Aufrufe
vor 5 Jahren

P.T. MAGAZIN 03/2012

  • Text
  • Unternehmen
  • Magazin
  • Deutschland
  • Mittelstand
  • Wirtschaft
  • Berlin
  • Unternehmer
  • Zukunft
  • Wettbewerb
  • Wachstum
Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Wie raus aus der Krise?

Wie raus aus der Krise? P.T. befragte zur wirtschaftlichen Situation jemanden, dessen Kompetenz außer Zweifel steht: Dr. Martin Sonnenschein, von A.T. Kearney Central Europe. (Foto: A.T. Kearney) Wirtschaft In den Medien ist ein Wort bestimmend: „Krise“: Euro-Krise, Banken-Krise, Griechenland-Krise, Italien-Krise. Keine bevorstehende Krise wurde so gut analysiert wie die nächste. Doch die deutsche Wirtschaftswelt gibt sich gelassen. Bei volatilen Märkten regiert in den Unternehmen immer häufiger das kurzfristige Denken – „Von der Hand in den Mund“: Fahrt auf kurze Sicht, von Weitsicht keine Spur. P.T. sprach zur gegenwärtigen Situation mit Dr. Martin Sonnenschein, Managing Director von A.T. Kearney Central Europe. P.T.: Obwohl wir seit langem nur noch über Krisen reden, geht es zwar keinem wirklich schlechter, aber alle jammern mehr als je zuvor. Wie erklären Sie sich das? M. Sonnenschein: Eins ist sicher: die Zukunft bleibt unsicher. Die Wirtschaft hat generell ihre Hausaufgaben gemacht, sprich: die Wettbewerbsfähigkeit in vielerlei Hinsicht gesteigert und auch ihre Unternehmen krisensicher und krisenfester gemacht. Man kann aber insgesamt von einer Dauerkrise sprechen. Die steigende Unsicherheit in den letzten Monaten ist natürlich auch für Unternehmer anstrengend, die gerne (Foto: Marko Greitschus/pixelio.de) ihre Zukunft selbst in der Hand haben. Das ist bei diesen Rahmenbedingungen nicht immer ganz einfach. Von daher kommt vielleicht das Klagen. Ludwig Erhard wäre dennoch sehr stolz auf die Wettbewerbsfähigkeit unseres Mittelstandes P.T.: Erstaunlicherweise wird bei den Diskussionen über die Krise ein Fakt negiert: Die US-Banken haben doch nur deshalb Subprime-Hypothekenkredite an Arme vergeben, weil die Politik unter Bill Clinton das per Gesetz befahl. Wertloses Papiergeld und übersicherte Scheinwerte haben doch die Blase damals verursacht? M. Sonnenschein: Ich bin kein Makroökonom oder jemand, der sich mit der amerikanischen Politik im Detail auskennt, sondern Unternehmensberater. Für mich stellt sich das so dar, dass ich in diesem Zusammenhang kaufmännische Tugenden relevant finde. Das heißt, unabhängig von dem, was politischer Wille in diesem Zusammenhang sein mag. Man sollte nicht über seine Verhältnisse leben, nur dann Geld ausgeben, wenn man es hat. Investiert wird dort, wo man etwas von der Sache versteht und trägt dann auch die Verantwortung dafür und sucht nicht im Falle des Scheiterns nach Schuldigen. Das gilt für Unternehmen wie auch für den privaten Haushalt. Unabhängig von dem was da politischer Wille ist, ist jeder Einzelne sein eigener Herr. Es gibt den einen oder anderen unter uns, der vielleicht ein bisschen mehr spart, oder weniger spart und mehr ausgibt und risikoreicher unterwegs ist. Ich glaube in diese Richtung müsste die Diskussion geführt werden. P.T.: Gorbatschow lobte die Bundesrepublik schon in den 80er Jahren als Modell für den entwickelten Sozialismus. 30 Jahre später ermahnt das kommunistische China den Westen, nicht mehr auszugeben, als eingenommen wird. Gleichzeitig glauben die Linken, im Westen wäre der entfesselte Kapitalismus ausgebrochen. Ist das nicht völlig paradox? M. Sonnenschein: Interessante Fragestellung. Die soziale Marktwirtschaft ist das, was in Deutschland nach dem Krieg entstanden ist und Deutschland zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Unsere ausgeprägte Sozialpartnerschaft ist das, was uns trägt. Das hat auch die Bewältigung der Krise nach der Lehman-Pleite so eindrucksvoll ge zeigt, wo man über Kurzarbeit-Programme gemeinsam abgestimmt hat und wirklich sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen ist, um dann auch, als die Zeiten wieder besser wurden, ganz schnell wieder die Leute in volle Beschäftigungsverhältnisse zu überführen, damit sie auch am Wachstum partizipieren. Die Übertreibungen hat es immer schon in der Geschichte gegeben. Aber die soziale Marktwirtschaft ist das was uns prägt. Von diesem Beispiel können andere Länder wirklich etwas lernen. P.T.: Was haben