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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

So ein Waschlappen!

So ein Waschlappen! Gesellschaft PT-MAGAZIN 3/2016 10 Die Kölner Silvestervorfälle haben Deutschland verändert. Seit Köln wird einerseits etwas offener als bisher über Ausländergewalt berichtet. Dies mag man positiv werten. Andererseits hat sich der Staat in der Silvesternacht nicht nur unweit des Kölner Doms, sondern auch in vielen anderen deutschen Städten als erschreckend schwach erwiesen. Politiker reagieren in Im Schatten der Kölner Silvesternacht hagelt es harte Kritik am verweichlichten deutschen Mann Auch die Debatte in unseren Feuilletons hat seit Köln einen anderen Tonfall bekommen. Bereits am 7. Januar dieses Jahres lieferte der Schriftsteller Thor Kunkel bei der Sezession im Netz eine recht brachiale Deutung. Auf einmal standen die „deutschen Männer“ im Fokus. Kunkel zufolge hat sich „der“ deutsche Mann in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar nämlich als großer Waschlappen erwiesen. Er sei zwar auch auf dem Bahnhofsvorplatz anwesend gewesen, habe aber nur schlichten wollen oder ansonsten die „Hasenfuß-Nummer“ gemacht. Bild: tverdohlib/fotolia.com der Regel reflexhaft auf solche Vorkommnisse. Sie sondern Plattitüden ab. Der Staat werde sich als wehrhaft erweisen, gegen die Täter werde mit aller Härte des Gesetzes vorgegangen etc. Und wenn Journalisten unliebsame Geschehnisse nicht mehr unter die Decke kehren können, warnen sie vor Schnellschüssen oder allzu radikalen Lösungen. Bedauern über die ausgebliebene Blutschlacht Fast schon bedauernd über die ausgebliebene Blutschlacht stellte Kunkel fest: „Jede Wette: Würden sich an die tausend Deutsche auf einem öffentlichen Platz in einer arabischen und türkischen Stadt zusammenrotten um Frauen sexuell zu belästigen, es hätte ganz sicher – und vor dem Eingreifen der Polizei – Tote gegeben. Ja, ganz ohne Frage.“ Zum einen ist es erstaunlich, wie sich der Autor nur wenige Tage nach den Vorfällen ein Pauschalurteil über das Ver-

