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Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

Gesellschaft

Gesellschaft PT-MAGAZIN 2/2016 Bild: imtmphoto/fotolia.com 12 PT-Magazin: Wie reagieren Chinesen, wenn Tabus verletzt werden? Krajewski: Durch Schweigen. Daher dauert es oft, bis man überhaupt merkt, dass man einen Tabubruch begangen hat. In asiatischen Ländern geht es darum, das Gesicht zu wahren, das eigene, aber noch viel mehr das Gesicht des anderen. Ein Chinese, der freundlich sein will, wird immer dein Gesicht wahren wollen, also keine Kritik äußern. PT-Magazin: Wie streitet man auf Chinesisch zum Beispiel? Krajewski: Gar nicht. In China und auch vielen anderen asiatischen Länder sind Auseinandersetzungen niemals konfrontativ, weil es das Gesichtwahren verhindert, den anderen bloßstellen könnte. Man will sich ja später wieder begegnen können. PT-Magazin: Doch wo bleiben all die Emotionen, Aggressionen? Krajewski: Das hat man in den Kulturkreisen einfach viel besser im Griff als bei uns, sie sind kontrollierter. Wer im Streit die Stimme erhebt oder schreit, verliert damit sein Gesicht. Daher tun Chinesen das im Prinzip nicht. PT-Magazin: Kann man sagen, dass die Gesetzmäßigkeit des Gesichtwahrens eine so große Anforderung ist, die Kraft verleiht, Dinge zu unterlassen, die wir hier tun? Krajewski: Ja. Die Chinesen sind viel ausgeglichener – zumindest kommen sie so rüber. PT-Magazin: Gibt es auch ein schönes Tabu, das Sie in China oder einem anderen Land erlebt haben? Etwas, das Sie gerne auch bei uns hätten? Krajewski: Ich finde es erfreulich, dass die Menschen in den asiatischen Ländern sich nicht so auseinandernehmen, vor allem nicht vor anderen Leuten. Dass es dort eine andere Art der Kommunikation gibt – die des Gesichtwahrens, mehr Achtsamkeit. Das ist ein schönes Tabu. Weniger anstrengend. PT-Magazin: Ist es nicht im Gegenteil viel anstrengender, dauernd die Grenzen auszuloten? Was darf ich noch, wo habe ich eine Grenze überschritten? Krajewski: Zwischen Gesprächspartnern aus verschiedenen Kulturkreisen schon, aber zwischen den Chinesen funktioniert es völlig unangestrengt. Es gibt einfach ganz viel Unausgesprochenes, das man aber als Einheimischer weiß, weil es ein Teil der Kultur ist. Eine sehr wichtige Erkenntnis: wenn man in Asien zum Beispiel „vielleicht“ oder „kann schon sein“ sagt, heißt das eigentlich „nein“. PT-Magazin: Und wie ist es mit dem Thema Tod? Krajewski: In Europa haben die Menschen meist das Problem damit, wie sie mit den Hinterbliebenen umgehen sollen. In China ist alles, was mit dem Tod zu tun hat, absolut tabu. Über Tod zu sprechen ist mehr tabuisiert als in westlichen Ländern. PT-Magazin: Stimmt es, dass die Vier dem Todeszeichen entspricht? Krajewski: Ja, es ist einfach das gleiche Wort, “sí” heißt vier, klingt aber genauso wie das Wort für Tod, es ist ein Homonym. Daher gibt es keine vierte Etage. Ein Audi A4 lässt sich nicht verkaufen. In ein Haus einzuziehen mit der Nummer vier bringt Unglück – wie bei uns mit der Zahl 13, die auf das Abendmahl zurückgeht. PT-Magazin: Sie vermitteln Menschen Wissen, wie sie sich in der anderen Kultur verhalten, mit welchen Tabus sie es zu tun haben werden. Was geben Sie an diejenigen weiter, die aus anderen Ländern nach Deutschland gehen? Welche Tabus sollten sie kennen? Nennen Sie uns drei Tabus, die beachtet werden sollten in unserem Land. Krajewski: Aus meiner Sicht ist alles, was mit dem Holocaust zusammenhängt, ein schwieriges Thema. Bestimmte Fragen sollte man nicht stellen, die aber eher universell tabu sind, wie nach Verdienst, Alter oder Krankheiten. Mir fallen mehr Beispiele ein, was man als Deutscher in anderen Ländern nicht machen sollte: man sollte sich nicht ständig beschweren. Das macht kein Chinese. Australier auch nicht. Also als Deutscher ist das auch immer unangemessen.