deutsche Mittelständler Unternehmern in anderen Ländern voraus, die mit der Krise nicht so gut klar kamen? Dr. Martin Sonnenschein ist Partner und Managing Director Central Europe von A.T. Kearney M. Sonnenschein: Die Leidenschaft für ihre Produkte und Dienstleistungen, den unstillbaren Drang nach Perfektion und Kundennutzen im Detail und das auf Basis einer guten, breit ausgebildeten Mitarbeiterschaft. P.T.: Offenbar vertraut die Politik „ihrem“ Mittelstand nicht ausreichend. Sie nimmt millionenschwere Umsatzsteuerkarusselle in Kauf, um „Ameisenkriminalität“ bei vielen kleinen Firmen zu vermeiden. Sie reguliert bis in Kleinfirmen hinein, lässt aber gleichzeitig nationale und globale Märkte weitgehend unangetastet. Würde sich Ludwig Erhard nicht im Grabe umdrehen? M. Sonnenschein: Augenmaß ist hier angesagt. Die Politik sollte besser dem Mittelstand vertrauen. Er ist das Rückgrat unserer stabilen Wirtschaft. Ludwig Erhard wäre dennoch sehr stolz auf die Wettbewerbsfähigkeit unseres Mittelstandes, bei all dem was regulativ drum herum passiert ist. P.T.: Was muss sich ändern, damit Deutschland künftig nicht verliert? M. Sonnenschein: Deutschland muss weiter Kurs halten. Dazu gehört die breite industrielle Basis die wir haben. Die wir wirklich im vollen Portfolio von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen erhalten. Wir müssen weiter konsequent in die Zukunft investieren. Sparen alleine schafft nämlich keinen Wohlstand und auch keine überdurchschnittliche Überlebensfähigkeit. Und wir müssen weiter Unternehmertum und Eigenverantwortung stützen und fördern, wie das auch derzeit geschieht. P.T.: Was raten Sie den Unternehmern? M. Sonnenschein: Weiter auf Sicht fahren. Das heißt auf ein konsequentes Cashmanagement zu achten, Volatilität der Märkte zu beherrschen und die Prozesse zu optimieren. Das heißt, die Fixkosten reduzieren, alles das was nicht strategisch relevant ist auslagern, die Personalpolitik umsichtig gestalten und ein sehr flexibles Lieferantenmanagement betreiben, um diese Flexibilität zu gewährleisten. Also das, was man unter guter kaufmännischer Unternehmensführung versteht. Gleichzeitig aber auch in Szenarien denken. Wir als Unternehmensberatung halten verschiedene Zukunftsszenarien für denkbar: Da gibt es das optimistische Szenario, das wir Anteil der Befragten in % 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 0 © Statista GmbH Top-Gear-Szenario nennen, das davon ausgeht, dass die Euro- und Finanzkrise insgesamt glimpflich verläuft und sich das Wachstum kontinuierlich entwickelt. Wir halten aber auch das Control- Alt-Delete-Szenario für denkbar, bei dem zunächst einmal in den nächsten Monaten der tiefe Fall kommt, aber dann ein ebenso steiler Aufstieg entsteht. Bei einem sogenannten Flatline- Szenario gehen wir davon aus, dass es einen Rückgang geben und ähnlich wie jetzt in Japan und dann für viele Jahre mit einem Nullwachstum zu leben ist. Zuletzt das sogenannte Terminus-Szenario, bei dem es einen länger anhaltenden Konjunkturcrash gibt. Ich glaube man muss in allen vier Szenarien denken und sich darauf vorbereiten. P.T.: Was sind die Wachstumsbranchen und Auslaufbranchen für die nächsten Jahre? M. Sonnenschein: Ich habe vor ein paar Jahren ein Buch veröffentlicht zum Thema Wachstum. Eine zentrale These, die ich vertrete, ist: Es gibt keine Ausrede für fehlendes Wachstum. Man kann Eurokrise: Zufriedenheit mit Krisenmanagement der Bundesregierung Deutschland Wie zufrieden sind Sie mit dem Umgang der Bundesregierung mit der Euro- und Schuldenkrise? 20 40 Sehr zufrieden Zufrieden Weniger zufrieden Gar nicht zufrieden Weiß nicht, keine Angabe (Quelle: ARD-DeutschlandTREND (Morgenmagazin), DeutschlandTrend im ARD-Morgenmagazin, 28.10.2011) 36 eigentlich in jeder Situation wachsen. Es kommt immer darauf an, wie man ein Produkt macht. Von daher sage ich, Unternehmen in allen Branchen können positive Ge schäftsverläufe erreichen, auch wenn es in der Branche insgesamt vielleicht nicht gut läuft. Dr. Martin Sonnenschein zeichnet ein gesunder Optimismus aus. Er sieht die deutsche Wirtschaft gut vorbereitet, obwohl die Zukunft unsicher bleibt. Dass er Recht hat, zeigt ein Blick auf die nominierten Unternehmen zum „Großen Preis des Mittelstandes“. ■ 4 32 P.T. MAGAZIN 3/2012 3/2012 P.T. MAGAZIN 33

