Ausschüttung unter anderem durch körperliche Bewegung angeregt wird. Glückshormone, sogenannte Opioide, schütten wir aus, wenn wir ein Ziel erreicht haben. Diese sind allerdings sehr kurzlebig, die Wirkung verpufft rasch. Dann brauchen wir wieder Dopamin, um ein neues Vor- Und dann kam die Digitalisierung In der einfachsten Definition bedeutet Digitalisierung die Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate, also vom schönen bunten Dia zu Nullen und Einsen. Das Diapositiv oder Fotonegativ als Bild auf unserem Smartphone – beliebig zu bearbeiten, zu kopieren und zu verschicken. Tonbandaufnahme und Schallplatte genießen wir in digitaler Form als MP3-Format auf unseren mobilen Geräten, von welchen wir sie jederzeit und überall abhören können. Der Übergang von der analogen in die digitale Welt ging rasant vor sich. 1969 war die Geburtsstunde des Internets, 2003 gilt schon als Startpunkt des digitalen Zeitalters. Damals gab es geschätzt bereits mehr Daten im digitalen als im analogen Format. Schließlich Google, der Touchscreen am I-Phone, Messenger-Dienste wie WhatsApp und jetzt autonom fahrende Autos, 3D-Druck und Alexa. Die Digitalisierung macht vor keinem Lebensbereich halt. Kurz gesagt: Die digitalen Vorzüge haben die allermeisten von uns schon längst in ihr Leben integriert. Ob Basics wie Telefonspeicher, Navi oder Kalender im Smartphone – das Leben ist in diesem Sinne bequemer geworden. Wir müssen uns nichts mehr merken, weil wir alles ständig dabei und griffbereit haben. Gehirn-Basics Kann unser Gehirn als circa zwei Millionen Jahre altes, analoges Steinzeitgebilde überhaupt mit der Digitalisierung

07 Goldfisch? haben anzugehen. Allerdings speichert unser Gedächtnis die Erinnerung an die schönen Gefühle der Glückshormone, weshalb wir immer wieder danach streben. Ein wichtiger Faktor für die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns ist der Stresslevel, dem wir unterliegen. Mäßiger Stress macht uns konzentriert und aufmerksam. Wenn der Stress hingegen zu viel wird, werden wir vergesslich und unkonzentriert. Sehr starker Stress über lange Zeit schädigt gar das Gehirn. Wobei „starker Stress“ und „lange Zeit“ extrem unterschiedlich ausfallen – manches Gehirn steckt jahrelangen extremen Stress gut weg, wogegen andere Gehirne und deren Besitzer nach wenigen Wochen direkt auf den Burnout zugehen. Wer auf sich selbst und die Signale hört, die ihm sein Körper und damit sein Gehirn sendet, kann meist ganz gut einschätzen, was zu viel ist und wie viel Stress er noch ohne Schaden aushält. Unser Gedächtnis schließlich arbeitet umso besser, je mehr wir es nutzen. Es ist allerdings schnell überlastet. Die meisten Eindrücke des Tages nehmen wir gar nicht bewusst wahr, nur ein Bruchteil schafft es in unser Bewusstsein. Dann müssen noch viele Faktoren stimmen, damit wir Fakten langfristig abspeichern. Das sind zum Beispiel neben dem schon genannten richtigen Hormoncocktail und mäßigem Stresslevel auch Interesse, vorhandenes Wissen sowie die richtige Dosis an Informationen, die unser Gedächtnis aufnehmen soll. Digitalisierung und Gehirn – geht beides zusammen? Wie bekommen wir jetzt die Digitalisierung und unser Steinzeithirn zusammen? Kann das funktionieren? Die Antwort gleich vorneweg: Ja, es kann funktionieren.˘

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