PT-Magazin: Verraten Sie uns Ihre Motivation, sich mit diesem Thema, mit Tabus und ihrer Wirkungen zu befassen? „Es gibt Dinge, über die spreche ich nicht einmal mit mir selbst“ (Konrad Adenauer) Krajewski: Weil ich viel gereist bin. Die erste Konfrontation für mich war, als ich in London gelebt habe, einer Stadt, in der es sehr viel bunter war als in Berlin. Da habe ich mal eine schwarze Studentin gefragt, wo sie denn ursprünglich herkommt. Das macht man natürlich nicht, sie war Engländerin. Als bei mir der Groschen fiel, war es mir sehr peinlich. Mein erster Fettnapf – zumindest der, den ich bemerkt habe. So fing ich an, mich für Tabus zu interessieren: Was merkt man, was nicht? Wie kann man es vermeiden und wie repariert man es, wenn einem so was passiert? Eine Kultur lässt sich ja nicht in die andere übersetzen, man muss einfach einen anderen Denkansatz haben. PT-Magazin: Wie können Ihre Erkenntnisse im Business weiterhelfen? Was dürfen Unternehmen erwarten von Studienabgängern mit mehr interkultureller Kompetenz? Krajewski: Unternehmen wollen Menschen einstellen, die wissen, wie man mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern gut kommunizieren und arbeiten kann ohne gravierende Missverständnisse und Tabubrüche. Offene Augen, offene Herzen, Achtsamkeit und eine gute Portion Humor helfen, manch direkten Tritt ins Fettnäpfchen zu verhindern – oder zu verkraften. Unternehmen wissen inzwischen, dass sie ihre Leute auf einen Auslandsaufenthalt vorbereiten müssen. Ebenso ist eine Begleitung notwendig nach Rückkehr, denn man erlebt noch mal einen Kulturschock, da man das eigene Land aus der Ferne ganz anders sieht – egal, wo man gelebt hat. So erhält man die beste Synergie in unserer globalisierten und zusammenrückenden Welt. PT-Magazin: Sie vermitteln Menschen etwas ganz Wesentliches, dass ihnen hilft, sich über sich selbst hinaus zu entwickeln und dadurch etwas Neues zu erwerben. Sich mit Tabus zu befassen, hat etwas mit Wertschätzung für andere Länder, für andere Sitten, andere Kulturen zu tun. Tabus ändern sich und mit ihnen die Welt. Tabus schaffen neue Sichtweisen und schärfen das Hinsehen. Dank Ihrer Kompetenz gewähren Sie den Menschen und uns mit diesem Interview einen spannenden Einblick in ein wichtiges Thema. Vielen Dank. Krajewski: Danke schön. ó Gesprächspartnerin Sabine Krajewski ist Kommunikationsforscherin mit Schwerpunkt Tabus. Ihr neues Buch mit dem gleichnamigen Titel „Tabu“ schenkt dem Leser in 16 Kapiteln viele individuelle Einblicke in sehr interessante Tabuwelten. Gesellschaft PT-MAGAZIN 2/2016 13 Michael Arpe Geschäftsführer SIE SUCHEN PERSPEKTIVEN FÜR WACHSTUM, VORSPRUNG IM WETTBEWERB UND GESCHÄFTSFELDER VON MORGEN? Wir entwickeln Konzepte und Strategien, gestalten Prozess- und Funktionsmodelle, Prototypen und komplette physische und digitale Produkte, grundsätzlich mit besonderem Fokus auf eine herausragende User Experience. PREISTRÄGER 2014. NOMINIERT ZUM PREMIER 2016.

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