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PT-Magazin 05 2020

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Offizielles Magazin der Oskar-Patzelt-Stiftung. Titelthema: Meilensteine.

38 Wirtschaft 11 Regeln

38 Wirtschaft 11 Regeln für erfolgreiche Restrukturierungs- COVID-19 hat die deutsche Wirtschaft seit einigen Monaten fest im Griff. Ein Ende? Noch nicht absehbar. Der Shutdown hat Spuren in vielen Unternehmen hinterlassen. Allein im ersten Quartal des Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent gesunken. Für das gesamte Jahr wird ein Rückgang um 6,3 Prozent erwartet. Zahlen, die zeigen: Unternehmen müssen sich neu sortieren und anders auf die Zukunft einstellen, als sie es einmal geplant haben. Die Herausforderung: Schnell und effizient Restrukturierungsprozesse einzuleiten, um die eigene Existenz zu sichern und die Zukunftsfähigkeit zu stärken. „Wir erfahren zurzeit eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Restrukturierungsprojekten“, sagt Samir Jajjawi, Restrukturierungsexperte und Managing Partner von Aurum Interim Management, einer der führenden Interim Management Provider in Deutschland, der sich unter anderem auf das Thema „Restrukturierung“ spezialisiert hat. „Die Krise hat viele Branchen in unterschiedlichem Ausmaß getroffen. Und weil wir wissen, dass es in Krisenzeiten immer schnell gehen muss, haben wir einen Quick Check entwickelt, über den Unternehmen schnell und unkompliziert herausfinden können, wie gut sie für die Umsetzung einer Restrukturierung aufgestellt sind.“ Die Basis: eine Befragung unter 120 Interim Managern Der Quick Check basiert auf einer Restrukturierungsstudie, die Aurum Anfang 2020 aufgesetzt hat. Die Grundlage ist eine Befragung von knapp 120 Interim Managern mit umfangreichen Restrukturierungserfahrungen – geballtes Know-how also. Aurum hat aus den Ergebnissen 11 Regeln für einen erfolgreichen Restrukturierungs- und Change-Prozess formuliert, die allerdings nicht nur in der Corona- Krise Bestand haben. „Die 11 Regeln helfen, die erforderlichen Schritte für eine Restrukturierung und einige Grundsätze immer im Blick zu haben“, so Jajjawi. „Das kann Hilfe zur Selbsthilfe sein – oder aber der Anstoß dafür, sich externen Support zu holen. Denn der Erfolg einer Restrukturierung hängt entscheidend davon ab, den Prozess sauber vorzubereiten – und konsequent in die Umsetzung zu gehen.“ © Andrii Yalanskyi/Shutterstock.com Die 11 Regeln für eine erfolgreiche Restrukturierung Status quo schonungslos analysieren 1. An erster Stelle steht die schonungslos offene Betrachtung und Bewertung der aktuellen Situation über alle Unternehmensbereiche hinweg. Die zentrale Frage: Was hat die Krise verändert, wo hat sie Schaden angerichtet oder könnte gefährlich werden? Der ursprüngliche Businessplan und alle wichtigen KPIs werden dabei zu 100 Prozent auf den Prüfstand gestellt. „Ein radikaler Prozess, der aber notwendig ist“, sagt Restrukturierungsexperte Jajjawi. „Und für den alle soften und harten Fakten auf den Tisch gelegt werden sollten.“ Denn das ist die entscheidende Basis für den zweiten Schritt: 2. Gesamtunternehmerische Maßnahmen definieren Die Analyse des Status quo zeigt, wo Schwachstellen liegen. Abgeleitet daraus gilt es – in enger Anlehnung an den ggf. korrigierten Businessplan – ein Paket an Restrukturierungsmaßnahmen zu definieren. Für die Sicherung des Cash Flows könnte ein solches Paket zum Beispiel darin bestehen, Forderungsbestände zu reduzieren, Zahlungsziele zu verlängern, Warenströme zu optimieren oder Einsparpotenziale zu realisieren. „Restrukturierungsprozesse sind in den seltensten Fällen einspurig“, spricht Jajjawi aus Erfahrung. „Meist greifen mehrere Restrukturierungsmaßnahmen ineinander und laufen parallel ab.“ © Natali_ Mis/Shutterstock.com Rollen und Qualifikationen 3. bestimmen Wenn die Roadmap zur Umsetzung der Maßnahmen steht, lautet die entscheidende Frage: Welche Rollen und Qualifikationen braucht es, um den Restrukturierungsprozess erfolgreich zu implementieren? „In dieser Phase geht es darum, die Projektverantwortlichkeiten und -rollen festzulegen – z. B. die des PMO (Project Management Officer), der die Abstimmung aller Teilprojekte koordiniert. Das kann man sich wie einen Rollenplan mit Anforderungsprofilen oder wie ein Organigramm vorstellen“, erläutert Restrukturierungsexperte Jajjawi. „Entscheidend ist, dass Verantwortlichkeiten über alle Hierarchieebenen klar definiert werden.“ Eigenes Know-how kritisch 4. bewerten Die Rollen und Anforderungsprofile stehen, jetzt geht es um das „Wer kann‘s“. „Dazu sollte man prüfen, ob die eigenen Fach- und Führungskräfte Umsetzungserfahrung aus vergleichbaren Restrukturierungsprojekten mitbringen“, kommen- PT-MAGAZIN 5 2020

