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P.T. MAGAZIN 05/2012

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Blühende Landschaften

Blühende Landschaften Mit der Headquarterstrategie Erfolg ernten Wirtschaft (Grafik: DAVIN TAYLOR) In dem vorangegangenen Beitrag vom Februar 2012 wurde deutlich gemacht, dass in den neuen Bundesländern eine kleinteilige Wirtschaftsstruktur vorhanden ist, die es kaum erlaubt, langfristig an die Wachstumsdynamik Westdeutschlands anzuschließen. Dieser Beitrag wird sich der Frage widmen, wie die Entwicklung in den neuen Ländern im Kontext Gesamtdeutschlands einzuordnen ist. Dabei spielen die bis heute nicht überwundene Defizite eine wichtige Rolle, weshalb anschließend geprüft wird, wo die hinter dem Headquarterdefizit und auch der im Vergleich zum westdeutschen Durchschnitt unterentwickelten privatwirtschaftlichen FuE-Intensität liegenden tieferen Ursachen begründet sein können. Leading Competence Units Im Wachstumsprozess der Unternehmung ist die Entscheidung zu treffen, welche Führungsbestandteile langfristig konzentriert zu halten sind und welche zu dezentralisieren sind. Unternehmenszentralen, gerne als „Leading Competence Units (LCU)“ bezeichnet, umfassen als Systemköpfe wissensund wertschöpfungsintensive Funktionen, insbesondere im Bereich der Finanzen, der Strategie und des Operativen. Mit zunehmendem Wachstum der Unternehmung ist zu entscheiden, welche Bestandteile, die bei mittelständischen Betrieben alle in einer Zentrale liegen, möglicherweise ausgelagert werden sollen. Als Erstes wird dies mit den operativen Bestandteilen der Fall sein. Aber auch strategische Komponenten können hier benannt werden, vor allen Dingen bei diversifizierten Unternehmen, die sich dann als „Profit Center“ organisieren. Im Extremfall bleibt nur eine Finanzholding übrig, die dann nur noch über eine begrenzte Ausstrahlungskraft verfügt und oft an Standorten angesiedelt ist, die durch die hohe Repräsentanz von Finanzintermediären gekennzeichnet ist. Industrielandschaften mit hoher Ausstrahlungskraft Im Rahmen eines derartigen Wachstums prozesses werden Rechtsformen verändert werden müssen, mit Folgen für die Gestaltung interner und externer Organisationsfragen. Dies aber bedeutet, dass das Unternehmen nicht nur durch seine Anlagen, die es verbaut hat und über die wirtschaftliche Nutzungszeit betreiben will, sondern auch infolge der gewählten institutionellen Architektur in erheblichem Maße Inertia besitzt, die immer wieder überwunden werden muss. Die eingeschränkte Flexibilität begrenzt Wahlfreiheiten, auch Wachstumspotentiale. Sie hat für den Standort dann Vorteile, weil damit der Abwanderungsdrang begrenzt wird. Tatsächlich ziehen Standorte nicht nur Unternehmen an. Unternehmen verändern auch (bewusst) Standorte, erhöhen deren Qualität und schaffen damit neue Attraktivitäten, um dort überleben zu können. Würde jede interne Strukturänderung sofort in Bezug auf die Standortwahl wirksam, wäre diese Gestaltung kaum denkbar. Erst wenn Bedingungen unerträglich werden, ist Abwanderung eine glaubhafte Option. Aus diesem Grund haben sich historisch entlang von bestimmten Kompetenzen Industrielandschaften entwickelt, die, obwohl ursprünglich aus heutiger Sicht eher „ungeeignet“, inzwischen eine hohe Ausstrahlungskraft besitzen. Durch ihre Spillovers sind sie zu horizontalen Clustern geworden mit einem hohen Maß an „industrial heritage“. Gerade im mitteldeutschen Wirtschaftsraum gelang es, hieran erfolgreich anzuknüpfen. Deutschland ist ein V-Land Wirtschaftsentwicklungen verlaufen auch deshalb sehr zäh und besitzen einen langen Atem. Hinzu tritt, dass auch mentale Einstellungen, Traditionen, „Lebenswelten“ und regionale Identitäten bedeutsam sind und die Menschen an ihnen festhalten wollen; nicht nur der vorhandene Kapitalstock oder die natürlichen Bedingungen, also vor allem Rohstoffverfügbarkeiten im Sinne einer „klassischen“ Standortbetrachtung sind also relevant. Diese Beharrung hat Gutes – so leicht lassen sich strategisch gut aufgestellte Volkswirtschaften nicht aus der Bahn werfen, wenn weiche Faktoren wie Unternehmergeist, Erfindungsreichtum („Tüftler“), Ausbildungsstand der Arbeitnehmerschaft „stimmen“: Es ist ein bekanntes Phänomen, dass massive externe Einschläge, beispielsweise Kriege oder Wirtschaftskrisen, nach einiger Zeit durch zeitweise beschleunigtes Wachstum korrigiert werden. Oft schließt sich eine Phase verstärkter Expansion an die Krise an und bringt die Volkswirtschaft wieder auf ihren langfristigen Wachstumspfad zurück. Nicht umsonst hatte die Debatte im Zuge der gegenwärtigen Wirtschaftskrise immer zum Inhalt, ob das Potentialwachstum langfristig reduziert sei (ein “L“, also ein Absturz, an den sich ein normales Wachstum anschließt) oder ob die Wirtschaft nach dem Absturz zurückfedert und auf dem alten Wachstumspfad voranschreitet (quasi ein „V“). Deutschland hatte das Glück, zu den „V­Ländern“ zu zählen, viele Peripherieländer der Eurozone sind eher als „L­Länder“ einzuordnen. (€) 35 000 30 000 25 000 20 000 15 000 10 000 5 000 0 Quellen: BLUM (2013) Wirtschaftsentwicklung seit Anfang des 20. Jahrhunderts Oft ist die Fähigkeit, nach Abstürzen auf den alten Wachstumspfad zurückzukehren, eine Frage kluger Wirtschaftspolitik. Ein fehlerhafter Ordnungsrahmen und voluntaristische Systemeingriffe – Krisenhektik – machen Anpassungsprozesse schwer bis unmöglich und führen damit, im Sinne der konstanten Erwartungen, zu kaum kalkulierbaren Handlungsoptionen der Wirtschaftssubjekte. Sehr deutlich wird diese Aussage an der Entwicklung Deutschlands seit Anfang des letzten Jahrhunderts, die in der Grafik unten wiedergegeben ist. Sie zeigt zunächst die Entwicklung des Deutschen Reichs bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und nach dem Absturz den Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland. Diese Linie folgt bis 1990 annähernd einer Exponentialfunktion, der typischen Wachstumskurve. Man sieht deutlich, dass die „Einschläge“ des Ersten Weltkriegs, der großen Inflation und der Wirtschaftskrise der 30er Jahre bis 1939 wettgemacht wurden. Die Folgen des Zweiten Weltkriegs waren annähernd in den 60er Jahren kompensiert. Entwicklung des pro-Kopf-Einkommens, 1900-2010 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 Reich+West Germany East Germany United Germany 28 P.T. MAGAZIN 5/2012 5/2012 P.T. MAGAZIN 29

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