Jahrgänge

PT-Magazin 01 2020
PT-Magazin 01 2019
PT-Magazin 02 2019
PT-Magazin 03 2019
PT-Magazin 04 2019
PT-Magazin 05 2019
PT-Magazin 06 2019
PT-Magazin 06 2018
PT-Magazin 05 2018
PT-Magazi 04 2018
PT-Magazin 03 2018
PT-Magazin 02 2018
PT-Magazin 01 2018
PT-Magazin 06-2017
PT-Magazin_05_2017
PT-Magazin_04_2017
PT-Magazin_03_2017
PT-Magazin_02_2017
PT-Magazin_02_2017_Regional
PT-Magazin_01_2017
PT-Magazin_06_2016
PT-Magazin_5_2016
PT-Magazin_4_2016_komplett
PT-Magazin_4_2016_regional
PT-Magazin_03_2016_Komplett
Magazin_03_2016_Regional
PT-Magazin_02_2016_Komplett
PT-Magazin 01_2016_Immer wieder Neues wagen
PT-Magazin_06_2015
PT-Magazin_06_2015_regional
Pt-Magazin_5_2015_regional_OPS Netzwerk.pdf
P.T.MAGAZIN 03/2015
P.T. MAGAZIN 02/2015 - Regional
P.T. MAGAZIN 02/2015
P.T. MAGAZIN 01/2015
P.T. MAGAZIN 06/2014
P.T. MAGAZIN 05/2014
P.T. MAGAZIN 04/2014
P.T. MAGAZIN 03/2014
P.T. MAGAZIN 01/2014
P.T. MAGAZIN 06/2013
P.T. MAGAZIN 05/2013
P. T. MAGAZIN 04/2013
P.T. MAGAZIN 03/2013
P.T. MAGAZIN 02/2013
P.T. MAGAZIN 01/2013
P.T. MAGAZIN 01/2011
P.T. MAGAZIN 02/2011
P.T. MAGAZIN 03/2011
P.T. MAGAZIN 04/2011
P.T. MAGAZIN 05/2011
P.T. MAGAZIN 06/2011
P.T. MAGAZIN 06/2012
P.T. MAGAZIN 05/2012
P.T. MAGAZIN 04/2012
P.T. MAGAZIN 03/2012
P.T. MAGAZIN 02/2012
P.T. MAGAZIN 01/2012

Anzeigenformate, Hinweise und AGB

Anzeigenformate 2020
Anzeigenpreisliste 2020
Anzeigenpreisliste Regional 2020
Anzeigenpreisliste Nur für Special-Partner 2020
Anzeigenpreisliste Regional Nur für Special-Partner 2020
Technische Angaben Druckunterlagen 2020
Themenplan 2020
Mediadaten 2020 komplett
Kurzporträt 2020
Online Mediadaten - Nur für Special-Partner 2020
Online Mediadaten 2020