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PT-Magazin 02 2018

Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

PT-MAGAZIN 2/2018 © Michael Willhardt Gesellschaft © Michael Willhardt 12 Welcher Weg gewählt wird, um aus der sich weiter verschärfenden Krise zu kommen, die Chance auf eine friedliche und gar einfache Lösung ist klein. Die Unruhen, die aktuell durch die steigenden Preise entstehen und die wieder zunehmende Isolierung des Landes setzt sowohl die Bevölkerung wie auch die Machthaber extrem unter Druck. Früher oder später kann dies zu Gewalt und auch zu einer enormen Wanderungsbewegung führen. Marco Polo nannte Yazd einst „Die Edle“. Die mit knapp 500.000 Einwohnern für iranische Verhältnisse recht kleine Stadt ist eine der ältesten Orte im Land. Die alte Handelsstadt an der südlichen Seidenstraße ist umgeben von hohen Bergen und den Wüsten Dascht-e Kavir und der Dascht-e Lut (ebenfalls Weltkulturerbe, größte Wüste im Iran und mit gemessenen 70.1 Grad Oberflächentemperatur einer der heißesten Orte der Erde). Die Stadt hat mehr als 2500 Jahre Geschichte hinter sich und ist wie kein zweiter Ort dazu geeignet, über den Iran, seine Geschichte, über Widersprüche in der Gegenwart zu berichten. Heute nennt sich der Iran “islamischer Staat”, jedoch hat die islamische Kultur die vergleichsweise kürzere Geschichte. Als arabische Moslems das alte über 1000 Jahre währende zoroastrische Perserreich zerstörten, verschonten sie die Stadt Yazd, wie später auch die Mongolen, weil sie die Wüstenoase strategisch für bedeutungslos hielten. Als vorherrschende Religion des persischen Reiches verlor der Zoroastrismus infolge der islamischen Eroberung in den Jahren nach 636 an Bedeutung. Im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, also wenige Jahre nach dem Jahr “0” des islamischen Kalenders, kamen die Reiter Mohammeds mit Feuer und Schwert und eroberten ganz Asien. Auf Gegenwehr stießen sie kaum und der neue Glaube setzte sich schnell durch. Wie viele Eroberer vor und nach ihnen machten sie sich umgehend daran, alte Spuren zu verwischen und errichteten ihre

PT-MAGAZIN 2/2018 Moscheen auf den Fundamenten der Feuertempel der persischen Zoroastrier. Ab zirka 900 n.Chr. stellten die Moslems die Mehrheit im Iran. Allerdings bergen viele iranische Feste das zarathustrische Erbe in sich, wie etwa das schiitischen Neujahrsfest Nouruz. In den Jahren nach der Eroberung wurde Yazd zum Zentrum der verbliebenen Jünger Zarathustras, weil viele Zoroastrier in die wenig beachtete Stadt flohen. Dank ihrer guten Handelsbeziehungen erblühte Yazt jedoch als Umschlagplatz für Seide und Teppiche. Heute wohnen noch 6000 Zoroastrier in der Halbmillionenstadt. Neben der schiitischen Bevölkerungsmehrheit sind sie eine religiöse Minderheit, die großen Wert auf den Erhalt ihrer Traditionen legt. Historisch bedeutsam wurde die Stadt Yazd noch einmal im Jahr 1907, als die Grenz- bzw. Scheitelpunkte der britisch-russischen Interessensphären in Persien vertraglich festgelegt wurden. Der russische Einfluss sollte das Gebiet nördlich von Yazd, das heutige iranischafghanisch-turkmenische Dreiländereck umfassen, der Einflussbereich der Briten südlich. Der Hunger nach Öl und Rohstoffen ist und bleibt ein mitbestimmender Faktor aller Entwicklungen im mittleren Osten. Im Unterschied zu vielen, heute zerstörten Städten in traditioneller Lehmbauweise ist Yazd dem Modernisierungstrend entkommen, mitsamt dem Qanat-System, traditionellen Häusern, Basaren, Hammams, Zisternen, Moscheen, Synagogen, zoroastrischen Tempeln und dem historischen Garten von Dolatabad. Zudem ist die Stadt von der friedlichen Koexistenz zwischen Islam, Judentum und Zoroastrismus geprägt. 2016 wurden 140 Hektar von Über den Autor Dr. Michael Willhardt führt eine Kommunikations-Agentur in Duisburg. Claytec - Baustoffe aus Lehm, Preisträger des Jahres 2012 beim „Großen Preis des Mittelstandes“, hat die Berichtlegung großzügig unterstützt. historischer Struktur für eine Registrierung in die UNESCO Welterbeliste gemeldet. Im Zentrum der traditionellen Häuser von Yazd sprudelt stets ein Brunnen, die Pflanzen rund um das Nass sind im Orient ein Zeichen des Wohlstandes. In Verbindung mit den Windtürmen entsteht zu den zum Innenhof offenen Wohnräumen ein kühles, angenehmes Klima. Die zoroastrischen Vorfahren sagten, dass man jede Landschaft zum Blühen bekommen kann, wenn man nur genügend Arbeit aufwendet. Sie haben aufwendige Bewässerungssysteme entwickelt, die Qanate, die das Wasser seit Jahrtausenden in die Stadt bringen. Sie werden unverändert instand gehalten und gepflegt. Das iranische Hochland ist arm an Flüssen und Seen. Wo sie vorhanden sind, trocknen sie im Sommer aus. Wasser ist das Gold der Wüste und die Menschen erschufen ein auf der Welt einmaliges System aus unterirdischen Wasserkanälen. Die Qanate sind manchmal über 100 km lang und bis zu 300 m tief. Durch diese Kanäle fließt auch heute das Quell- und Schmelzwasser durch die Wüste. Ausbildung und Beruf der Kanalbauer ist eine krisensichere und sehr anstrengende Arbeit, die in der Regel Kinder im Alter von 10-12 Jahren anfangen, weil die Kanäle so klein sind, dass nur kleine Leute diese erbauen können. Wartung und Bau sind ein angesehener und gut bezahlter Beruf. ó

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