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P.T. MAGAZIN 05/2011

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Wirtschaft Win-Win über

Wirtschaft Win-Win über Landesgrenzen Fünf Bundeslandgrenzen und 700 Straßenkilometer liegen zwischen Heilbronn und Eberswalde. Die Zusammenarbeit funktioniert dennoch prächtig. Umsiedlungsprämie zur Kassenentlastung Noch vor wenigen Jahren sah das alles ganz anders aus. Hohe Arbeitslosigkeit, kaum erfolgreiche Unternehmen. Hoffnungslosigkeit für die Menschen. Für dünn besiedelte Regionen in Brandenburg, wie in der Schorfheide, gab es von Experten sogar den Vorschlag, die Abwanderung zu fördern. Steffen Schoch (links) und Professor Dr. Michael Rösler sind die Macher der Kooperation zwischen Eberswalde und Heilbronn-Franken Anlässlich der 10-jährigen Kooperation zwischen der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) und der Hochschule Eberswalde fand am traditionsreichen Werbellinsee in Schorfheide in Barnim-Uckermark ein „Strategieworkshop Fachkräfte“ statt. Die Gäste aus Wirtschaft, Wirtschaftsförderung, Hochschule, Arbeitsverwaltung und Regionalpolitik diskutierten zusammen mit dem Berliner TV-Journalisten Dr. Bernhard Büchel Strategien, wie der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt so begegnet werden kann, dass ost- und westdeutsche Partner gleichermaßen profitieren. Eberswalde war 2001 die erste Hochschule im heute europaweiten Hochschulnetzwerk der Region Heilbronn- Franken. In Heilbronn-Franken herrscht derzeit nahezu Vollbeschäftigung. „Gute Kontakte, Beziehungen und Netzwerke stehen und fallen mit Personen“, das betonte Professor Michael Rösler von der Hochschule Eberswalde. Hinter der erfolgreichen 10-jährigen Partnerschaft stehen sowohl er, als Professor für Regionalmanagement und Steffen Schoch, der Geschäftsführer der kooperierenden Standortmarketinggesellschaft Wirtschaftsregion Heilbronn- Franken GmbH (WHF). Bereits im Jahr 2005 wurde die WHF als „Kommune des Jahres“ im Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“ der Oskar-Patzelt-Stiftung ausgezeichnet und ist in 2011 erneut für die Premier-Stufe dieses Preises nominiert. Noch viel Potenzial Schoch, der selbst viele Jahre beruflich in den ostdeutschen Bundesländern verbrachte, ist es ein Herzensanliegen, die Menschen in Ost und West zusammen zu bringen und Kooperationen mit gegenseitigem Nutzen zu stiften. „Damals sprach noch niemand von Demografie und ich erinnere mich gut, wie kritisch unsere Aktion in der Heimat beobachtet und diskutiert wurde, als wir bundesweit Hochschulen eingeladen haben, um im Rahmen von Exkursionen die Unternehmen und die Region Heilbronn-Franken kennenzulernen“, erinnert sich Steffen Schoch. Heute sind insbesondere die Unternehmen um unsere bundesweiten Netzwerke dankbar, weil auch in Heilbronn-Franken vor allem die 15-30 jährigen wegziehen. „Alle Unternehmen und Region stehen vor denselben Herausforderungen“, weiß auch Ralf Lauterwasser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Main-Tauber GmbH in Tauberbischofsheim. Die Netzwerker Michael Rösler und Steffen Schoch sehen noch viel Potenzial in dieser Partnerschaft. Und es war schon etwas Besonders, dass man sich bei diesem Jubiläum nicht nur rückblickend gegenseitig auf die Schultern klopfte, sondern gemeinsam den Blick nach vorne richtete und sich mit einem gemeinsam drängenden Problem, nämlich der Fachkräftegewinnung, beschäftigte. Die im Auftrag des Brandenburger Landtages vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung erarbeitete Studie kam zu dem Schluss, dass es zu teuer ist, überall die jetzige Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Das berichtete noch im Herbst 2007 die „Märkische Oderzeitung“. Im Gutachten hieß es, dass man die entleerten Räume „zu einem Naturerlebnisgebiet ‚Wildnis‘ umwidmen“ könne, das Touristen anziehe. Starkes Brandenburg Fast unbeachtet hat sich aber gerade im östlichen Brandenburg in den letzten Jahren eine starke Wirtschaft entwickelt, die qualifizierte Fachkräfte dringend braucht. „Westliche Regionen wie Heilbronn-Franken haben einfach mindestens 60 Jahre Vorsprung in der Marktwirtschaft und hatten Zeit zum Wachsen“, betont Christian Eydam. Er ist diplomierter Forstwirt, kommt aus Eberswalde und erlag vor wenigen Jahren der Verlockung der Umsiedlungsprämie nach Baden-Württemberg. Heute ist er als Arbeitsvermittler im Agenturbezirk Schwäbisch Hall tätig und würde jetzt wahrscheinlich seiner Heimat nicht mehr den Rücken kehren. Die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr nehme aber mit jedem Jahr ab, betont der gebürtige Brandenburger. „Trotz einer Arbeitslosenquote von derzeit 12 Prozent haben auch wir einen Mangel an qualifizierten Fachkräften“, bestätigte sein Kollege Christian Ramm, Leiter der Arbeitsagentur in Eberswalde. „Wir haben viel erreicht 54 P.T. MAGAZIN 5/2011

