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P.T. MAGAZIN 05/2014

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Der Abgott aus Halle

Der Abgott aus Halle Weil die Maßlosigkeit der Eliten immer abstrusere Formen annahm, taumelte Europa ins Chaos. Das war 1517. Gesellschaft 10 Foto: Wikimedia Commons PD Johann Tetzel, Ablasskrämer mit „unsolidem Lebenswandel“ Foto: Wikimedia Commons PD / aiwaz.net Der Preis ist heiß: Durch illustre Darstellungen (wie hier Hans Memling „Das jüngste Gericht“) wurde das Fegefeuer zum realen Bedrohungsszenario, von dem man sich gerne freikaufte. Heute löst man das elegant über Steuern, Maut und Sonderabgaben. Es ist 500 Jahre her. Am 22. Juli 1514 weihte Erzbischof Albrecht von Brandenburg (1490-1545) die Magdalenen- Kapelle in der Moritzburg von Halle. Der Sakralbau bekam von ihm eine besondere Aufgabe zugewiesen. In den Rang einer Stiftskirche erhoben, sollte er der Aufbewahrungsort für seinen großen Reliquienschatz, das Hallesche Heiltum, sein. Albrechts Pläne waren gewaltig. Die Saalestadt wollte er zum Wallfahrtsort machen. Religiöse Kostbarkeiten waren dafür eine Voraussetzung. Das in der Burgkapelle aufgestellte und später wegen seiner Opulenz in den Dom überführte Heiltum umfasste 353 Reliquiare mit rund 22.000 Einzelreliquien, darunter sollen 42 ganze Körper von Heiligen gewesen sein, die in prächtigen Gefäßen aufbewahrt wurden. Allein der ideelle und materielle Wert der gesamten Sammlung lässt sich heute nur noch erahnen. Sobald das Geld im Kasten klingt... 1517 holte Albrecht den Dominikanermönch Johann Tetzel in die Hallenser Moritzburg, womit ein fast grenzenloser Ablasshandel begann, um die Sammelleidenschaft Albrechts – und noch einige weitere kostspielige Vergnüglichkeiten – zu finanzieren. Für Martin Luther war die Entwicklung im katholischen Halle unerträglich. Albrechts Reliquienverehrung und der Ablasshandel stieß auf seine klare Ablehnung, da nach Luthers Meinung Sünden nicht von Menschen, sondern nur durch die Gnade Gottes vergeben werden können. Empört nagelte er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg und schrieb am selben Tag noch einen Brief an Albrecht. Dort hieß es unter anderem: „Es wird im Land umhergeführt der päpstliche Ablaß unter Ew. Kurfürstlichen Gnaden Namen zum Bau von Sankt Peter. Ich will dabei gar nicht über der Ablaßprediger großes Geschrei Klage führen, das ich nicht gehört habe. Aber ich beklage die falsche Auffassung, die das arme, einfältige, grobe Volk daraus entnimmt und die jene Prediger allenthalben marktschreierisch rühmen. Denn die unglücklichen Seelen glauben infolgedessen, wenn sie nur Ablaßbriefe lösen, seien sie ihrer Seligkeit sicher...” Foto: Wikimedia Commons PD Albrecht von Brandenburg. Der Großschuldner lieferte Martin Luther ans päpstliche Messer. Auf eine Antwort des „Abgotts von Halle” wartete Luther vergebens. Albrecht hatte nichts Besseres zu tun, als Luthers Ablassthesen ohne Verzögerung nach Rom zu schicken. Nach etlichen Streitschriften und Scharmützeln – Luther beschimpfte den Papst als Antichrist – wurde Luther 1521 schließlich vom Papst exkommuniziert und mit der Reichsacht belegt. Doch die Spaltung war da, die Reformation ließ sich nicht mehr aufhalten. Und als größter Gegenspieler des Reformators trug Albrecht maßgeblich zu Luthers Verurteilung durch den Heiligen Stuhl bei. … die Seele in den Himmel springt In Halle gingen Heiligenverehrung und Ablasshandel weiter. Das Geschäft mit P.T. MAGAZIN 5/2014

Info n Sachsen-Anhalt war Luthers Zuhause und ist das Ursprungsland der Reformation. Die Gedanken der Reformation haben Europa verändert und Anhänger in der ganzen Welt gefunden. An den Originalschauplätzen der Reformation ist noch heute Luthers Leben und Wirken zu erkunden. Weitere Informationen unter www.halle-selk.de und www.luther-erleben.de dem Seelenheil lockte riesige Ströme von Gläubigen und wurde für die Bürger auch ein Wirtschaftsfaktor. „Während des achttägigen Festes zur zweiten Halleschen Heiltumsweisung 1521 konnte ein Ablass für mehr als 39 Millionen Jahre verkauft werden“, berichtet Ulf Dräger, Kustos der Stiftung Moritzburg. Die Einnahmen aus dem selbst für die damalige Zeit absurden Ablasshandel hatte Albrecht bitter nötig. Seine Sammelleidenschaft und die verschwenderische Hofhaltung verschlangen unvorstellbare Summen. Für die Pfründenhäufung forderte Papst Leo X. von ihm 24.000 Gulden. Geld lieh sich der Erzbischof im ganzen Reich. „Das Bank- haus der Fugger gab ihm gegen die Hälfte der Einnahmen aus dem Ablasshandel Kredit“, erläutert Dräger. Der Ablasshandel war für Albrecht also das lukrativste Mittel, den Verpflichtungen seiner Gläubiger nachzukommen. Als Albrecht seine Lieblingsresidenz 1541 „Funktioniert die Regierung nicht, muss das Volk regieren“ (Martin Luther) auf Druck der Stände verlassen musste, gelangte der Kirchenschatz nach Mainz und Aschaffenburg. Um Schulden zu begleichen, war er gezwungen, Teile davon zu verkaufen. Bis auf wenige Reliquien ist nichts mehr erhalten. Und die Moral von der Geschichte? Dass es ohne Moral nicht geht. Albrechts und Tetzels Ablassgaukelei war letztlich der Zunder für den 30-jährigen Krieg. An dessen Ende standen entvölkerte Landstriche und eine desolate Un-Struktur. Amtsmissbrauch, Habgier und bedenkenloses Schuldenmachen sind dennoch nicht aus der Mode gekommen. Die modernen Abgötter verbrennen genauso bedenkenlos wie vor 500 Jahren Geld. Tetzels Erlösermärchen wurden lediglich durch ein Paragraphendickicht abgelöst. Das unmündige Volk wird längst nicht mehr durch das Fegefeuer, sondern von RTL2 und Dieter Bohlens Heilsversprechen in Schach gehalten. Der Abgott ist tot. Es lebe der Abgott. ■ Luxuriöse Textilkreationen Curt Bauer GmbH Bahnhofstraße 16 | 08280 Aue Tel.: 00 49(0) 37 71/5 00-0 | Fax: 00 49(0) 37 71/5 00-270 www.curt-bauer.de | e-mail: info@curt-bauer.de

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