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PT-Magazin 05 2020

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Meilensteine.

44 Wirtschaft Mit

44 Wirtschaft Mit Maschinendaten zur optimierten Produktion Welche Rolle spielt es für mittelständische Familienunternehmen ein eigenes Startup auszugründen und aufzubauen? Was können andere mittelständische Unternehmen von diesem Beispiel lernen? Wie können verarbeitende und produzierende Unternehmen ihre Maschinendaten nutzen, um ihre Produktion zu optimieren? Ein Gespräch mit Fabian Kapp über Mittelstand, Zukunftsgestaltung und sein High- Tech-Start-up. PT-Magazin: Im Jahr 2021 feiert die Gräbener Maschinentechnik GmbH & Co. KG ihr 100-jähriges Firmenjubiläum. Wie häufig muss man als Hidden Champion sein Unternehmen in 100 Jahren transformieren? Kapp: In diesen hundert Jahren hat sich unser Unternehmen mehrfach gewandelt und musste sich stets und ständig dem Wandel des Marktes stellen. Wir haben uns in diesen Jahren von einem einfachen Fertiger zu einem innovativen Sondermaschinenbauer weiterentwickelt. Als Familienunternehmen nehmen für uns – trotz der Corona-Krise – neue Technologien eine sehr große Rolle ein. Als Maschinenbauer ist es unsere Aufgabe, uns mit neuen Technologien, wie zum Beispiel Wasserstoff und Industrie 4.0, zu beschäftigen, deren Chancen zu erkennen und nutzbar zu machen. Zukunft gestalten durch ein Mittelstands-Start-up PT-Magazin: Und hindert Sie als Hidden Champion nicht jetzt Corona bei der Zukunftsgestaltung? Kapp: Als Sondermaschinenbauer sind wir weltweit tätig – besonders in Asien und den USA. Als exportorientiertes Unternehmen müssen wir – wie alle anderen Unternehmen auch – dieser Corona-Krise trotzen. Dies tun wir, indem wir einerseits Prozesse optimieren und Strukturen schlank halten und andererseits in neue Technologien und potentielle Wachstumsmärkte kontinuierlich investieren. Wir gehen dabei auch neue Wege in der Zukunftsgestaltung: So haben wir 2019 die fabforce GmbH & Co. KG aus der Gräbener Maschinentechnik ausgegründet und aufgebaut. Die fabforce als Start-up ist unser Einstieg in die Digitalisierung, um hier schneller und flexibler auf neue Trends zu reagieren! PT-Magazin: Warum hat Ihr 100jähriges Familienunternehmen ein eigenes Startup gegründet? Kapp: Die Gräbener Maschinentechnik hat eher eine robuste, mittelständisch geprägte Unternehmens- und Prozesskultur. Um den Wachstumsmarkt Industrie 4.0 erschließen zu können, werden neben der Ingenieurskompetenz viele neue Kompetenzen, wie zum Beispiel aus dem Bereich der Datenwissenschaften und der Softwareentwicklung, benötigt. Darüber hinaus herrscht in diesem Bereich ein anderes Mindset, speziell wenn es darum geht, wie, wo und wann gearbeitet wird. Daher haben wir uns dazu entschlossen, ein eigenes Start-up für die Erschließung des neuen strategischen Geschäftsfelds auszugründen und aufzubauen. Das Start-up kollaboriert mit der Gräbener Maschinentechnik, geht jedoch unabhängig seinen Weg. PT-Magazin: Was ist denn das Besondere an Ihrer Industrie-4.0-Lösung? Kapp: Unsere fabforce-Spezialisten rüsten Maschinen mit der notwendigen Technik aus und finden die ungenutzten Potenziale in den Datenmengen der Fertigung der Kunden. Gemeinsam analysieren wir mit Anwendern die vorliegenden Prozessdaten und integrieren individuelle Auswertealgorithmen. Wir bieten eine Systemplattform die Maschinenanbindung, Datenhandling, flexible Auswertung und die Visualisierung der PT-MAGAZIN 5 2020 bema Saug-Kehrdüse Vielseitig einsetzbar IN EINEM ZUG: KEHREN, SAUGEN & SAMMELN Ab Herbst 2020 mit bema Kippcontainer in verschiedenen Kombinationen www.kehrmaschine.de Silbermedaille 2019 Silbermedaille 2019 bema_Saug-Kehrduese-Kippcontainer_196x94mm_4c_Master.indd 1 06.07.2020 14:57:46