Wirtschaft im Arbeitsmarkt und die Arbeitslosigkeit in den letzten fünf Jahren von 40.000 auf 20.000 halbiert. Wir wissen, dass Brandenburg heute mit seinen Unternehmen einiges zu bieten hat“, betont Ramm, der die jungen Menschen aufruft hier zu bleiben und eher die Ansiedlung von Unternehmen als die Abwanderung der Menschen hier sehen möchte. 35-Stunden-Woche wird kippen Patrick von Hertzberg, einst als Unternehmensberater mit dem rostigen VW-Golf aus dem Westen hier angekommen, hat als Unternehmer im Walzwerk Finow Verantwortung übernommen und produziert heute mit 150 Mitarbeitern unter anderem Präzisionsstahlrohe für die Automobilindustrie. Das Werk, das eine wechselhafte Geschichte hinter sich hat, macht etwa 70 Millionen Euro Umsatz. „Der Demografiefaktor wird demnächst unsere 35-Stunden- Woche kippen“, da ist sich von Hertzberg sicher. „Früher konnte man sich die Bewerber aussuchen, heute muss man nehmen, was kommt.“ Und auch Ulf Sauerwald, Werkleiter der Wirthwein Nauen GmbH & Co. KG betont: „Wir sind hilflos bis zum ‚Gehtnichtmehr‘, wenn wir keine Arbeitskräfte kriegen.“ Fünf Ausbildungsplätze würde er gerne besetzen, nur eine Bewerbung ist bei ihm eingegangen. Gemeinsame Lösungen Für Dr. Ronald Thiel, Wirtschaftsförderer der Stadt Eberswalde, sind Rückkehraktionen auch nur Aktionen mit begrenzter Wirkung. „Wir müssen unseren Vorsprung, den wir als „Laborregion“ der Bundesregierung mit Fördermittelmitteln und anderen Unterstützungen bekommen, auch nutzen. Es geht nur gemeinschaftlich und in Teamarbeit“, so Thiel. „Sich dem öffnen, was Brandenburg zu bieten hat“, empfiehlt Nicole „Wenn wir Westmanager anwerben wollen, dann müssen wir denen einfach ein bestimmtes Umfeld bieten“ (Dr. Peter Kretschmer, IGV Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke) Schwuchow, Absolventin der Hochschule in Eberswalde, Praktikantin in Heilbronn-Franken und heute Direktorin in einem Berliner Hotel. Aus Regionen und Städten Marken machen, damit man sie findet und Verbindlichkeit in einem Mehrjahresplan herstellen, das regt Marketingexperte Dr. Justus Bobke an. „Als Industrie sind wir an der jetzigen Situation nicht ganz unschuldig“, sagt Ulf Sauerwald von Wirthwein Nauen ganz selbstkritisch. „Wir haben eben vielleicht auch nicht genügend darüber gesprochen, was wir tun in unseren grauen Kisten und was wir zu bieten haben“, so der Werkleiter. „Ohne den Standort Nauen, wäre Wirth wein nicht zum Weltmarktführer geworden. Wer weiß das schon?“ Um die Mitarbeiter zu motivieren bekommt jeder, der bei Wirthwein eine erfolgreiche Ausbildung absolviert neben dem obligatorischen Blumenstrauß und dem Arbeitsvertrag auch ein Flugticket, um die ausländischen Standorte des Unternehmens in der Welt kennenzulernen. Zur Fertigung komplexer Kunststoffkomponenten in bewährter Qualität arbeiten bei Wirthwein in Deutschland, Polen, China, Spanien und den USA mittlerweile über 2.000 Mitarbeiter in 13 Unternehmen. Wirthwein Nauen wurde im Jahr 2005 Finalist im Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“. Verantwortung übertragen (Fotos: Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH) Jungen Menschen schnell Verantwortung zu übertragen, Erfolgsprämien auszahlen sowie enge Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen als auch ein aktives Wissensmanagement mit den Partnern, das empfehlen Egon Ehrle und Kerstin Thomsen vom Weltmarktführer BE- Maschinenmesser in Spreenhagen, Finalist 2008 im Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstandes“. „Und wenn wir Westmanager anwerben wollen, dann müssen wir denen einfach ein bestimmtes Umfeld bieten“, diese Erfahrung macht Dr. Peter Kretschmer vom IGV Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz- Rehbrücke immer wieder. Patrick von Hertzberg, der neben dem Walzwerk Finow noch weitere Unternehmen in Brandenburg begleitet wünscht sich insbesondere ein unbürokratisches, schnelles, offenes und selbstbewusstes Vorgehen. „Die mit Lothar Späth begonnene Wirtschaftspolitik und die selbstbewusste Präsentation des Bundeslandes Baden- Württemberg heute sind schon Dinge auf die man schaut. Da kann Brandenburg noch einiges lernen.“ „Wer stehen bleibt, rostet oder hat schon verloren“, bringt es Dr. Peter Kretschmer auf den Punkt. Heilbronn-Franken und Barnim- Uckermark wird das nicht passieren. n 5/2011 P.T. MAGAZIN 55

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