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PT-Magazin 02 2019, Erfolg, Experten

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Wirtschaft PT-MAGAZIN 2/2019 © Alexander Limbach - stock.adobe.com 42 Fatalismus oder Gestaltungswille? Es dämmert vielen Menschen immer mehr, dass zukünftig Technologien nicht nur wie in der Vergangenheit die Natur um uns herum verändern, sondern bald schon auch den Menschen selbst umformen werden. Möglichkeiten einer grundlegenden Veränderung unserer Biologie, unserer Psyche und Wahrnehmung und unseres Bewusstseins zeichnen sich bereits ab. Wie wir damit umgehen und diese Möglichkeiten gestalten, bestimmt die Zukunft unseres Menschseins sowie die unserer individuellen Freiheit. Das macht vielen Menschen Angst. Denn sie glauben, dass der technologische Fortschritt in all seiner Gewaltigkeit eine autonome Kraft darstellt, die einfach so wirkt, ohne dass wir irgendetwas daran ändern können. Wir sind ihren Entwicklungen unrettbar ausgesetzt. Doch sind wir tatsächlich nur passive Zuschauer und Leidtragende, über die neue Technologien einfach so hinwegrollen? Oder können wir diese nicht vielleicht selber gestalten, und dies vielleicht zum Besten unser aller? Um die letzte Frage positiv zu beantworten, braucht es sicherlich folgendes: 1. Wissen; 2. Bereitschaft und Mut zum Engagement; 3. Klare Grundsätze und Ziele. KI, unsere Zukunft und die Rolle der High Level EU-Expertengruppe AI HLEG Am ehesten wird noch dem Staat und seiner politischen Spitze eine Führungsrolle in dieser Frage zugesprochen. Doch in der Realität sind politische Akteure zumeist sowohl vom Inhalt als auch von der Geschwindigkeit des technologischen Wandels überfordert. Andere Teile des gesellschaftlichen Führungspersonals und der meinungsbildenden Berufe (Intellektuelle, Wissenschaftler, Kulturschaffende, Journalisten, Kirchen, Pädagogen, etc.) erweisen sich den Herausforderungen des technologischen Fortschritts gegenüber oft als nicht weniger hilflos. So werden die Entwicklungen in der Realität oft den Kräften des Marktes überlassen. Dafür existiert sogar ein theoretisches Fundament: Die klassische Ökonomie zeichnet das Bild eines Marktes, der automatisch optimale Bedingungen (zum Beispiel Wohlstand für alle) hervorbringt, wenn man ihn nur lässt. So dient die fast 250 Jahre alte Metapher von der „unsichtbaren Hand“ noch immer als Legitimationsprinzip für die Auffassung, dass ein Markt nur dann die Gesellschaft als Ganzes zu maximalem Wohlstand führt, wenn der Güter- und Dienstleistungsaustausch und andere ökonomische Aktivitäten (in unserem Kontext die technologische Entwicklung) sich völlig unbeschränkt entfalten können. Dass dieses Idealbild ökonomischer Modelle nicht den realen marktwirtschaftlichen Prozessen entspricht, ist längst bekannt. Zahlreiche Kräfte verhindern, dass das von Ökonomen propagierte marktwirtschaftliche Gleichgewicht sich einstellt: Externalisierung von Kosten (Verletzung des Verursacherprinzips), Interessenkonflikte und Korruption, Wettbewerbsverzerrungen, Informationsasymmetrien unter Marktteilnehmern sowie nicht zuletzt massive kognitive Verzerrungen (die längst einen eigenen Zweig in der ökonomischen Forschung hervorgebracht haben, die Verhaltensökonomie). Die freien Kräfte des Marktes

unterliegen vielmehr einer kapitalistischen Verwertungslogik, bei der es für den einzelnen Akteur darauf ankommt, möglichst viele Profite zu erwirtschaften. Gesellschaftliche Probleme zu lösen ist dagegen kein Bestandteil irgendeiner Zielfunktion ökonomischer Akteure. Wie kann dies dann ein Teil einer solchen im Markt insgesamt sein? Ein Prüfstein für die „unsichtbare Hand“ des freien Marktes stellt die ökologische Dimension dar. Dass unser Wirtschaftssystem bei einem der bedeutendsten Probleme unserer Zeit, dem drohenden Klimawandel, kläglich scheitert, wird immer offenbarer. Externe ökologische Kosten treten nun einmal in keiner ökonomischen Zielfunktion auf. Daher drohen wir als Spezies an einer Frage zu scheitern, die für unser langfristiges Überleben kaum wichtiger sein könnte. Ein weiterer Lackmustest für die globale Gesellschaft wird sein, wie wir den technologischen Fortschritt gestalten. Doch sind die mit dem technologischen Fortschritt verbundenen Prozesse nicht längst zu unübersichtlich, als dass wir ihnen irgendetwas entgegenstellen könnten? Ein solcher Fatalismus könnte selbst fatal sein. Vielmehr braucht es für seine Gestaltung die globale Abstimmung zwischen Interessensgruppen, Staaten und Machtblöcken, damit verhängnisvolle Entwicklungen vermieden und möglichst großer Nutzen für alle Menschen realisiert werden kann. Im Zentrum muss dabei immer ein demokratischer Prozess stehen. Nur eine hohe soziale Diversität, dezentrale Informations- und Entscheidungsstrukturen und gesellschaftliche Vielfalt schaffen eine ausreichend hohe Funktions- und Leistungsfähigkeit und damit die notwendigen Einsichten und Entscheidungskraft innerhalb von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Erst Demokratie auf globaler Ebene ermöglicht die Abstimmung zwischen Interessensgruppen, Staaten und Machtblöcken, um Entwicklungen zu vermeiden, die die Menschheit als Ganzes ins Abseits führen. Wie das konkret aussehen kann, könnte eine Initiative der EU-Kommission mit der Gründung einer Experten- Gruppe (High-Level Expert Group on Artificial Intelligence, AI HLEG) aufzeigen, die sich im Dezember 2018 mit einem Beitrag „Ethische Grundlagen für eine vertrauenswürdige KI“ an die Öffentlichkeit wandte. „Künstliche Intelligenz (KI) ist eine der transformativsten Kräfte unserer Zeit und wird das Gewebe der Gesellschaft verändern“, heisst es darin gleich zu Beginn. Die Experten nennen daraufhin die Prinzipien auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen Entwicklung der KI-Technologien. Insbesondere sei hier ein „anthropozentrischer“ Ansatz vonnöten, so die Gruppe unisono. Ziel ist es, die Entwicklung der KI derart zu gestalten, dass der einzelne Mensch, seine Würde und seine Freiheit geschützt werde, Demokratie, Recht und Gesetz sowie Bürgerrechte aufrecht erhalten werden und Gleichheit, Minderheitenschutz und Solidarität gefördert werden. Grundlegende Richtlinien für jede KI-Technologie müssen daher sein: • Den Menschen Gutes zukommen zu lassen • kein menschliches Leid zu verursachen • die menschliche Autonomie zu fördern • das Prinzip der Fairness gelten zu lassen • Transparenz und Nachvollziehbarkeit in allen Wirkungen zu erreichen. 43 PT-MAGAZIN 2/2019 Wirtschaft © Alexander Limbach - stock.adobe.com

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