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P.T. MAGAZIN 03/2012

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Deutschland 3.0 Die

Deutschland 3.0 Die Wiederentdeckung des Mittelstandes: Das Weltwunder aus Mitteleuropa. Gesellschaft Deutschland war noch vor ein paar Jahren der „kranke Mann Europas“. Seine Wirtschaft, und noch mehr seine Politik, galten als Auslaufmodelle. Das hat sich radikal geändert. Die Deutsche Angela Merkel stieg zur Frau des Jahrhunderts auf. Als nahezu einziges Land hat Deutschland die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise mit wenigen Blessuren überstanden. Sogar die Amerikaner bewundern inzwischen die deutsche Wirtschaft für etwas, was hier im Lande kaum öffentlich wertgeschätzt wird: Den unternehmerischen Mittelstand. Thomas Schulz sprach für den Spiegel 12/2012 mit dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Steven Rattner. Rattner beriet schon Bill Clinton und sollte Minister bei Barack Obama werden. Und dieser Rattner sagt tatsächlich: "Wir müssen uns Deutschland zum Vorbild nehmen.“ (Fotos: Davin Taylor) Vorbild Deutschland Rattner meint vor allem die staatspolitischen Aktivitäten. Zum Beispiel die Idee der Kurzarbeit, die Facharbeiterausbildung, die Industriepolitik, die Agenda 2010. Speziell diese Wirtschafts- und Sozialreform unter Gerhard Schröder habe dafür gesorgt, dass in Deutschland „eine entwickelte Wirtschaft auch in einer Welt neuer Giganten wie China und Indien wettbewerbsfähig bleiben kann". Steter Wandel ist Fakt. Auch die Wirtschaft durchläuft eine globale Evolution. Sie zwingt auch die führenden Industrienationen dazu, ihre Aktivitäten neu auszurichten. „Amerika wird einen ähnlichen Prozess durchlaufen müssen wie Deutschland“ zitiert Schulz den Wirtschafts-Nobelpreisträger Michael Spence. Selbst Jeffrey Immelt, der Chef von General Electric, ist voll Demut: "Wir müssen mehr wie Deutschland werden". Das lässt sich am besten hier vor Ort lernen. Deshalb lässt Immelt sein Held des Tages ist für Steven Rattner der deutsche unternehmerische Mittelstand neues Forschungszentrum vor den Toren Münchens errichten. Noch vor wenigen Jahren faszinierte die rasante amerikanische Verwandlung von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft die ganze Welt. Alle wollten das nachmachen. Alle glaubten an eine nahe Zukunft mit einem Minimum an industriellen Arbeitsplätzen. Niemanden störte in den USA, dass seit den 80er Jahren jährlich 200.000 produzierende Arbeitsplätze verloren gingen. Stattdessen boomten die Dienstleistungen, und hier vor allem das Geldgewerbe. Wertschöpfung wurde virtuell. Zeitweilig sorgten Finanzdienstleistungen für mehr als 40 Prozent der Gewinne der gesamten US-Wirtschaft. Erst mit der Lehman-Pleite 2008 war das vorbei. Held des Tages: Mittelstand 2010 wünschte sich der Obama-Berater Paul Volcker weniger Finanzingenieure und dafür mehr „echte“ Ingenieure, beispielsweise im Maschinenbau und fragte: „Warum ist das in Ihrem Land möglich und nicht bei uns?" Held des Tages ist für Steven Rattner der deutsche unternehmerische Mittelstand: „Es sind Unternehmen, die familiengeführt sind, einen langen Zeithorizont haben, nicht auf den nächsten Quartalsprofit schauen müssen und sich so Wettbewerbsvorteile erarbeiten". Schulz bleibt skeptisch. „Beruht das deutsche Wunder nicht zu guten Teilen auf dem Glück, genau das zu produzieren, was die aufstrebenden asiatischen Nationen besonders gern haben wollen, wie es manche Kritiker sehen? Hinter dem deutschen Modell steckt ja nicht wirklich ein Masterplan, sondern auch eine gehörige Portion Zufall.“ 100.000 Masterpläne Genau diese Einschätzung markiert den Graben, an dem sich die verschiedenen Lager von Wirtschaftsfachleuten unversöhnlich gegenüberstehen. Was Schulz für Zufall hält, ist aus der anderen Perspektive kein Zufall. Im Gegenteil. Das „Wunder“ folgt zwar keinem EINZELNEN Masterplan EINES Wirtschaftsministeriums. Doch es ist das Resultat TAU- SENDER einzelner Masterpläne kleiner, mittlerer und größerer Unternehmer. Nur aus planwirtschaftlicher Perspektive erscheint das Resultat als Zufall. Aus marktwirtschaftlicher Sicht entsteht dieses Resultat zwangsläufig. Rätsel Rot-China Vor über fünf Jahren widmete der Spiegel das Heftcover 3/2007 dem rasanten Aufstieg Rot-Chinas und fragte: „Funktioniert der Kommunismus doch?