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P.T. MAGAZIN 04/2012

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Wenn aus der Not eine

Wenn aus der Not eine Tugend erwächst Die Stadt Pirmasens hat sich in ihrer Geschichte immer wieder neu erfunden und ist doch ihren Wurzeln treu geblieben (Foto: Jan-Erik Nord) Wirtschaft Der Exerzierplatz in Pirmasens Zusammenbruch der Monostruktur Schuhindustrie, Abzug der US-Streitkräfte und ein auch demografisch bedingter Einwohnerschwund: Die 1990er Jahre haben Pirmasens mit Problemen konfrontiert, von denen jedes für sich schon eine große Herausforderung dargestellt hätte. Der Veränderungswille und die Innovationskraft der Unternehmer hat sich hier als Schlüssel erwiesen, der in viele Schlösser passt – und immer wieder neue Türen zur Zukunft der Stadt öffnet. Von 9.000 auf 3.000 Im Südwesten der Republik und grenznah zu Frankreich gelegen, ist die Geschichte der 1763 gegründeten Stadt Pirmasens von Wandel geprägt. Immer wieder mussten sich die Einwohner neu orientieren und ihre Kompetenzen schärfen, aber immer wieder gingen sie gestärkt aus den Konversionen heraus. So lag bereits in frühester Geschichte im Ende als Garnisonsstadt ein Neubeginn: Die Grenadiere waren entlassen worden, der Stadt damit ihre Lebensgrundlage entzogen, und binnen kurzer Zeit sank die Bevölkerungszahl von 9.000 auf 3.000. In der Not besann man sich der Fähigkeit, Schuhe herzustellen, und begann, aus den Resten der noch vorhandenen Uniformen einfachste Schuhe zu fertigen. Der „Schlabbe“ war geboren, die „Schlabbeflicker“ zwickten und nähten fortan das begehrte Schuhwerk, das ihre Frauen im ganzen Land verkauften. Monostruktur als Grund für Auf- und Abstieg Über die Industrialisierung folgte der Aufstieg zur „Schuhmetropole Deutschlands“. So wurden 1911 bereits 13. Mio. Paar Schuhe produziert, und nach fast kompletter Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1960ern schon wieder in gut 350 Fabriken gearbeitet – jeder vierte in Deutschland gekaufte Schuh kam aus dem damals über 60.000 Einwohner zählenden Pirmasens. Auf dem Höhepunkt dieser monostrukturierten Entwicklung standen mehr als 20.000 Menschen in der Schuhproduktion in Lohn. Die Internationalisierung führte jedoch in den 1970ern zur Verlagerung der Herstellung ins Ausland, womit ein hoher Verlust an Arbeitsplätzen einherging. Heute beschäftigen weniger als zehn Betriebe (darunter Traditionsmarken wie Caprice, Kennel & Schmenger, Peter Kaiser oder Semler) noch über 2.000 Arbeiter in der Fertigung. Zurück blieb eine Militärliegenschaft Die prekäre Situation verschärfte sich 1997 durch den Rückzug der US-Garnison. Noch bis in die 1990er Jahre hatten die Streitkräfte mit 3.500 Soldaten nebst 6.500 Angehörigen einen hohen Bevölkerungsanteil ausgemacht. Zurück blieb zudem eine über 75 Hektar große Militärliegenschaft, für die eine zukunftsfähige zivile Nutzung gefunden werden musste und wurde. Seit Mitte der 1990er Jahre sind zudem die Bevölkerungszahlen rückläufig – derzeit gut 40.000 Einwohner – und die demografisch bedingte weitere Abnahme ist vorbestimmt. Beweglichkeit ermöglicht industrielle Diversifikation In Pirmasens folgte man bewusst nicht dem Trend, einen „Technologiestandort“ aus der Retorte zu kreieren. Stattdessen wurde gezielt die unternehmerische Beweglichkeit gefördert, die aus der Not eine Tugend erwachsen ließ. Denn im Ergebnis hat sich das in der Bevölkerung breit verankerte wertvolle Wissen und Können rund um Schuhe und Leder innovativ diversifiziert. Ein gutes Rezept, wie Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis feststellt, denn: „In unserer Stadt fühlt sich auch heute noch jeder in irgendeiner Weise dem Schuh 30 P.T. MAGAZIN 4/2012

