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P.T. MAGAZIN 03/2012

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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Lady Gaga wäre ohne

Lady Gaga wäre ohne ihre Verrücktheiten nur halb so erfolgreich (Foto: SpreePix – Berlin/Flickr.com) Gesellschaft Megatrends im Alltag Mathias Haas, die Lady Gaga unter den Zukunftsforschern, diskutiert seine Thesen zu gesellschaftlichen Megatrends Mathias Hass ist Deutschlands einziger Trendbeobachter. Als ehrlicher Redner und zielorientierter Moderator macht er Unternehmen und Entscheider zukunftsfit. In seinen Vorträgen ist der gelernte Banker, studierte Betriebswirt und engagierte Entdecker frech, pragmatisch, scharfsinnig, mitreißend und bewegend. Mit seinen TRENDBEOBACH- TER-INTERVIEWS macht er Megatrends sichtbar und zeigt, wo und wie die Zukunft bereits begonnen hat. P.T.: Herr Haas, Sie gelten als „Deutschlands frechster“ Trendbeobachter, als Lady Gaga der Zukunftsforscher. Muss es im „sozialen Rauschen“ wirklich immer schriller werden? Kein Zurück zu Sachlichkeit und leisen Tönen? M. Haas: Es gibt schon noch viele leise Töne und auch viel Sachlichkeit. Aber es gibt auch immer mehr „Sender“ und vermeintlich immer mehr „Empfänger“. Jeder ist heute Teil der internationale Social Media Community, xingt, twittert oder liked Dies und Das. Allerdings wollen die meisten lieber senden als empfangen. Aber wer sendet, möchte natürlich auch empfangen werden. Dementsprechend gibt es einen kommunikativen Wettbewerb um die schrillsten Botschaften. Deswegen ist der Vergleich mit Lady Gaga völlig richtig. Die wäre doch ohne ihre Verrücktheiten nur halb so erfolgreich. Immer mehr Menschen nehmen Teil an der Castingshow des Lebens und buhlen um Aufmerksamkeit. Wenn Du nicht empfangen wirst, nicht dabei bist im Kommunikationsstrom, dann bist Du out, abgeschaltet. Insofern haben die leisen Töne schon noch Platz – in einer ökologischen Nische. Sie sind quasi eine eigene Strömung geworden. Wer das Leise mag, wird es finden – aber abseits des „sozialen Rauschens“ wie Sie es nennen. Immer mehr Menschen nehmen Teil an der Castingshow des Lebens P.T.: Kommen wir zu einer Ihrer provokantesten Thesen. Weil sich Eltern und Staat von der Wiege bis zu Bahre um alles Menschliche kümmern, sehen Sie ketzerisch eine „Gesellschaft der Weicheier“. Das könnte man die dunkle Seite der Feminisierung nennen, oder? M. Haas: Sie können es nennen wie Sie möchten. Fakt ist, dass wir immer weniger Kinder haben. In Berlin haben 83 Prozent der Haushalte keine Kinder mehr. In Stuttgart, München oder Bonn sind es auch über 80 Prozent. Und alles was rar ist, wird gehütet wie ein Schatz. Kinder werden heute umsorgt wie nie zuvor, verwöhnt und verweichlicht. „Wenn klein Fritzchen lieber ein Eis mag, dann gehen wir nach dem Bäcker noch zur Eisdiele.“ Kinder, die immer ihren Willen durchsetzen und schon von klein auf quasi Verbrauchermacht über ihre Eltern ausüben, werden andere sein, als sie die heutige Gesellschaft kennt. Sie werden entweder nicht mit Widerständen zurechtkommen und sich nicht durchsetzen lernen oder aber sie werden hedonistische Einzelgänger, verwöhnte Individualisten, die kaum noch in Strukturen und Prozesse zu integrieren sind. Klar, das werden nicht alle sein, aber es geht ja um Mega trends, die tatsächlich unser Verhalten verändern. Diese Menschen werden die Wirtschaft und die Gesellschaft verändern! Und Kinder werden auf diesem Wege unselbständiger. Kinder sind das emotionale Zentrum von Familien. Die Eltern kümmern sich um Vieles. Deswegen muss man mal überlegen dürfen, ob Kinder nicht mal Urlaub von der Aufmerksamkeit ihrer Eltern brauchen. P.T.: Die meisten Azubis, die als „Kaufmann/frau“ abschließen, haben aktives Verkaufen nur theoretisch kennengelernt. „Verkaufen“ ist irgendwas zwischen Klinkenputzer und Wallstreet- Zockerei, damit will man sich nicht (Foto: HAAS. KOMMUNIZIERT. GMBH) identifizieren. Rechnen Sie tatsächlich mit einer positiven Renaissance des Berufsbilds „Verkaufen“? M. Haas: Verkaufen wird individueller. Das alte Denken in Zielgruppen und segmentierten Märkten funktioniert nicht mehr. Jeder Kunde muss einzeln erreicht, angesprochen und überzeugt werden. Er reagiert nur noch auf subjektive Schlüsselreize und hört nur auf die Argumente, die für ihn ganz allein gerade in diesem Moment interessant sind. Das haben klassische Verkäufer nicht gelernt. Moderner Verkauf ist eine Mischung aus Social Media Management, Teamplay, Psychologie, Verhandlungskunst, Produktsach- und