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PT-Magazin 04 2019

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Offizielles Magazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung.

Kontinuierliche

Kontinuierliche Verbesserung Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen gewinnt endlich an Fahrt Gesellschaft PT-MAGAZIN 4/2019 6 © kai kalhh bei pixabay.com 1. Ich erinnere mich an ein Statement eines damaligen SAP-Vorstands vor einem gemischten Publikum: in Deutschland, so der Fachmann, könne man weder mit einem Politiker noch mit einer Führungskraft aus der Verwaltung auf Augenhöhe über die Fragen Telekommunikation und Software diskutieren. Dieses Erlebnis aus Mitte der 90er Jahre habe ich kürzlich einem Vorstand aus demselben Unternehmen am Rande einer Veranstaltung „Digitale Stadt“ erzählt. Seine knappe Antwort: das ist beim Thema Digitalisierung heute nicht anders. 2. Woran liegt es, dass die öffentliche Verwaltung in Deutschland in der Anwendung anderen Ländern hinterherhinkt, obgleich am Beispiel Estlands seit 2000 über diese Möglichkeiten diskutiert wird? Warum haben IT-Gipfel und Digitalisierungsräte da und dort keinen Schub gebracht? Liegen Führungsversagen und mangelndes Management vor? 3. Dass die öffentlichen Verwaltungen in Deutschland einen Nachholbedarf haben, belegen alle aktuellen Studien aufs Neue. Ob Bitkom mit Fraunhofer, ob Roland Berger und andere, sie alle kommen zum gleichen Ergebnis wie etwa auch der Deutsche Städtetag oder der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Letzterer konstatiert in seinem Thesenpapier vom Oktober 2018 beispielsweise: 90 Prozent der Kommunen sehen große und sehr große Chancen in der Digitalisierung, 90 Prozent der Kommunen haben noch keine Strategie zur Digitalisierung. 55 Prozent der Kommunen haben mit ihrer Digitalisierung noch nicht einmal begonnen. 4. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielfältig. Sie finden sich in den Führungsstilen öffentlicher Verwaltungen ebenso wie in den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Dass bis heute noch keine elektronische Unterschrift möglich ist (im Gegensatz zum Kultur gewordenen online shopping oder online banking) oder immer noch die Papierform Vorschrift ist, dürfen freilich nicht als Entschuldigung gelten. Beides ist mit einem gesetzlichen „Federstrich“ änderbar. Liegt es auch an den föderalen Strukturen, die nicht zueinander fanden. Jetzt erst haben die Kommunen Zugang zum IT-Planungsrat von Bund und Ländern. Jetzt erst bemüht man sich um einen Portalverbund und um Standardisierung. Dieser Flickenteppich - in Ländern

© Gerd Altmann bei pixabay.com wie dem Saarland auch auf kommunaler Ebene sehr ausgeprägt - deutet auf einen enormen Bedarf an Kooperation und an Bereitschaft zu Innovation und Veränderung hin. Kleinere Gemeinden sind gar nicht in der Lage, eine Digitalisierungsstrategie zu entwerfen, geschweige denn umzusetzen. 5. Die Städte Dortmund und Darmstadt gelten heute als best practice in Deutschland, beide machen vor, wohin sich die öffentliche Verwaltung fortentwickeln muss. Beide haben eine Digitalisierungsstrategie, beide haben Führungsstrukturen verändert. Für beide gilt gleichermaßen, dass es nicht allein um die eigentlichen Verwaltungsprozesse geht, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz, der alle Lebensbereiche wie zum Beispiel Bildung, Mobilität, Sicherheit oder Energie und Umwelt einbezieht. Beide demonstrieren ebenso: Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein Prozess. Und hier gilt das KVP-Prinzip: kontinuierliche Verbesserungen sind besser als auf die Vollkommenheit zu warten. Daher auch die Erkenntnis: Fehlerkorrektur statt Null- Fehler-Toleranz muss auch in den Verwaltungen neu eingeübt werden. Beide Städte machen zudem klar: ohne einen zentralen Treiber geht es nicht. In beiden Fällen sind es die Oberbürgermeister. 6. Ein großes Problem für die Verwaltungen ist die Suche nach geeignetem Personal. Im Wettbewerb mit der Wirtschaft können die Kommunen kaum mithalten. Aber es ist nicht nur ein qualitatives, sondern auch ein quantitatives Problem: es gibt nicht genügend Fachund Führungskräfte gerade in diesem Bereich. Ein Vorschlag für die kommunale Ebene: Städtetag, Städte- und Gemeindebund sowie Landkreistag gründen gemeinsam eine Digitalisierungs-Akademie, in der nach einheitlichen Vorstellungen junge Leute ausgebildet und fortbildungsbereite Fachkräfte für die neuen Aufgaben qualifiziert werden. 7. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) von 2017 erhöht den Druck auf die öffentlichen Verwaltungen, mehr Fahrt bei der Digitalisierung aufzunehmen. Das Gesetz verpflichtet Bund und Länder, bis Ende 2020 ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch über Verwaltungsportale anzubieten. Bund und Länder sind überdies verpflichtet, ihre Verwaltungsportale zu einem Portalverbund zu verknüpfen. Verwaltungsportale von Bund, Ländern und Kommunen werden also zu Digitalisierungsplattformen auf- und ausgebaut. Endlich! 8. Der Neurobiologe Gerald Hüther hat angesichts der neuen Technologien angemerkt: Was wir jetzt erleben, ist die größte Transformation in der Menschheitsgeschichte seit der Sesshaftwerdung. Was folgt daraus? Zunächst eine Bildungs- und Qualifizierungsaufgabe. Wir alle, ob als Fach- und Führungskräfte oder nur als Bürger, müssen uns fähig machen (lassen), in dieser Transformation (über-) leben zu können. Zum Überleben gehört aber auch, genügend analoge Räume und Gelegenheiten zu schaffen oder beizubehalten. Denn, so Hüther: Alles das, was dazu führt, dass sich die Beziehungsfähigkeit von Menschen verbessert, ist gut fürs Hirn und gut für die Gemeinschaft, in der diese Menschen leben. Deswegen kommen vor allem auch auf die Führungen der Kommunen neue Aufgaben zu. Einerseits müssen sie lernen, sich mit intelligenten Technologien vertraut zu machen, um die Effizienz der Verwaltung zu steigern. Da liegt vieles im Argen. Andererseits, um vital zu bleiben und im Wettbewerb mit den globalen Plattformen ihre Gemeinde oder Stadt lebendig zu halten, sind ihre Talente hinsichtlich Kreativität, Phantasie und Innovationsbereitschaft gefordert, Eigenschaften also, die mehr als Verwaltung, mehr als Management bedeuten. Die digitale Transformation der Städte verlangt nach Entrepreneurship neu zu wählender Verwaltungschefs. Ob die Bürger das wissen? ó Über den Autor Dr. Hanspeter Georgi war Wirtschaftsminister des Saarlands und davor Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland. Er ist Mitglied im Präsidium der Oskar-Patzelt- Stiftung. 7 PT-MAGAZIN 4/2019 Gesellschaft

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