Bild: M. Schuppich/fotolia.com halten sämtlicher deutscher Männer machen konnte. War er dabei gewesen? Hatte er sämtliche Bildaufnahmen der Ereignisse ausgewertet? Waren unter den „deutschen“ Männern nicht vielleicht auch ein paar mit „Migrationshintergrund“? Wäre das Geschehen aus nationaler Sicht und aus Sicht der Betroffenen wirklich besser gewesen, wenn es Tote gegeben hätte? Dass die Sezession solche vollmundigen Töne aus der Sicherheit des Schreibtisches heraus spuckt, verwundert eventuell nicht. Doch einen Monat später legte der schnauzbärtige Sozialdemokrat Eckhard Fuhr in der Tageszeitung Die Welt nach. Fuhr, sonst ein gemütlicher hessischer Mann, der das Springer- Blatt regelmäßig mit der Fachpostille Jagd und Hund verwechselt, war nun auf einmal gar nicht mehr so barockgemütlich und auf Merkel-Kurs. „Der moderne Mann hat in Köln versagt“, so sein Diktum. Holzschnittartig stellte der den konventionellen, also testosterongesteuerten, gewaltbereiten und sexistischen (ausländischen) Mann der deutschen Memme gegenüber. Fuhr, der sonst an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und der Politik der Großen Koalition im Gegensatz zur „bösen AfD“ so gar nichts Schlimmes finden kann, drehte auf einmal den Spieß um. Der deutsche Mann habe die „zivilgesellschaftliche Feuerprobe unter verschärften Migrationsbedingungen nicht bestanden“. Setzen, sechs. Der postkonventionelle Mann habe in Köln weder Mut, noch Heldentum, Verteidigungsbereitschaft, „Dem Nordafrikaner mal ordentlich die Fresse poliert. “ Beschützerinstinkt und Fürsorglichkeit gezeigt. Er sei „ohne Polizeischutz“ auch nicht ansatzweise in der Lage gewesen, die zivilgesellschaftlichen Regeln des Zusammenlebens zu verteidigen. Wie war es tatsächlich? Dies mag im Einzelnen durchaus zutreffen. Doch kann man dies wirklich im Detail beurteilen, wenn man selbst nicht dabei war? Claudius Seidl berichtete im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über einen Beitrag im Deutschlandfunk. In diesem habe ein Pärchen von den schrecklichen Ereignissen in der Rheinmetropole berichtet. Sie seien beide überrumpelt worden, „und während die Frau begrapscht wurde, wehrte sich der Mann gegen andere Männer, die ihn bedrängten, versuchte gleichzeitig die völlig verschreckten Kinder im Auge zu behalten, und als er sich befreit hatte, kümmerte er sich um Frau und Kinder und schaute, dass sie alle herauskamen aus dem Gewühl“. Es liegt eben eine gewisse Ungerechtigkeit in der Argumentation der feuilletonistischen Maulhelden. Man kann den „deutschen Mann“ und den „deutschen Jungen“ eben nicht täglich in Kita, Schule, Uni und Beruf mit Gender-Gedöns zudröhnen und behaupten, das biologische Geschlecht sei nur eine Zuschreibung, „rechte“ Parteien und Bürgerwehren seien des Teufels und Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit das A und O, während man dann bei der nächsten Gelegenheit von ihm erwartet, dass er „dem Nordafrikaner“ mal ordentlich die Fresse poliert. Bedenkenswerter als die Analyse von Kunkel und Fuhr sind die Ausführungen der Publizistin Cora Stephan in der Neuen Züricher Zeitung. Köln habe uns die Augen geöffnet. Es gelte, sich auf härtere Zeiten einzustellen. Bezogen auf die gesamte Bevölkerungszahl stelle millionenfache Einwanderung vielleicht noch kein Problem dar: „Bezogen auf die entsprechende Alterskohorte der 17-30-jährigen Männer sieht das schon anders aus. Kritisch wird es insbesondere, wenn man das bisher ausgewogene Verhältnis zwischen jungen Männer und jungen Frauen betrachtet.“ Zu Recht macht die Autorin deutlich, dass es nun darum geht, unseren modernen Lebensstil und unsere Freiheiten zu verteidigen. Die Bürger Europas hätten längst begriffen, was insbesondere die Bundesregierung noch nicht einsehe: „Massenhafte Einwanderung von Menschen mit gegensätzlichem kulturellem Hintergrund ist heute und auf längere Sicht gesellschaftlicher Sprengstoff.“ Dies ist die Kernfrage, die immer noch nicht in der gebotenen Offenheit diskutiert werden. Auf diese Herausforderung muss der Staat reagieren. Mit mehr Polizei, mit Grenzkontrollen, mit effektiven nationalen Maßnahmen und nicht bloß der naiven Hoffnung auf die großen europäischen oder gar globalen (Fluchtursachen bekämpfenden) Lösungen. Dieser großen Debatte wollen Mainstream-Journalisten wie Eckhard Fuhr ausweichen, wenn sie den Eindruck erwecken, die Dinge kämen schon wieder ins Lot, wenn im Schatten des Kölner Doms der ein oder andere Nordafrikaner „ordentlich einen aufs Maul“ bekommen hätte. ó Über den Autor Ansgar Lange studierte Politische Wissenschaften, Geschichte und Germanistik in Bonn. Er arbeitet dann u. a. bei der Konrad- Adenauer-Stiftung, als Redakteur für verschiedene Printmedien, als Pressesprecher bei der CDU und als Chefredakteur der Zeitschrift Criticón. Gesellschaft PT-MAGAZIN 3/2016 11

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