“ Angeblich stünden die Ökonomen vor einem Rätsel. Noch nie zuvor sei so viel Wohl- stand von so vielen Menschen in so kurzer Zeit geschaffen worden. Wie war dieser Aufschwung zu erklären? Rollt China tatsächlich „mit einer Mischung aus Planwirtschaft und entfesseltem Kapitalismus, wie sie in keinem Lehrbuch steht“ die Weltmärkte auf? Das stimmt nur teilweise. Planwirtschaft und Marktwirtschaft kommen in Reinform nirgends auf der Welt vor. Die soziale Marktwirtschaft begann nicht erst mit Ludwig Erhard, sondern eigentlich schon 1883 mit der Sozialgesetzgebung Otto von Bismarcks. Kubas späte Einsicht Auch Fidel Castros kubanische Variante des Kommunismus konnte den Kurs strikten Volkseigentums nicht halten. Als in den letzten Jahren die Versorgungsengpässe untragbar wurden, mussten erste vorsichtige Privatisierungen erlaubt werden. Wohin wir auch sehen: Jede heutige Wirtschaft ist eine Mischform aus planund marktwirtschaftlichen Elementen und folgt dabei jeweils eigenen Regeln. Diesen Regeln liegt das kulturelle Selbstverständnis der Gesellschaft zugrunde. Es bildet den Rahmen für Bewertungen, für Akzeptanz, für Durchsetzbarkeit von Ideen und Entwicklungen. Was in Skandinavien als konservativ gilt, würde in den USA als extrem linksliberal wahrgenommen werden. Und was in Deutschland als Armut bekämpft wird, ist für viele Arme Länder ein erstrebenswerter Zustand, weil deren Ausgangsniveau um Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurückliegt. Sonderwirtschaftszonen Dank Maos Autarkiepolitik galt China jahrzehntelang als „Hungerchina“. Erst formulierte Deng Xia Ping seinen Masterplan der ökonomischen Entwicklung Chinas. Für diese neue Hauptaufgabe sicherte er das Machtmonopol der Partei: „Eigentlich sollten wir unser Volk Demokratie genießen lassen. Um aber unseren Feinden überlegen zu sein, müssen wir Diktatur praktizieren - die demokratische Diktatur des Volkes.“ Dass ein nach wie vor kommunistisch unfreier Staat so erfolgreich freie Wirtschaft praktiziert, überraschte die ganze Welt. Deng errichtete schon 1980 die erste Sonderwirtschaftszone in Shenzhen. Das war damals ein beschauliches 30.000-Einwohner-Städtchen am Perlfluss-Delta nahe Hongkong. Es wuchs in nur 30 Jahren zu einer 12-Millionen- Metropole und ist heute die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in ganz China. „In den USA sind Gründer und Unternehmer anerkannt, bei uns dominiert Neid." Reichenlisten schüren Neid Im Gegensatz zu China war in es in Deutschland spätestens seit den 70er Jahren verpönt, reich zu werden. Es ist bezeichnend, dass hier jährlich „Reichsten-Listen“ veröffentlicht werden. Es ist bezeichnend, dass darauf noch 2011 Anton Schlecker als Milliardär gelistet wurde, als längst klar war, dass er vor der Pleite steht. Es ist bezeichnend, dass man im Blätterwald eine motivierende „Erfolgreichsten-Liste“ vergeblich sucht. Viola Klein aus Dresden wurde im Jahr 2000 als "Unternehmerin des Jahres" im Wettbewerb "Großer Preis des Mittelstandes" ausgezeichnet. Dem Handelsblatt erklärte sie kürzlich, warum Unternehmer in Deutschland ein schlechtes Image haben: "Da müssen Sie nur fernsehen. Die Unternehmer im „Tatort“ sind meistens Betrüger. Und da ist jeder Unternehmer steinreich. … In den USA sind Gründer und Unternehmer anerkannt, bei uns dominiert Neid." Fleiß und Einfallsreichtum So was ließ Deng Xia Peng in China gar nicht erst zu. Seine Parole hieß „Reichtum ist ruhmvoll“. Er setzte wie Ludwig Erhard darauf, dass der Fleiß und der Einfallsreichtum der Menschen millionenfach bescheidenen Wohlstand schaffen werden. Und zwar weit besser, wirkungsvoller und nachhaltiger, als es jemals ein staatlicher Masterplan mit seinen Befehlsanweisungen könnte. Der Erfolg spricht für sich: 600 Millionen Chinesen haben in diesen 30 Jahren den Sprung über die Armutsschwelle geschafft. 240 Millionen Chinesen gehören heute bereits zur wohlhabenden Mittelschicht. Das sind dreimal so viele wie ganz Deutschland Einwohner hat. Aus amerikanischer Sicht ist Deutschland der Musterschüler der westlichen Welt. Hier wurde die soziale Marktwirtschaft erfunden und erstmals erfolgreich umgesetzt. Hier gab es einen Masterplan des Fortschritts. Warum sind dann die Medien voll von Skandalgeschichten und Angstthemen? Wo sind 6 P.T. MAGAZIN 3/2012 3/2012 P.T. MAGAZIN 7

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