PT-MAGAZIN 5 2020 Daten schnell und ohne großen Aufwand ermöglicht. So entstehen neue Einblicke in Fertigungsprozesse. Potenzial von Maschinen wird sichtbar, welches bisher verborgen lag. PT-Magazin: Wie erfolgt bei Ihnen die Anbindung der Maschinen? Kapp: In den meisten Maschinen ist bereits umfangreiche Sensorik verbaut. Sie regeln und steuern die Prozessabläufe, aber sie werden nur im hier und jetzt verwendet. Allerdings verstecken sich in der Gesamtbetrachtung auch wertvolle Infos zum Prozess: In welchen Bereichen schwankt die Maschine? Gibt es Muster abhängig von Randbedingungen? Wir bieten die Möglichkeit über verschiedene Schnittstellen an diese ungenutzten Daten zu gelangen. In den meisten Fällen ist dies ohne Zusatzhardware möglich – wenn nicht können wir dennoch helfen. PT-Magazin: Wie strukturieren und speichern Sie denn Ihre Daten? Kapp: Natürlich lassen sich Maschinendaten auch in Exceltabellen auf den Kundenservern ablegen. Aber dies führt zu einer Menge Speicheroverhead und vor allem Aufwand. Und wer kümmert sich darum, dass alle Dateien richtig abgelegt werden und wie lange sie vorgehalten werden? Unsere Systemlösung mit entsprechenden Datenbanken übernimmt diese Funktion und durch die Art und Weise wie wir mit den Daten umgehen, benötigen wir wesentlich weniger Speicherplatz, um entsprechende Daten abzuspeichern. PT-Magazin: Und wie werden die Daten ausgewertet? Kapp: Es gibt viele sinnvolle und auch unsinnige Möglichkeiten Daten auszuwerten. Wir wollen keine Kornkreise in den Daten erkennen, die Dinge beschreiben, die schon bekannt sind. Da wir nicht nur auf Mathematik, sondern auch auf Ingenieurswissen zurückgreifen, haben wir immer den Blick darauf, was die relevanten technischen Zusammenhänge sind und wie sie mathematisch zusammenhängen. Ein Maschinensystem lässt sich nicht wie ein Online-Einkaufskorb auswerten. Hier sind andere Ansätze nötig. Als Startpunkt hilft häufig eine statistische und visuelle Aufbereitung von Daten, die mehr Transparenz bringt. So entsteht ein Überblick auch über große Produktionschargen. Aus diesen Informationen können dann im zweiten Schritt Parameter und Algorithmen abgeleitet werden, die Prozesse zielgenau überwachen. Ganz nebenbei entstehen Werkzeuge, die neue Perspektiven aufzeigen, Prozesse langfristig zu optimieren oder Rückschlüsse auf Ausgangsmaterial zulassen. PT-Magazin: Welche Hürden sehen Sie, warum manche Industriebetriebe nicht auf Predictive Maintenance oder Condition Monitoring setzen oder Ihre Digitalisierung vorantreiben? Kapp: Digitalisierung. Industrie 4.0. Die Worte sind das Problem! Denn solche „Wolkenworte“ zeigen keine konkreten technische Wege auf, die eine kaufmännische Investition begründen. Die erste große Hürde bildet für Unternehmen häufig die Anbindung von Maschinen und die Sammlung von Daten. Der Investition an dieser Stelle steht häufig die Sorge gegenüber, ob die richtige Technologie eingesetzt wird und ob sich in den Daten überhaupt Potential versteckt, das die Investition rechtfertigt. Eine Testinstallation und ein unverbindliches Erstgespräch mit einem Datenexperten reichen aus, diese Hürden zu meistern. PT-Magazin: Wo sitzen denn Ihre Data Scientists und Entwickler? Kapp: Unser Team ist über ganz Deutschland verteilt. Digitale Tools und Prozesse machen es möglich. PT-Magazin: Herr Kapp, ich danke Ihnen für unser Gespräch und Ihre unternehmerischen Impulse. ó Fabian Kapp Ist Geschäftsführer der Gräbener Maschinentechnik GmbH & Co. KG und Geschäftsführender Gesellschafter des Technologie-Start-ups fabforce GmbH & Co. KG mit Sitz in Netphen.

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