39 und Change-Prozesse PT-MAGAZIN 5 2020 Wie können Unternehmen die unerwarteten Herausforderungen durch die Corona-Krise managen? tiert Samir Jajjawi. „Denn nichts be- oder verhindert das Gelingen eines Restrukturierungsprozesses mehr als personelle Fehlbesetzungen.“ Ebenso wichtig ist der nächste Schritt: Fehlende Kapazitäten quantifizieren 5. Und das ist gar nicht so einfach und braucht etwas Erfahrung. Den Kapazitätenbedarf realistisch einzuschätzen ist die eine Sache, diese Kapazitäten inhouse bereitzustellen eine zweite. Denn ernst gemeinte Restrukturierungsprozesse mit Erfolgsanspruch binden Kapazitäten. „Wenn die an anderer wichtiger Stelle im Unternehmen benötigt werden, macht man unter Umständen neue Baustellen auf. Deshalb ist es ratsam, darüber nachzudenken, wo welche Kapazitäten durch externe Unterstützung ergänzt werden sollten“, erklärt Jajjawi. Konfrontiert sehen sich Unternehmen allerdings schnell mit einem Problem: Manpower, Know-how, Kapazitäten und Erfahrung reichen oft nicht aus, die dringend erforderliche Transformation einzuleiten. „Fehlendes Know-how und fehlende Kapazitäten sind die häufigsten Gründe für ein verzögertes Handeln, und das kann existenziell werden“, sagt Jajjawi. Umsetzungsgap konsequent 6. schließen Es ist darum sinnvoll, sich im Restrukturierungsprozess ganz oder in Teilen von externen Experten mit Erfahrung unterstützen zu lassen. Denn der Erfolg hängt maßgeblich von der Restrukturierungsmannschaft ab. Die Herausforderung an dieser Stelle: Klare Anforderungsprofile zu formulieren und die passgenauen Restrukturierungsexperten für das eigene Unternehmen zu gewinnen. „Was leicht und schnell gemacht klingt, ist in der Realität gar nicht so einfach“, fasst Samir Jajjawi zusammen. „Und deshalb tut sich jedes Unternehmen einen großen Gefallen, bei der Schließung des Umsetzungsgaps den fachlichen Support von Profis einzuholen.“ Neben diesen 6 Schritten haben die befragten Interim Manager aus der Restrukturierungsstudie aber auch einige Grundregeln aufgestellt, die von Unternehmen einiges abverlangen, aber für das Gelingen der Transformation sehr entscheidend sind: Mut zum tiefen Einschnitt 7. Damit ein Unternehmen gestärkt aus einem Change Prozess herausgeht, müssen meist Einsparungen auf verschiedenen Ebenen erfolgen. „Das schmerzt beizeiten, ist aber unumgänglich und oft eine Gratwanderung“, berichtet Jajjawi. „Denn es muss gelingen, das Unternehmen in seinen Kernprozessen und Grundfesten stabil zu halten – bei gleichzeitig spürbaren Reduktionen.“ Umsatz nach oben treiben 8. Parallel dazu ist es erforderlich – und das ist nicht selten eine große Herausforderung – an der Umsatzschraube zu drehen. Nur so lässt es sich schaffen, schnell aus der eventuell drohenden Abwärtsspirale auszusteigen. „Es mag auf den ersten Blick paradox anmuten, Einsparungen und Umsatzsteigerungen zur gleichen Zeit zu realisieren“, sagt Jajjawi. „Das ist es aber nicht, wenn die Konzepte stimmen.“ Immer schön flüssig bleiben 9. Das Schlimmste, das in einer Krise passieren kann, ist der Verlust der Liquidität. Die muss vom ersten Tag an gesichert sein. Ein Tagescontrolling ist in solchen Zeiten deshalb ein unbedingtes Muss. „Es gibt quasi keinen Restrukturierungsprozess, in dem nicht ein Finanzexperte mit im Team sitzt“, so Jajjawi. „Denn die Liquidität muss vom ersten Tag safe sein – oder schnell neu aufgebaut werden. Das hat höchste Priorität.“ Die Mannschaft mitnehmen und 10. motivieren Oft vernachlässigt und unterschätzt ist die interne Kommunikation. Da Restrukturierungsprozesse immer einen Change einleiten, ist es wichtig, die eigenen Mitarbeiter mitzunehmen. „Wenn sie die Change Prozesse blockieren und nicht im Daily Business unterstützen, kann das fatale Folgen haben oder gar das ganze Projekt zum Scheitern bringen“, spricht Jajjawi aus Erfahrung. 11. Mit allen Stakeholdern kommunizieren Und last but not least: In Transformationszeiten ist die Kommunikation mit relevanten Stakeholdern wie Geschäftspartnern, wichtigen Fürsprechern oder selbst Gegnern essenziell, um den Restrukturierungserfolg zu sichern. Sonst kann es auf den letzten Metern ungemütlich werden … ó Über den Autor Axel Oesterling ist Geschäftsführer und Managing Partner von Aurum Interim, einem der führenden Interim Management Provider Deutschlands. Gemeinsam mit Samir Jajjawi, ebenfalls Managing Partner von Aurum Interim und Experte auf dem Gebiet Restrukturierung, berät und begleitet er mittelständische Betriebe aus unterschiedlichsten Branchen bei der Umsetzung von Restrukturierungsund Change-Prozessen. Und vermittelt bei Bedarf umsetzungsstarke und erfahrene Interim Manager.

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