Branchenfachkenntnis und persönlicher Integrität und Persönlichkeit. Gesucht wird der Kommunikations- Allrounder. Und da es davon nur wenige gibt und immer weniger geben wird, wird auch das Berufsbild Verkaufen wichtiger und mehr Anerkennung erfahren. Allerdings, und das ist der Gegentrend, dank des Internet wird man auch weniger menschliche Verkäufer benötigen. Die einfachen Dinge werden im Web erworben. Den Verkäufer wird es nur noch im Premiumbereich geben. Dort muss er dann vor allem Orientierung bieten – Auswahl gibt es wahrlich genug. P.T.: Im P.T. Magazin wurde schon 2006 die Regionalisierung als Gegentrend zur Globalisierung beschrieben. Gerade in einer unbegrenzten Welt will sich der Mensch irgendwo „heimisch“ fühlen. Und die inneren Kerne konzentrischer Wirtschaftskreisläufe wurden als „Regiotop“ beschrieben, das entweder Senke oder Quelle volkswirtschaftlichen Vermögens ist, dass durch wirtschaftliche „Artenvielfalt“ oder Monokultur geprägt sein kann. Sie greifen diese Debatte mit der Frage auf, ob nun jeder regionale Rehbraten seine eigene Facebook-Seite bekommt. Gönnen Sie den Menschen diesen Spaß nicht? M. Haas: Regionalisierung ist die natürliche Gegenbewegung zur Globalisierung. Jeder Trend hat seinen Gegentrend. Letztlich strebt ja alles nach Ausgleich. Die Frage wird eher sein, was ist banal und was knallharte Wirtschaft. Das lässt sich immer weniger unterscheiden. Vieles, was heute spaßig daher kommt, ist am Ende interessengeleitet. Und der regionale Rehbraten ist ja nicht nur lecker, sondern oft auch ein gesellschaftliches Statement. Heute braucht es eine andere Unternehmenskultur. Die klassische Führung hat ausgedient. Die Suche nach Sinn und Nachhaltigkeit in einem dennoch fast grenzenlosen Konsum muss kombiniert werden – so zumindest denkt die Generation Facebook. Teilzeitvegetarier trifft porschefahrenden Atomkraftgegner – was ist nun Spaß und was Ernst? Was ist die natürliche Konsequenz transparenter Märkte und sozialer Netzwerke und was nur bloßer Pseudo-Lobbyismus? Die Grenzen verschwimmen. Der eigene Intellekt und die persönliche Marktmacht werden wichtiger. P.T.: Wer wissen will, wie der Hase läuft, muss Haas fragen, sagen Sie. Viele Hunde sind des Hasen Tod, sagt der 11 Thesen von Mathias Haas Volksmund. Vor welchen Hunden fürchten Sie sich am meisten? M. Haas: Die Menschen werden immer individueller. Deutschlands Wirtschaft ist aber groß geworden durch sehr gut organisierte Einheiten, wenig Fehler in einer perfekten Produktion und größter Disziplin. Heute braucht es aber eine andere Unternehmenskultur. Die klassische Führung hat ausgedient. Jeder ist mündig oder glaubt zumindest, es zu sein. Der einzelne Arbeitnehmer wird bedeutender – nicht zuletzt wegen des demographischen Wandels. Die Unternehmen bauen radikal um (oder werden es hof- fentlich bald tun), weil sich alles um sie herum auch wandelt: die Menschen, die Märkte und die Bedarfe. Schnelle Anpassungsfähigkeit ist heute wichtiger als gute Organisation. Fehler werden zu Erfahrungen und Lernchancen, die auch mal teuer erkauft werden müssen. Planbarkeit gibt es kaum noch, keiner kann mehr „immer richtig“ entscheiden. Sie müssen testen und ausprobieren! Wenn alle diese Faktoren zusammenkommen und sie täglich sehen, wie viele Unternehmen noch in ihrer alten Tradition leben und agieren, dann können Sie sich fürchten – als Verbraucher, Arbeitnehmer und Trendbeobachter. n 1. Der Kampf um Aufmerksamkeit oder wird Kommunikation zum sozialen Rauschen? 2. Die Glaubwürdigkeit und die (wahre) Geschichte. Muss bzw. darf alles erfunden werden? 3. Welten und Systeme. Suchen wir die persönlich-individuellen Wohlfühlsysteme? Müssen, beispielsweise Megaliner, überhaupt noch den Hafen verlassen? 4. Status wandelt sich. Benutzen statt Besitzen? 5. Vielfalt und Multioptionalität. Wird der Verkäufer wichtiger denn je? 6. Individualisierung und Orientierung. Wir lieben uns, wir werden direkt zum Superstar. 7. Ohne Umwege. Ist „Mass Customization“ die neue Allzweckwaffe? 8. Regionalisierung und die Suche nach „Sinn“. Bekommt jetzt jedes Reh und jeder Rehbraten eine Facebook-Seite? 9. Die Silver Surfer und der schwierige Vertrauensaufbau. Wo ist der Treppenlift? 10. Kinder, das emotionale Zentrum von Familien. Ist hier jeder Preis möglich? Und wenn es nicht klappen sollte, darf es dann das Haustier sein? 11. Es gibt zu wenig junge Menschen. Wird der Arbeitnehmer jetzt zum König? 12 P.T. MAGAZIN 3/2012 3/2012 P.T. MAGAZIN 13

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