verbunden – und sei es nur, weil sich ein Verwandter oder guter Bekannter in der Branche engagiert.“ Mit der regionalen Wirtschaft verzahnt So ist die Stadt Pirmasens Sitz des International Shoe Competence Centers ISC, der dort ansässigen Deutschen Schuhfachschule und des Prüf- und Forschungsinstituts PFI; außerdem ist sie Ausrichtungsort von Leder- und Schuhfachmessen. Hinzu kommt eine Fachhochschule mit den eng in die regionale Wirtschaft verzahnten Studiengängen Produkt- und Prozess-Engineering, Technische Logistik, Angewandte Pharmazie, „Logistics Diagnostics and Design“ sowie Logistik und Produktionsmanagement. Darüber hinaus jedoch hat sich die Produktpalette der ehemals komplett auf die Schuhindustrie ausgerichteten Firmen auf der Basis vorhandenen Wissens und erfahrener Mitarbeiter in die themenverwandte Breite entwickelt. So sind (ergänzt durch eine starke Logistikorientierung) in den Branchen Chemie und Kunststoff, Anlagen- und Maschinenbau wie auch in der Fernwirktechnik die verschiedensten High-Tech-Produkte „made in Pirmasens“ entstanden. Industrie mit historischen Wurzeln Es ist der Beweglichkeit der Unternehmer zu verdanken, dass heute zwar kaum noch Maschinen zur Schuhproduktion entstehen, dafür in den Hallen der gleichen Firmen aber moderne Spezialmaschinen für die Fertigung von Kunststoffprofilen oder Fitnessgeräten. Unterm Strich ist es zu einer industriellen Verdichtung gekommen, von der nicht nur die Stadt, sondern gerade auch die hohe Zahl der Einpendler aus dem umliegenden Landkreis Südwestpfalz profitieren. CONVAR ist zu Europas führendem Datenretter aufgestiegen Das Ausmaß der Herausforderungen „Strukturwandel hat naturgemäß die unangenehme Eigenschaft, nicht nur eine, sondern gleich viele Türen zu schließen“, unterstreicht Dr. Bernhard Matheis das Ausmaß der Herausforderungen. „Aber im Wandel liegt auch immer eine Chance – nämlich den Schlüssel zu finden, der in möglichst viele Schlösser passt und stets neue Türen öffnet.“ Ein Beispiel von vielen für die Agilität Pirmasenser Firmen ist Convar Deutschland. In den Achtzigerjahren noch ausschließlich mit Reparatur-Services aufgestellt, folgten (durch Kundenanfragen initiiert) zunächst die Erweiterung des Portfolios und der Aufstieg zu einem der europaweit führenden Datenretter sowie die Einrichtung eines Fulfilment & Logistic Centers. Ganz aktuell hat sich zudem der Aufbau einer Manufaktur zur Herstellung hochwertiger Consumer Electronics mit Life-Style-Anspruch vollzogen. Gut zehn der Zulieferer für die edlen FURNICS (ein Kunstwort, bestehend aus den englischen Silben Furniture für Möbel und Technics für Technik)-Produkte kommen direkt aus der Region und haben mehr oder weniger auch Wurzeln in der Schuhindustrie. n Die Stadt Pirmasens Dunja Maurer n Erste urkundliche Erwähnung fand Pirmasens um 850 als „pirminiseusna“, angelehnt an den Wanderprediger Pirminius. Der als Stadtgründer geltende Landgraf Ludwig IX. errichtete im heutigen Pirmasens die Garnison für ein Grenadierregiment, es folgten 1763 die Stadtrechte. Am südwestlichen Rand des Pfälzerwalds gelegen und grenznah zu Frankreich ist das über 40.000 Einwohner zählende, rheinland-pfälzische Pirmasens wie Rom auf sieben Hügeln erbaut (Foto: Jan-Erik Nord) (Foto: ars publicandi) 4/2012 P.T. MAGAZIN 31

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