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P.T. MAGAZIN 05/2012

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Hitler war doch

Hitler war doch Demokrat, oder? Über einen erschreckenden Befund bei Schülern, die Demokratie von einer Diktatur nicht auseinanderhalten können Gesellschaft War Hitler ein Diktator? Die Hälfte der deutschen Jugendlichen zweifelt! – so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen zu einer Studie des Forschungsverbunds SED-Staat. Zwar gibt die Schlagzeile nicht exakt die Ergebnisse des Projekts wieder, denn es wurde nicht nach Hitler, sondern nach einer Einschätzung des Nationalsozialismus als Diktatur gefragt. Doch befremdlich sind die Befunde allemal. Die BRD ist keine Demokratie So sind 45 Prozent der Jugendlichen der Meinung, die Bundesrepublik sei vor der Wiedervereinigung de facto keine Demokratie gewesen. Für fast genauso viele Befragte stellt die DDR keine Diktatur dar. Warum auch, glaubt doch deutlich mehr als ein Drittel von ihnen, dass individuelle Menschenrechte im Nationalsozialismus, der DDR sowie der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung gleichermaßen gewährleistet waren. Zudem kümmerten sich der NS- Staat und die DDR besser um Kinder und Jugendliche als die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung. Nur heute ist alles noch besser. Zwar ist auch das wiedervereinigte Deutschland für rund 30 Prozent der Schüler keine Demokratie, trotzdem fühlen sich die meisten von ihnen hier wohl. 6 P.T. MAGAZIN 5/2012 Mehrheit der Jugendlichen lebt gern in diesem Land Sie sehen die Möglichkeit, durch Wahlen Politik mitzugestalten, die Gewährleistung von Meinungs- und Pressefreiheit, die Möglichkeit der ungehinderten Auswanderung, ja sie halten sogar ihre Mitmenschen für hilfsbereit und solidarisch. Kurzum: die überwältigende Mehrheit der Jugendlichen lebt gern in diesem Land. Dies sind einige der Ergebnisse eines dreijährigen Forschungsprojekts, das sich mit den Kenntnissen und Urteilen Jugendlicher über die deutsche Zeitgeschichte beschäftigt hat. Dazu wurden in drei Teilprojekten insgesamt 7.500 Schülerinnen und Schüler befragt. Freiheit hat keinen Einfluss auf das Wohlbefinden Einige Klassen wurden dabei mehrfach besucht, um Veränderungen des Wissens und der Einstellungen messen zu können. Neben dem Geschichtswissen sollten vor allem die Vorstellungen und Urteile erhoben werden, die die Jugendlichen von und über vier Systeme haben – den Nationalsozialismus, die DDR sowie die Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung. Es zeigt sich dabei, dass Demokratie und Diktatur, Freiheit und Menschenrechte keine Konzepte zu sein scheinen, die die Schüler in ihrem Urteil oder Wohlbefinden beeinflussen. Somit stellen sich zwei Fragen: Welches sind für die Jugendlichen die positiven Seiten des von ihnen so geschätzten wiedervereinigten Deutschlands? Und sind sie gegenüber Demokratie und Diktatur tatsächlich so indifferent, wie es scheint? Ein kulturpessimistisches Lamento Diese Fragen klingen nach einem klassischen kulturpessimistischen Lamento. Die Jugend ist desinteressiert, spielt Computer und verdummt. Im Subtext lauert dann der Untergang des Abendlandes. Und tatsächlich liefert die Studie viele Daten, die diese Sichtweise unterstützen: zu Guttenberg sei Arzt (schließlich hatte er zum Zeitpunkt der Befragung gerade Ärger wegen seines Doktortitels) und was bitte soll denn BRD und DDR heißen? Selbst wenn die Befragten schon einmal davon gehört hatten, dass Deutschland irgendwann in grauer Vorzeit geteilt war, konnten erstaunlich viele nicht angeben, ob ihre Eltern aus dem Osten oder Westen stammten. Politische Präferenzen vorhanden Doch die Studie zeigt zugleich, dass die Jugendlichen sehr wohl politische Präferenzen haben. Ihr zeitgeschichtliches Wissen mag gering sein – was ihnen allerdings missfällt, können sie sehr genau (Foto: imageworld24/pixelio.de) benennen. Das zeigt sich besonders deutlich in einem Untersuchungsteil, in dem die Befragten fünf hypothetische Staaten beurteilen sollten. Dazu wurden den Jugendlichen kurze Texte vorgelegt, die in allgemeiner Form anhand von Merkmalen wie persönlicher und politischer Freiheit oder Wohlstand unterschiedliche Staaten beschrieben. Die Schülerinnen und Schüler sollten dazu mit Hilfe von Schulnoten die Fragen beantworten, ob sie selbst gerne in dem Staat leben wollen und ob sie glauben, dass dies auch für alle anderen Menschen ein guter Staat sei. Das höchste Gut: Freiheit Das Ergebnis ist deutlich. Es besteht ein positiver, linearer Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Freiheit, das die Menschen in einem Staat genießen und einer guten Benotung durch die Schüler. Anders ausgedrückt: je freier ein Staat ist, desto besser gefällt er den Jugendlichen. Zwar gibt es auch Minderheiten, die sich für die eine oder andere Freiheitseinschränkung aussprechen, doch diese Einschränkungen müssen nach Meinung der Jugendlichen maßvoll sein. Aber von einer Mehrheit werden selbst diese vergleichsweise geringfügigen Einschränkungen abgelehnt. Diese deutliche Ablehnung unfreier Systeme und große Sympathie für freiheitliche Gesellschaften findet sich in allen beteiligten Bundesländern. Soziale Erwünschtheit, Konformität oder Protest Dass diese Werturteile schwerlich mit den zuvor über die konkreten historischen Systeme geäußerten Einschätzungen in Übereinstimmung zu bringen sind, ist nicht zu übersehen. Was aber ist daraus zu schließen? Einerseits unterstreicht dieses Ergebnis der Studie die bereits bekannte Tatsache, dass Urteile immer auch durch soziale Erwünschtheit, durch Konformität damit oder Protest dagegen geformt werden. Die FDP wählt man nicht Diese Empfehlungen stimmen auffällig häufig nicht mit dem tatsächlichen Wahlverhalten überein. Denn dieses wird eben nicht allein durch den rationalen Abgleich von Parteiprogrammen mit den eigenen subjektiven Überzeugungen gesteuert, sondern etwa auch durch Faktoren wie Parteibindung oder Verhaltensmaßregeln der Umwelt. Derzeit zum Beispiel gelten die Piraten als politische Alternative, die FDP hingegen wählt man nicht. Solche Einflüsse können einige, aber längst nicht alle Abweichungen vom „rationalen“ Antwortverhalten erklären. Dies immer gemessen an den von den Jugendlichen selbst geäußerten Präferenzen. Ein weiterer Grund für diese Diskrepanz ist das häufig geringe zeitgeschichtliche Wissen von Jugendlichen. (Grafik: Forschungsverbund SED-Staat) Während Heino aus Protest gegen den Skandalrapper Bushido seinen Bambi zurückgab, adelten Medien den „Führer spielenden“ Skandalkünstler Jonathan Meese mit Aufmerksamkeit Doch wer nichts weiß, muss glauben: an das, was die Eltern erzählen, an Mythen, Klischees und selbstgebastelte Erklärungen. Wer mehr weiß, kann adäquater urteilen Auf diese Weise wird die Berliner Mauer zu einem Bauwerk deklariert, das wahlweise von den USA oder der Bundesrepublik errichtet wurde – schließlich ist es ein verbreitetes Phänomen, dass die hartherzigen Reichen die armen Verwandten aussperren. Folglich ist es nur logisch, dass ein Viertel der Befragten davon überzeugt ist, man habe ohne Probleme aus der DDR auswandern können. Knapp die Hälfte aber glaubt, dass dies in der alten Bundesrepublik nicht möglich war. Die Studie weist einen starken Zusammenhang zwischen dem zeitgeschichtlichen Wissen und entsprechenden Urteilen nach. Wer mehr weiß, kann im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung adäquater urteilen. Vermeintlich unnützes Wissen Doch obwohl diese Erkenntnis dem gesunden Menschenverstand unmittel- 5/2012 P.T. MAGAZIN 7 (Foto: http://www.jonathanmeese.com)

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